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Grimma Der einsame Einzelkämpfer von Beiersdorf
Region Grimma Der einsame Einzelkämpfer von Beiersdorf
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05:00 06.05.2010
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. Ein Mann war dabei, als alles seinen Anfang nahm, und erzählt nun von seiner Rolle in der Geschichte.

„Ich war schon immer ein Einzelkämpfer", so beginnt die Geschichte von Herbert Kirchhof. Und Einzelkämpfer ist er immer noch. In Beiersdorf 1921 geboren, lernte er als junger Mann das Schlosserhandwerk; Maschinenbau, also Landmaschinen und Traktoren, das war sein Gebiet. Als er 1945 nach dem Krieg von Hannover nach Beiersdorf zurückkehrte, versuchte er, von der Technik im Krieg geprägt, auch in seiner Heimat den Fortschritt mitzugestalten. „Landwirtschaft ohne Pferd" nennt Kirchhof das.

Er engagierte sich, meint er, auch wenn er für seine Arbeit nie wirkliche Anerkennung erleben durfte. Manchmal frage er sich, warum er so viel für seine Projekte geschuftet habe. Er wirkt aufgebracht, vor allem, wenn es um die Villa Beiersdorf geht. „Ich wurde nie eingeladen. Dabei denke ich: Der es geschaffen hat, wird als erster eingeladen", so der 88-Jährige. Doch der Reihe nach: „Damals gehörte die Villa Frau Wiesner", fängt Kirchhof an zu erzählen. Ihr Mann sei gestorben und sie habe das Haus alleine nicht unterhalten können. Sie wandte sich an Kirchhof, damaliger Bezirkstagsabgeordneter der CDU, und ihm kam die zündende Idee, Finanzmittel aus den ersten Lottogeldern des Bezirks für die Villa zu beantragen. Doch jemand musste das offizielle Schreiben aufsetzen, Kirchhof fühlte sich dazu nicht befähigt. So formulierte SED-Ortsparteisekretär Kurt Gaitzsch den Antrag, Kirchhof brachte diesen zum Rat des Bezirkes und die Gelder, insgesamt 54 000 Mark, wurden bewilligt. Kurze Zeit später, im Jahr 1955, wurde die Villa zum Kindergarten umgebaut, vorher eine kleine Hütte in Richtung Grimma. Herbert Kirchhofs Beteiligung jedoch ging unter. „Die haben mich bewusst verschwiegen", erbost er sich und fühlt sich bis heute seiner Anerkennung betrogen.

Das sei wie beim Bau des Maschinenhofs, der LPG Fortschritt, an dem der Landmaschinenschlosser großen Anteil gehabt habe; „der Name Kirchhof taucht nie auf. Ich bin nie da gewesen." Wenn am 5. Juni die geladenen Gäste im „Schmetterling" feiern werden, bleibt bei ihm ein bitterer Beigeschmack. „Bürgermeister und Ämter kommen und gehen", sagt Kirchhof ärgerlich. Zurück bleiben meistens die Einzelkämpfer.

Thomas Düll

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