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Das letzte Mal in der alten Tracht

Das letzte Mal in der alten Tracht

Stolz hüllt er sich noch einmal in seine Tracht mit Stiefel, Mantel, Hut, dem Bandelier für die Hundeleinen, der Schäfertasche und dem geschnitzten Stock. Seine beiden altdeutschen Schäferhunde King und Seiko stehen artig neben ihm.

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Tracht und Beruf an den Nagel gehängt: Der Rodaer Andreas Wentzlaff, hier mit seinen Hunden King und Seiko, war 45 Jahre lang als Schäfer tätig.

Quelle: Silke Hoffmann

Grimma/Roda. Doch beim Spiel „Wer hat die schönsten Schäfchen" ist Andreas Wentzlaff jetzt draußen. Nach 45 Jahren hängt er Tasche, Mantel, Hut und damit den Beruf an den Nagel.

„Für mich war schon als kleiner Junge klar, ich will einmal Schäfer werden", sagt der Rodaer, der mit zehn Geschwistern hier auf dem Lande aufwuchs. Wentzlaffs und Tiere – das war nie zu trennen. Verschmitzt lächelt Andreas, als er an die Jungenstreiche mit seinen Brüdern denkt. „Den Hund haben wir damals vor den Handwagen gespannt und auch Schafe, aber die wollten partout nicht ziehen. Mit den Ziegen ging’s schon bisschen besser." Bei Meister Freiberg in der Rodaer LPG begann der damals 14-Jährige die Lehre als Schäfer. Zwei Jahre später ging er nach Wetteritz zu Meister Krüger. „Von ihm habe ich viel gelernt, er war Spitze."

Es dauerte nicht lange, bis Andreas Wentzlaff – wieder in Roda – seine eigene Herde hatte. „Eigentlich waren es zwei, etwa 250 Muttern und 400 Jährlinge." Mit seinen Hunden, die er allesamt selbst ausbildete, trieb er die Schafe auf die Mutzschener Wiesen, auf abgeerntete Felder, auf die Hanglagen des Tannickenbachs. „Irgendwas finden sie immer zu fressen, und wenn es Körner sind, man nennt sie nicht umsonst Pfennigsucher." Nein, langweilig sei das nie gewesen. Das Radio habe er mitgenommen, aber keine Bücher. Und das Reden habe er auch nicht vermisst. „Bin sowieso kein sehr gesprächiger Typ. Mein Bruder Rudi ist da von einem ganz anderen Schlag."

Mit der Wende 1989 gab es auch für den Rodaer eine Wende. „In DDR-Zeiten war das Schaf eigentlich nur als Wollträger interessant", sagt Andreas Wentzlaff. Für ein Kilo Schurwolle habe es damals 65 Mark gegeben. „Wobei ich gern mal genau wüsste, wozu die harte und feste Wolle damals verwendet wurde. Für die Textilindustrie ganz sicher nicht", mutmaßt der Schäfer. Nach der Wende war das Kilo Wolle nur noch zwei Mark wert. So wurde die Rodaer Herde aufgelöst, Wentzlaff kaufte die Mutterschafe ab und machte sich selbstständig. Er pachtete Land und nutzte die beiden großen Ställe in seinem Rodaer Anwesen. „Ich hab umgestellt auf Fleischschafe, denn nun waren vor allem Mastlämmer gefragt." In DDR-Zeiten seien die Bürger ja nur selten in den Genuss solch leckeren Fleisches gekommen. „Da gab es höchstens Fleisch von Altschafen zu kaufen, aber das stinkt ja aus’m Toppe", weiß Andreas Wentzlaff.

Ein bisschen Wehmut ist ihm anzumerken, als er jetzt noch einmal in seine mitteldeutsche Schäfer-Tracht schlüpft, in der er einst viele Erfolge bei diversen Leistungshüten errungen hatte. Doch die Gesundheit spielte dem nun 59-Jährigen einen Streich, so dass er seinen Beruf nicht mehr ausüben kann. „Ich würde auch im nächsten Leben wieder Schäfer sein wollen", schwärmt er. Geht vorbei an den mittlerweile leeren Schafställen auf die Koppel hinters Haus und schaut auf die kleine Herde von Vollblütern und Arabern, die jetzt Rudi Wentzlaff bei seinem tierlieben Bruder Andreas eingestellt hat.

Silke Hoffmann

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