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Das Übel kommt per E-Mail nach Ammelshain

Das Übel kommt per E-Mail nach Ammelshain

Alles sah täuschend echt aus. Als Lutz Kadyk aus dem Naunhofer Ortsteil Ammelshain dieser Tage Post von der Telekom auf seinem Computer fand, ahnte er nicht, wie sehr er es bereuen würde, den Anhang der E-Mail zu öffnen.

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Gefährliche Post: Lutz Kadyk hält die angebliche Telekom-Rechnung in Händen, mit deren Hilfe sein Computer ausgespäht wurde.

Quelle: Andreas Röse

Naunhof/Ammelshain. Zwei Tage später waren statt des ausgewiesenen, frei erfundenen Betrags 15 000 Euro vom Geschäftskonto seines Abschlepp- und Bergedienstes verschwunden. Mit einem Schlag wurde ihm klar: Er war einem Betrug aufgesessen.

Als Absender der Mail wurde die Telekom, in der Betreffzeile die Mai-Rechnung angegeben. Im Stress des Alltags übersah Kadyk, dass der Anhang, in dem sich für gewöhnlich die Rechnung befindet, nicht eine PDF- , sondern eine ZIP-Datei war. Ein Doppelklick auf das Symbol, und es erschien die Rechnung, die völlig authentisch wirkte mit Logo des Unternehmens und allen Firmenangaben. Durch das Öffnen der Datei holte sich der 48-Jährige aber auch einen Trojaner auf den Rechner, der, wie im Mythos vom namensgebenden Pferd im antiken Griechenland, im Verborgenen seine gefährliche Wirkung entwickelte. Der Virus spähte den Computer aus, registrierte alle Tätigkeiten auf der Tastatur und meldete sie an seine kriminellen Schöpfer weiter. Diese waren besonders am Online-Banking von Kadyk interessiert. Und so gelangte dessen Geheimnummer in ihre Hände. Sobald sie Kenntnis von dieser PIN hatten, überwiesen sie von Kadyk 15 000 Euro auf ein fingiertes englisches Konto.

Der Geprellte bemerkte das schnell, weil er jeden Morgen, wenn er die Firma betritt, zuerst im Computer auf seine Kontoumsätze schaut. Er rief seine Hausbank an, die es binnen einer Stunde schaffte, das Geld zurückzuholen. "Ich hatte Glück im Unglück dank der Volks- und Raiffeisenbank Muldental, die umgehend reagiert hat", sagt Kadyk, der sich fragt: "Was wäre wohl passiert, wenn ich Urlaub gehabt und niemand die Abbuchung entdeckt hätte?" Die Öffentlichkeit will er warnen, darauf zu achten, in welchem Format die Telefonrechnung einer E-Mail anhängt.

Der Deutschen Telekom ist das Problem bekannt, seit dem 13. Mai kursieren die falschen Mails. Betroffen sind, so Pressesprecherin Alexia Sailer, auch andere Unternehmen, und zwar nicht nur in Deutschland, sondern ebenso in der Schweiz und Österreich. "Dieser Fall in Naunhof ist aber der erste, von dem ich erfahre, bei dem in Bezug auf eine Telekom-Rechnung wirklich schon Geld von einem Konto abgehoben wurde", erklärt sie und bestätigt: "Die Rechnungen sehen wirklich super echt aus."

Zwei Details unterscheiden sie dennoch von denen der Telekom. "Die individuelle Buchungskontonummer fehlt in der Betreffzeile der Fälschungen, oder sie ist falsch", erläutert Sailer. "Darüber hinaus fehlt bei Privatkunden die persönliche Ansprache unter Nennung des korrekten Kundennamens." Es würde also nicht heißten "Sehr geehrter Herr Soundso", sondern "Sehr geehrter Kunde". Wer sich unsicher ist, könne im Online-Kundencenter der Telekom nachschauen, ob ihm wirklich der Betrag in Rechnung gestellt wurde. Sei das nicht der Fall, müsse die Mail umgehend gelöscht werden.

Ist der Computer vom Trojaner befallen, so Sailer, solle eine Prüfung aller Dateien mit mehreren Virenschutz-Programmen erfolgen. Da die Täter noch unbekannt sind und den Schadcode permanent verändern, werde er nicht zwingend von aktuellen Schutzprogrammen erkannt. Die Vollprüfung sei deshalb nach einigen Tagen zu wiederholen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 14.06.2014
Pfeifer, Frank

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