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Der Mut ist zurück

Der Mut ist zurück

Von Normalität kann dennoch keine Rede sein. Der Platz vor der Klosterkirche gleicht einem Ameisenhaufen. Rund 50 junge Menschen helfen mit, um die Konzertbestuhlung vom Schlamm zu befreien.

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Viele Hände, schnelles Ende: An der Klosterkirche säubern Helfer stapelweise Stühle. Die Sitzkissen sind allerdings hin.

Quelle: Frank Schmidt

. "Ich bin so froh, dass ich endlich mit anfassen kann", sagt Sara Kögel. Die 31-Jährige hätte lieber gleich mit eingegriffen, aber ihr Job habe das nicht zugelassen. Auch Florian Schneider schiebt mühsam den Schlamm vom historischen Boden der Klosterkirche. "Die Schulbusse fahren nicht, deshalb hab ich frei", so der 16-Jährige. Vier Mädels von der Hebammenschule in Leipzig lassen sich von Berger den Weg zum Koordininierungsstab auf dem Markt zeigen. "Wir sind bereit, Grimma zu retten", sagt ein junges Mädchen.

Während in den vom Hochwasser am schwersten betroffenen Straßen nahe der Großmühle und direkt hinter der Stadtmauer noch geräumt wird, dröhnen in der Langen Straße bereits die Presslufthammer. In der Goldschmiede von Holger und Sofia Thiele werden bereits die Fußbodenfliesen herausgebrochen. Die darunter liegende Fußbodenheizung ist auch Schrott. "Ein Freund hilft uns, er hat auch gleich den schweren Hammer mitgebracht", sagt der 50-jährige Goldschmied dankbar. Auch wenn die filigrane Arbeit an den Trauringen derzeit ruht, ist Thiele zuversichtlich. Vorübergehend hilft Sofias Vater in seiner Goldschmiedewerkstatt aus. "Zum Stadtfest in Grimma wollen wir wieder aufmachen", so Thiele.

Auch bei anderen Händlern der Innenstadt steht der Zeitplan schon. Manfred Keller, zum zweiten Mal mit seinem Fleischereigeschäft am Markt untergegangen, will nach einer groben Säuberung Betriebsferien machen. In dieser Zeit sollen die Kühlhäuser repariert und erneuert werden. "Wenn alles funktioniert, sind wir Anfang Juli wieder am Start", sagt er vorsichtig. Und leise fügt er hinzu, dass er sich diesen ganzen Stress eigentlich nicht mehr antun wollte. "Hätte uns das Hochwasser zwei, drei Jahre später getroffen - ich hätte kapituliert", so der 58-Jährige.

Alle Hände voll zu tun, hatte auch Falk Rösler. Der Zahntechniker in der Friedrich-Oettler-Straße richtet unter dem Dach ein provisorisches Labor ein. Hier will er dringende Reparaturen für Zahnärzte durchführen. Der Grimmaer hatte sich vor anderthalb Jahren selbstständig gemacht. "Am 1. Juni habe ich einen Mitarbeiter eingestellt", so Rösler. Es sei gerade aufwärts gegangen. Jetzt muss er Kurzarbeit beantragen.

Nur die zerbrochene Fensterscheibe kündet bei Dornig noch vom Hochwasser. Das Getränkegeschäft des Juniors in der Brückenstraße läuft bereits wieder auf Hochtouren. "Der Senior hat einen siebenten Sinn gehabt", sagt der Junior. Bereits am Donnerstag vor der Flut hatte er gewarnt. Daraufhin begann die Familie, die Waren zu sichern. "Der Laden war leer." So halten sich die Schäden in Grenzen. "Wir brauchen unbedingt den Umsatz", sagt der Geschäftsmann.

Auch im Lebensmitteldiscounter Aldi haben viele eifrige Helfer dafür gesorgt, dass die Schlammspuren beseitigt und das Sortiment aufgefüllt wurden. "Wir wollten möglichst schnell zurück sein, damit die Leute in der Altstadt versorgt werden", sagt Filialleiterin Elke Teubern. Der Sternenbäcker am Standort will am Montag nachziehen.

Mit einer Welle der Hilfsbereitschaft rechnet Grimma an diesem Wochenende. "Wir sind darauf eingestellt, dass 2000 Helfer kommen und versorgt werden müssen", so Berger. Feuerwehren aus Partnerstädten würden die Kameraden beim Auspumpen der Keller unterstützen. Diese Solidarität gibt Berger eigenen Angaben zufolge die Zuversicht, dass die Stadt den erneuten Schicksalsschlag überwinden wird. "Die Grimmaer wollen bleiben", sagt das Stadtoberhaupt. Nach der Augustflut von 2002 hätte die historische Altstadt so gut wie keinen Aderlass gehabt. "Der Leerstand sank unter zehn Prozent", so der Bürgermeister. Der Ortskern war danach der jüngste Stadtteil von Grimma.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 08.06.2013

Birgit Schöppenthau

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