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Grimma Demonstranten fordern Bargeld für Asylbewerber
Region Grimma Demonstranten fordern Bargeld für Asylbewerber
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05:00 30.09.2010
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. Dagegen protestierten gestern vor der Kreistagssitzung, initiiert vom Bornaer Verein Bon Courage, rund 120 Personen auf dem Grimmaer Markt, begleitet von großem Polizeiaufgebot. Unter ihnen auch einige Betroffene.

„Wer überwacht deinen Einkauf" steht auf einem Faltblatt des Vereins Bon Courage. Die Aussage ist klar, Vereinsvorsitzende Sandra Münch, spricht sie durchs Mikro: „Schluss mit den diskriminierenden Sondergesetzen! Die Menschen haben genauso ein Recht, frei entscheiden zu können und zu wählen, was sie gerne möchten." Die Protestanten verlangten die komplette Umstellung von Leistungen auf Bargeld, das heißt Geld für Kleidung, Essen und beispielsweise Busfahrten. Viel sei das ohnehin nicht, rund 180 Euro – ein Betrag, der etwa 60 Prozent unter der relativen Armutsgrenze liege. „Die Menschen brauchen mehr Freiheit. Wie sollen sie sich integrieren, wenn sie nicht einmal in einem normalen Laden einkaufen gehen können?", sagt Markus Hennig, Pressesprecher des Vereins, gegenüber der LVZ. Die 40 Euro, die es bislang in bar gibt, so erklärt er, seien eine Art Taschengeld, beispielsweise für Busfahrten. In anderen Kreisen sei die Bargeldzahlung längst Praxis.

Eine weitere Forderung der Protestierenden war, dass Asylbewerber weniger in Heimen, sondern dezentral in Wohnungen untergebracht werden. „So haben sie mehr Möglichkeiten, sich zu integrieren, die Sprache und das Land kennen zu lernen", hieß es bei der Kundgebung. Für beide Forderungen gelte neben dem Argument der besseren Integration auch jenes der Kosteneinsparung. „So ein Magazin, in dem die Gutschriften und Einkäufe verwaltet werden, kostet", sagt Hennig. Und: „Nicht immer sind alle Betten voll. Es ist also für beide Seiten ein Gewinn." – Aussagen, hinter denen auch Heike Werner, Kreistagsabgeordnete der Linken, voll steht und dies auf dem Grimmaer Markt bekundete. Bei der Veranstaltung ergriff auch Grimmas Oberbürgermeister Matthias Berger das Wort. Er lobte, dass es Menschen gibt, die sich für andere einsetzen und politisch engagiert sind. Tobias Jahn von der Diakonie Grimma betonte, dass die kirchliche Institution zwar keine politischen, aber menschliche Ziele verfolge. Daher seien ihm die Forderungen sehr wichtig. Angekündigt war auch ein Sprecher, der selbst in einem Asylbewerberheim wohnt. Er musste krankheitsbedingt absagen. Doch die Anwesenden zeigten, dass auch sie dafür eintreten, besser am Leben im Landkreis teilnehmen zu können. Insgesamt leben im Landkreis rund 150 Asylbewerber, davon die meisten in einem der vier Heime.

Magdalena Fröhlich

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