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Grimma "Das hätte ich mir schenken können"
Region Grimma "Das hätte ich mir schenken können"
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05:00 08.05.2010
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Der Saal im Grimmaer Rathaus war fast bis zum letzten Platz gefüllt, als Donnerstagabend die Sächsische Staatskanzlei und die Stadt Grimma zur Filmvorführung „Unsere Kinder" von Regisseur Roland Steiner einluden. Der Film behandelt das Thema (Rechts-)Extremismus in der DDR der späten 80-er Jahre und bildete den Rahmen für eine Podiumsdiskussion zwischen dem Regisseur Steiner, Anetta Kahane, Vorsitzende der Amadeu-Antonio-Stiftung und Schauspielerin Jennifer Ulrich („Die Welle").

Dieses Gespräch entwickelte sich geordnet, aber informativ: Anetta Kahane berichtete von der alltäglichen Gefahr für Leib und Leben aller derjenigen, die „das Interesse von Neonazis durch Hautfarbe oder unorthodoxe Kleidung wecken". Die Bemerkung Steiners über das provozierende „Radikalinski-Spielen" Jugendlicher wurde in ihrer Harmlosigkeit jedoch im Laufe des Gesprächs gemeinsam widerlegt.

Dass Neonazis in ihrem Verhalten einen letzten Weg dafür sehen, „gegen den Strich" zu gehen – eine Aussage des Moderators, Bastian Wierzioch vom MDR – sei nicht das größte Problem, war man sich einig, denn Rechtsextremismus gehe durch alle Altersschichten. Steiner zog eine Wirkungslinie von einem Gefühl der Ohnmacht, das zu Angst und letztendlich Aggression führe. „Wer sich machtlos fühlt, macht es sich einfach. Er kleidet und gibt sich so, dass Menschen vor ihm Angst haben", erklärte Wierzioch, so fühle man sich mächtig. „Doch das ist keine Macht." Ein Gegenmittel sei es, Jugendlichen zuzuhören, sie ernst zu nehmen.

„Bleiben sie mutig", warf der Moderator als Schlussappell der Diskussion in den Raum. Jedoch wirkten die rund 60 Zuhörer, ein Großteil Schüler, etwas enttäuscht ob des rund 50-minütigen Gesprächs, an dem sie selber nicht hatten teilnehmen dürfen. „Solche Veranstaltungen sind gut, wenn ihnen Taten folgen", meinte dazu Steven vom Netzwerk Naunhof und bemängelte: „Schade, dass die Diskussion nur untereinander geführt wurde. Ich hätte einiges zu sagen gehabt." Denn Rechtsradikalismus gebe es flächendeckend. „Jeder Ort, jede Gemeinde hat eine Gruppe von Neonazis, auch wenn die sich nur auf ein Bier treffen und Stammtischparolen von sich geben."

Doch Fragen zu den persönlichen Erfahrungen mit Extremismus wurden nicht gestellt. „Das hätte ich mir schenken können", beschwerte sich auch Martin, der auf die Mittelschule Grimma geht. „Ich hatte mich auf das Gespräch vorbereitet, mir Fragen überlegt." So ging der später gezeigte Film in der nachlassenden Konzentration der Zuschauer etwas unter und mit ihm der Schlusssatz: „Der Film ist ein Appell ans Zuhören."

Thomas Düll

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