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Grimma Das ist der Plan: Gülle-Hochbehälter am Rand von Zschoppach
Region Grimma Das ist der Plan: Gülle-Hochbehälter am Rand von Zschoppach
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05:00 07.02.2018
In Zschoppach machen sich die Menschen Sorgen, zum Güllezentrum der GbR Haßlau zu werden. Quelle: dpa
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Grimma/Zschoppach

Die GbR Haßlau hat ihre Pläne, im Grimmaer Ortsteil Zschoppach einen Gülle-Hochbehälter zu bauen, nicht ad acta gelegt. „Wir können davon nicht Abstand nehmen“, sagt Prokurist Rico Krause. Der Antrag auf Bauvorbescheid sei nur zurück gezogen worden, „weil das Projekt noch nicht rund ist“. Damit meint er offenbar Behältergröße und Zufahrt. Krause ließ aber offen, welche Zeitschiene das Unternehmen nun fahren will.

In Zschoppach dürfte diese Nachricht mit Sorge vernommen werden. Schon als die Pläne im vorigen Jahr bekannt wurden, regte sich Widerstand. Die Bauvoranfrage traf die Einwohner kalt. Nach den ersten Vorstellungen des Bauherrn soll der Gülle-Hochbehälter einen Durchmesser von 36 Meter haben und fünf Meter über die Erde ragen. „Das wäre die Größe des Grimmaer Nicolaiplatzes“ zeigt sich Ortsvorsteherin Ursula Rauwolf (Wählervereinigung Thümmlitzwalde-Zschoppach) entsetzt. Das Dorfbild würde empfindlich gestört.

Bewohner: „Wir hätten alle Emissionen“

Das ist es aber nicht allein, was die Menschen im Dorf bewegt. Die GbR Haßlau verfügt in Zschoppach über einen leer stehenden Stall und vier Hektar Land. Hier soll der Hochbehälter entstehen – nur 200 Meter von der Grundschule und 150 Meter vom Bäcker entfernt. Zudem pachtet die GbR um die 70 Hektar Acker in der Region, wissen die Zschoppacher zu berichten. Für die Güllemenge, die in den Tank passe, sei das viel zu wenig Fläche. Rauwolf prägt denn auch das Wort „Gülleumschlagplatz“ für die Ziele der GbR. „Die Gülle entsteht nicht hier, und die Felder reichen nicht“, kann sie die Wahl für den Bauplatz überhaupt nicht nachvollziehen. 6100 Kubikmeter würden in den Behälter passen, wie die Zschoppacher ausgerechnet haben. Das wären 200 bis 300 Lkw-Ladungen. „Wir hätten dann alle Emissionen, auch vom Verkehr“, schimpft der Zschoppacher Martin König. Davon abgesehen, dass die Frage des Zuweges völlig ungeklärt ist, befürchten die Dorfbewohner auch ein Zerfahren ihrer Straßen. Und Geruchsbelästigungen bei der Befüllung und Entnahme des Dungs. „Die Belastung ist nicht zumutbar“, betont Rauwolf.

GbR erweitert ihre Milchviehanlage

Die GbR erweitert derzeit im südöstlich von Döbeln gelegenen Haßlau ihre Milchviehanlage. Zusätzlich 580 Kühe sollen dort künftig Platz finden. In Zschoppach befürchtet man, dafür nun der Güllebehälter zu werden. Kein Wunder, dass der Ortschaftsrat gegen den Bauantrag ist und auch die Gefahr einer Havarie nicht ausschließen möchte. „Wir haben andere Pläne mit unserem Dorf“, sagt Rauwolf und denkt dabei an ein attraktives Wohnumfeld für junge Familien und deren Zuzug. „Wir haben die Firma gebeten, eine andere Lösung zu suchen“, sagt die Ortschefin, weiß aber auch, dass das Landratsamt so eine Anlage wohl für genehmigungsfähig hält. Im vorigen Jahr waren die Ortsvertreter bereits mit den Behörden im Kontakt, um ihre Argumente vorzubringen.

Falls die GbR Nägel mit Köpfen macht, wollen sich die Zschoppacher wehren. „Wir haben Pläne auf Eis liegen“, sagt Rauwolf. Das Sammeln von Unterschriften gehöre dazu.

Prokurist: „ Wollen Akzeptanz finden“

„Uns ist bewusst, dass man im Ort nicht über unser Vorhaben jubelt“, sagt Prokurist Krause. „Wir wollen es aber zur Akzeptanz führen.“ Das Volumen müsse auf die Flächen vor Ort angepasst werden, nennt er einen Grund, warum die Planungen zunächst wieder auf dem Schreibtisch landeten. Neben der Dimensionierung müsse auch über die Lage, den Transport und die Zufahrt nachgedacht werden. Eine Umplanung habe aber noch nicht stattgefunden. Krause,bestätigt, dass die Gülle in Haßlau anfällt.

Die GbR verfolge Projekte auch in anderen Regionen, sagt der Prokurist. Hintergrund dafür ist offenbar die Düngemittelverordnung, die seit Juni vorigen Jahres das Ausbringen von Düngemitteln zeitlich einschränkt. Nach der Ernte der Hauptfrucht bis zum 31. Januar dürfen die Tierwirte auch mit ihrem Kuhdung nicht mehr auf den Acker. Hauptzeit für die übel riechende Feldertour ist jetzt das Frühjahr. „Wir müssen uns Gedanken machen, wie wir gesetzeskonform arbeiten können“, sagt Krause. Insofern blickt das Unternehmen auch auf Regionen, wo es zwar keine Tiere, aber Land zur Verfügung hat, um die Gülle zu lagern. Auch Gärreste, das Endprodukt aus Biogasanlagen, sind laut Krause eine Option für Zschoppach. Die Anlage sei aber luftdicht verschlossen, so dass es nur beim Ausbringen Gerüche gebe. „Ich würde lieber die alte Düngeverordnung nehmen statt einen neuen Behälter“, betont Krause. Doch wenn das Projekt rund sei, „werden wir es zur Genehmigung einreichen“.

Von Frank Prenzel

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