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Grimma Das Muldental: Paradies für Reiter aller Altersklassen
Region Grimma Das Muldental: Paradies für Reiter aller Altersklassen
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00:16 06.06.2017
Welsh-Pony Rubin guckt aus dem Fenster in seiner Box. Er ist eines der Schulpferde vom Reit- und Fahrverein Grimma. Quelle: Nathalie Helene Rippich
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Grimma

Satte grüne Wiesen, das sanfte Rauschen der Bäume im Wind und die Mulde, die ruhig ihres Weges zieht. Freimut Zuhl steht auf dem Reitplatz Böhlsche Wiesen bei Grimma und lässt den Blick schweifen. Der 64-Jährige ist der Vorsitzende des Reit- und Fahrvereins Grimma. „2002 und 2013 stand hier alles unter Wasser – da konnte man nicht stehen“, erinnert er sich an die schrecklichen Tage der großen Hochwasser, in denen die Mulde alles andere als ein idyllischer Flusslauf war. „Beim zweiten Mal hat es uns noch härter getroffen. Das Wasser stand so lange, das war ein Totalschaden.“ Heute kaum noch vorstellbar. Das Gelände hat sich gut erholt. Ein neuer Richterturm und eine Flutlichtanlage thronen über der Wiese, die in den nächsten Wochen auf Hochglanz getrimmt wird. Denn am 15. Juli soll hier das traditionelle Reit- und Springturnier stattfinden.

Traditionsreich ist nicht nur das Turnier, sondern auch der ausrichtende Verein. Zuhl selbst ist in der Region geboren, zog im Kindesalter nach Grimma und saß mit neun Jahren das erste mal auf dem Rücken eines Pferdes – und zwar genau in dem Verein, dessen Vorstand er heute ist. „Wie lange genau es uns schon gibt, kann ich nicht sagen. Aber es muss so Mitte der 1950er-Jahre gewesen sein“, rechnet er sich aus. Rund 80 aktive Mitglieder zählt der Verein zur Zeit, acht Schulpferde stehen zur Verfügung. Außerdem stehen auf dem Gelände 15 Einsteller, Pferde aus privatem Besitz. Besonders Kinder begeistern sich für den Reitsport. „Aber wir haben Mitglieder in allen Altersklassen. Bis ins hohe Alter“, betont der ehemalige Vielseitigkeitsreiter stolz.

Von allzu kommerzialisiertem Reitstunden hält er nichts. „Die Kinder nur abzusetzen und nach 45 Minuten Unterricht wieder einzusacken, ist nicht meine Philosophie. Es gehört viel mehr dazu, so eben auch die Unterhaltung der Tiere.“ So verpflichten sich die Vereinsmitglieder regelmäßig an den Wochenenden dazu, das Füttern der Tiere zu übernehmen. „Das klappt gut. Besonders für die jüngeren ist die Verantwortung auch wichtig für das Selbstbewusstsein. Was denken sie, wie die strahlen, wenn ein kleiner Kerl so ein großes Tier auf die Koppel führen darf“, erklärt Zuhl. Sicherheit für Mensch und Tier stehen bei für ihn dabei im Vordergrund.

Auch wenn er sich zufrieden zeigt damit, wie es für den Verein läuft, blickt er etwas wehmütig in die Vergangenheit. „Früher war mehr Gemeinschaft. Wenn man heute zu einem Turnier lädt, reisen die Wettkämpfer erst kurz vorher an und fahren, wenn sie fertig sind. Früher war das wie ein Kurzurlaub, es gab abends sogar Reiterbälle.“

Eine große Gemeinschaft ist auch das, was Laura Quiring sich wünscht. Mit der Eröffnung der ersten Poloschule in Sachsen hat sie über die Grenzen des Landkreises hinaus von sich reden gemacht. Nachdem sie in Deutschland erste Erfahrungen in dem adrenalinreichen Sport gesammelt hat, hat sie die Leidenschaft während eines Aufenthalts in Argentinien, wo Polo als Volkssport gilt, endgültig gepackt. Fast zwei Jahre lang hat sie nach einem geeigneten Standort für ihr Herzenprojekt gesucht – einer Poloschule für jedermann, fernab von elitären Zutrittsbeschränkungen. Zunächst hatte sie ihre Pferde auch auf Zuhls Reiterhof stehen. Für Polo, bei dem mit Pferd und Schläger über ein Feld galoppiert wird, waren die Gegebenheiten aber nicht passend. „Es gab drei Bedingungen, die unbedingt erfüllt sein mussten. Wir brauchten eine möglichst große Reithalle, 30 bis 40 Boxen und eine große Wiese in der Nähe zur Pacht“, zählt Quiring auf. Fündig wurde sie letztendlich im Roten Vorwerk, ebenfalls in Grimma. Mittlerweile hat sich das Projekt herumgesprochen, immer mehr Interessenten melden sich. Das Training findet regelmäßig statt. Bis zu vier Spieler sind in einem Team. Eine gemischte sowie eine Kinder- und Jugendmannschaft gibt es schon, ein Frauenteam ist im Aufbau. Langfristig wünscht die passionierte Reiterin sich, dass sich Poloteams in vielen Gemeinden der Umgebung bilden und an den Wochenenden spannende Wettkämpfe in einer Liga ausgetragen werden. Sie hält das Muldental für einen geeigneten Ausgangsort für ihre Vision. „Was mir direkt aufgefallen ist, ist wie vielseitig die Möglichkeiten für Reiter hier sind.“ Das und die Begeisterung der Menschen für Sportarten hoch zu Ross sind die besten Voraussetzungen.

Von Nathalie Helene Rippich

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