Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Grimma Demo auf der Autobahnbrücke
Region Grimma Demo auf der Autobahnbrücke
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
05:00 29.04.2010
Anzeige

. Die beiden „laufenden Meter" staunten Bauklötzer, wie die Laster unter ihnen durchbrausten – ganz ohne anschubsen! Die Brücke wackelte, die Leute hatten komische Ohrenschützer auf und dann kam auch noch die Polizei.

Für Miriam und Lukas wurde der Brückentag zu einem echten Abenteuer. Für Ute Hartwig-Schulz vom Künstlergut Prösitz schien der Protest bereits Routine. Kein Wunder: Zum vierten Male versammelten sich Aktivisten wie die Ragewitzerin Anita Höhne sowie die beiden Naunhofer Künstlerinnen Helgard Flügge und Kerstin Globig auf der Brücke, um sich zumindest symbolisch gegen den alltäglichen Wahnsinn zu erheben. Die Menschen in den Häusern links und rechts der A 14 seien einem derart unerträglichen Krach ausgeliefert, dass manche den Lärm nur noch hörten, sollte dieser plötzlich ausbleiben – etwa bei einem Stau. Künstlerkollege Patrick Franke verfeinert deshalb seit Monaten seine kultige Klangwarte. Ute Hartwig-Schulz: „Dorfbewohner haben sich bereit erklärt, in ihren Häusern Aufzeichnungsgeräte zu dulden, damit wir den Lärm ins Internet stellen können und so Befindlichkeiten sichtbar machen. Diese Bürgernähe, die fast bis ins Schlafzimmer reicht, dürfte einmalig sein – also ist es Kunst!"

So laut es auf der Autobahn auch ist, so still wurde es inzwischen um die Initiative „Kunst und Natur an der A 14". Der Eindruck täuscht, versicherte gestern das Aktionsbündnis, in dem sich Bürger aber auch Bürgermeister für einen möglichst kunstvollen Lärmschutz stark machen. „Wir waren ganz nah an einem Pilotprojekt. Aber die Firma aus Dresden bemühte sich im Wirtschaftsministerium vergeblich um Fördergelder."

Lutz Simmler vom Landschaftspflegeverband will Verkehrsminister Peter Ramsauer beim Wort nehmen: „Ausgerechnet am Tag gegen Lärm versprach dieser nämlich, für den Lärmschutz auch an Autobahnen langfristig 1,5 Milliarden Euro aufzuwenden." Simmler wertet das durchaus als Erfolg. Zeige es doch, dass die Proteste an vielen Orten in ganz Deutschland mittlerweile auch bei den Regierenden Gehör gefunden hätten. Als Akteur innerhalb der Initiativgruppe begrüßte er den Entschluss, sich an der deutschlandweiten Petition zu beteiligen. „50 000 Unterschriften brauchen wir, um sie im Bundestag übergeben zu können", präzisierte Ute Hartwig-Schulz.

Die Liptitzerin Barbara Scheller, stellvertretende Vorsitzende der sächsischen Bündnisgrünen, versprach, ihre Partei werde gehörig Druck machen: „Lärm macht krank! Deshalb ist es für mich unverständlich, wieso gerade an unserem Autobahnabschnitt zum Teil flächendeckend Bäume gefällt wurden. Denn auch ein Baum ist Lärmschutz!"

Wie immer blieb die Brückenbesetzung friedlich. Die Brummilenker schienen besonders auf die liebevoll gestalteten überdimensionalen Ohrenschützer der Demonstranten abzufahren. Manch einer hupte sogar ohrenbetäubend – ein ganz persönlicher Beitrag zum Tag gegen Lärm.

Haig Latchinian

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

[image:phpBU1exd20100428135211.jpg]
Belgershain.  Der Acker von Landwirt Wolfgang Tripke am Dorfrand von Belgershain wird am 1. Mai wieder zum Schauplatz für Pferdesrärken auf zwei Rädern.

29.04.2010

Grimma. Ohne Schutzhelm und Polsterung – so sieht es beim Unihockey aus. Das hielt die Grimmaer Wikinger-Damen des MFBC nicht davon ab, sich den Deutschen Meistertitel in dieser rasend schnellen Sportart zu sichern.

29.04.2010

Grimma. Die goldenen Zeiten für Pferdefleischer sind leider vorbei. Christian Wirth hat sie noch miterlebt, als er 1986 bei seinem Vater anfing, dessen Handwerk zu lernen – jetzt ist er nach eigener Aussage der einzige seiner Art im Muldental.

28.04.2010
Anzeige