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Das Wort muss wirken wie eine Leine

Das Wort muss wirken wie eine Leine

Die warmen Temperaturen nach dem langen Winter locken viele Menschen hinaus in die Natur - auch die Hundebesitzer. Die Initiative "Natürlich Jagd" sieht das nicht ohne Skepsis.

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Ausreißen verboten: Wenn Hunde Wildtiere jagen, drohen dem Besitzer sogar Freiheitsstrafen.

Quelle: initiative natürlich jagd

Muldental. Denn frei laufende Hunde stellen für die ersten bereits geborenen Feldhasen oder trächtige Ricken eine große Gefahr dar.

Eigentlich reicht schon das sächsische Jagdgesetz aus, um Wildtiere vor Störungen durch Hunde zu schützen. Die Hunde müssten sich stets im Einwirkungsbereich des Halters befinden, erklärt Gunter Kießling, im Landratsamt im Sachgebiet Forst tätig. Diese Grundforderung bedeute nicht zwangsläufig, dass der Hund angeleint sein müsse. Allerdings müsse sein Besitzer ihn völlig unter Kontrolle haben, ein Wort müsse wirken wie eine Leine - Ausreißen ist verboten.

In vielen Bundesländern gilt vom 1. März bis zum 15. Juli eine Leinenpflicht für Hunde, weil in diesem Zeitraum Wildtiere ihre Jungen zur Welt bringen und deshalb besonders gefährdet sind. Im Freistaat Sachsen existiere auf Landesebene kein Gesetz, das den Leinenzwang für Hunde ausdrücklich vorschreibe, erklärte Sebastian Bachran von der Pressestelle der Stadt Grimma. Ausgenommen davon seien lediglich die im Gesetz zum Schutz der Bevölkerung vor gefährlichen Hunden aufgeführten Rassen. Rechtsverbindlich sei das nicht, doch die Stadt appelliere durch Schilder - zum Beispiel am Schwanenteich -, Hunde an der Leine zu führen.

Andere Kommunen haben verbindliche Regeln aufgestellt, allerdings nicht unbedingt für Wald und Feld. In Naunhof verweist Angelika Schulz aus dem Büro des Bürgermeisters auf die Ortspolizeiverordnung. "Tiere sind so zu halten und zu beaufsichtigen, dass Menschen, Tiere oder Sachen nicht belästigt oder gefährdet werden", heißt es darin unter anderem. Und weiter: "In Grün- und Erholungsanlagen sowie an Strandbereichen von ausgewiesenen Badeseen und bei größeren Menschenansammlungen muss der Hundeführer den Hund an der Leine führen." Diese Ortspolizeiverordnung gelte auch für die Kommunen Belgershain und Parthenstein, die sich mit Naunhof in einer Verwaltungsgemeinschaft befinden, erklärte Eva-Maria Walther von der Gemeinde Belgershain. Fast wortgleich klingt es in Trebsen: "In entsprechend ausgewiesenen Grün- und Erholungsanlagen sowie allgemein in Fußgängerzonen und bei größeren Menschenansammlungen muss der Hundeführer den Hund an der Leine führen. Zudem müssen Hunde in größeren Menschenansammlungen einen Maulkorb tragen." So stehe es in der Polizeiverordnung, teilte Ute Jänicke aus dem Hauptamt mit.

"In Colditz sind Hunde auf Gehwegen und in Fußgängerzonen an der Leine zu führen. Auf den übrigen Flächen hat der Tierhalter dafür Sorge zu tragen, dass sein Tier nicht ohne eine geeignete Aufsichtsperson frei herumläuft", erläuterte Ordnungsamtsleiter Silvio Gleffe. In Brandis herrscht laut Tom Schiebold aus dem Ordnungsamt Leinenzwang unter anderem auf öffentlichen Straßen, Gehwegen sowie in Grün- und Erholungsanlagen, in Bad Lausick laut Haupt- und Ordnungsamtsleiter Christian Weinert nur im Kurpark. In Wurzen gilt die Polizeiordnung wie in Naunhof nicht nur für Hunde: "Tiere sind so zu halten und zu beaufsichtigen, dass niemand belästigt wird und keine Gefährdung für Menschen, Tiere und Sachen besteht", heißt es dort. Außerdem ist laut Stadtsprecherin Cornelia Hanspach vorgeschrieben, dass Hunde in der Stadt Wurzen und deren Ortsteilen innerhalb der bebauten Wohnlage angeleint geführt werden müssen.

Die Regelungen im Muldental können die Sorgen von "Natürlich Jagd" nicht beseitigen. Vielen Hundefreunden sei nicht immer bewusst, dass der Hund seinem Ursprung nach ein Raubtier mit Jagdtrieb ist, erklärt die Initiative. Habe ein Hund eine Fährte aufgenommen und jage einem Wildtier hinterher, könnten nur extrem gut trainierte Vierbeiner zurückgerufen werden.

Komme es tatsächlich dazu, dass ein Hund ein Tier verletzt, empfiehlt "Natürlich Jagd" folgende Vorgehensweise: Zuerst sollte der Hund angeleint werden, wenn es sich um das eigene Tier handelt. Bei fremden Hunden ist es sicherer, Abstand zu halten. Das Tier könnte aggressiv reagieren, um seine Beute zu schützen. Als nächstes ist der zuständige Jäger oder die Polizei zu verständigen.

Ein solcher Hundeangriff kann rechtliche Folgen nach sich ziehen, denn Jagdwilderei ist ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz. Bei einer Anzeige können Geld- und sogar Freiheitsstrafen bis zu drei Jahren verhängt werden.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 20.04.2013

Heinrich Lillie

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