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Der Löwenbändiger von Lviv kommt aus Trebsen

Der Löwenbändiger von Lviv kommt aus Trebsen

Vor der "Villa Angerbrücke" in Leipzig brüllen seit kurzem wieder zwei Löwen, die in der Trebsener Werkstatt des Bildhauers Dirk Brüggemann zu neuem Leben erweckt wurden: "Tatsächlich brüllt nur einer", stellt Brüggemann klar - "nämlich der die Pranken über die Weltkugel hält und das Maul weit aufreißt.

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Bei der Fortbildung: Steinbildhauer Dirk Brüggemann (Dritter v.l.) gilt als ausgewiesener Spezialist in der Restaurierung. In der westukrainischen Stadt Lviv leitet er einheimische Handwerker an.

Quelle: privat

Lviv/Trebsen. Der andere Löwe mit Palmenzweig ist der friedliche." Letzterer könnte die Brücke in die Ukraine, nach Lviv, schlagen, hofft der 50-Jährige, der sich seit geraumer Zeit in der westukrainischen Metropole als Dozent engagiert und von einer Partnerschaft zwischen Leipzig und Lviv, den beiden "Löwenstädten", träumt.

Es war Liebe auf den ersten Blick, als Brüggemann, Mitglied im Trebsener Förderverein für Handwerk und Denkmalpflege, jene über Jahrhunderte von Polen, Ukrainern, Juden, Armeniern, Österreichern, Deutschen und Russen geprägte 750 000-Einwohner-Metropole betrat. Mehr als zehn Prozent aller ukrainischen Kulturdenkmäler befinden sich in dieser durch und durch europäischen Stadt Lviv (Lemberg). Die mittelalterliche Altstadt gehört seit 1998 zum Unesco-Weltkulturerbe. Inzwischen begnügt sich Brüggemann längst nicht mehr mit seinem Schulrussisch, sondern spricht schon ganz gut Ukrainisch. "Ein weiterer Schlüssel zur naturverbundenen ukrainischen Seele ist unsere sächsische Mentalität, unsere DDR-Vergangenheit mit sowjetischer Prägung", bemerkt er. Brüggemann bezeichnet Lviv längst als seine zweite Heimat, der Bildhauer schwärmt vor allem vom dortigen charmanten Kalkstein, der noch weicher als der in Paris sei.

"Herr Brüggemann gehört zu einer ganzen Reihe von ausgewiesenen und ausgewählten Fachleuten, die unser Projekt im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unterstützen", sagt Iris Gleichmann von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Ziel der Aktivitäten ist die behutsame Restaurierung des baulichen kulturellen Erbes unter Einbeziehung der Bewohner, Planer und Handwerker. Seit 2009 wurden bereits rund 100 Tischler, Steinmetze und Schmiede fortgebildet. Neben Tischler- und Glasermeister Christoph Junghans und Kunstschmied Andreas Althammer ist Steinbildhauer Brüggemann der dritte Rand-Leipziger im Team der Ausbilder.

Uwe Bielefeld, Geschäftsführer im Trebsener Rittergut, freut sich, dass sich Mitglieder seines Fördervereines in Lviv engagieren: "Vor Jahren weilte auch ich mit einer Delegation in Lemberg, um unsere Restauratorenausbildung in Trebsen vorzustellen. Ursprünglich wollten wir die ukrainischen Handwerker bei uns im Rittergut fortbilden. Am Ende scheiterte das jedoch am Geld." Iris Gleichmann, GIZ-Projektleiterin in Lviv, lobt die Arbeit in Trebsen sehr: "Wir waren auch schon mit ukrainischen Handwerkern im Muldental, um uns über die Arbeit des Bergezentrums zu informieren. Dass wir die Fortbildung jedoch direkt in Lviv machen, hat den großen Vorteil, hier an ganz realen Objekten üben zu können."

An einen Abbruch der vorerst bis Ende 2015 geplanten, sieben Millionen Euro schweren Mission denkt niemand. Brüggemann: "Lviv ist dem Muldental näher als dem Krisengebiet Krim. Die politische Situation in der Westukraine ist sicher nicht vergleichbar mit jener im Osten des Landes. Wenngleich es auch hier eine Nacht gab, in der eine aufgebrachte Menge ein Verwaltungsgebäude stürmte. Allerdings richtete sich der Unmut eher gegen die staatliche als gegen die städtische Administration."

In Zeiten, da zu viele Löwen brüllen, denkt der Trebsener Brüggemann an den von ihm selbst bearbeiteten friedfertigen Löwen mit dem Palmenzweig. Er träumt von der Gründung einer Bildhauerschule im Sinne von Max Klinger, die in Lviv und Trebsen ansässig sein könnte. Indes sucht er Sponsoren für die Rekonstruktion der Mutter Ukraine von Leonardo Marconi, die einst über dem Hauptportal des Lemberger Rathauses stand. "Natürlich flankiert von den Lviver Löwen."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 08.03.2014
Haig Latchinian

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