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Die Angst in Grimma sitzt tief

Die Angst in Grimma sitzt tief

Obwohl die Arbeiten am Hochwasserschutz für Grimma voranschreiten, herrscht große Sorge bei Bewohnern und Gewerbetreibende vor einer erneuten Katastrophe. "Nach 2002 und 2013 leben die Leute in der Angst, ein Hochwasser könnte wieder eintreten, bevor die Mauer steht", sagte Oberbürgermeister Matthias Berger (parteilos) auf einem Forum der Friedrich-Ebert-Stiftung am Montagabend in Grimma.

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Standen Rede und Antwort beim Hochwasserforum in Grimma: (v.l.) Axel Bobbe, Betriebsleiter bei der sächsischen Landestalsperrenverwaltung, Ute Ziegelmeier, Chefin der SPD-Ortsgruppe Grimma, Petra Köpping, SPD-Landtagsabgeordnete und Andreas Berkner vom Regionalen Planungsverband Leipzig-Westsachsen.

Quelle: Andreas Röse

Grimma. "Wir beschleunigen", versicherte Axel Bobbe, Betriebsleiter Elbaue, Mulde und Untere Weiße Elster bei der Landestalsperrenverwaltung Sachen, den rund 100 Zuhörern im Rathaussaal von Grimma. Nach dem jüngsten Hochwasser seien die Arbeiten zweischichtig ausgeschrieben worden. Mit einer zweiten Kolonne werde auch die personelle Verstärkung auf der Baustelle sichtbar. "Die Zeit, in der wir nur im Untergrund tätig waren, ist vorbei", so Bobbe. Seinen Angaben zufolge steht die unterirdische Dichtwand auf der Länge zwischen Polizei und Pöppelmannbrücke - ausgenommen eine kleine Lücke zwischen Gymnasium und Klosterkirche. Momentan werden die Bohrpfähle in Nähe der Steinbrücke in den Untergrund gerammt. Danach soll der unterirdische Schutz am Volkshausplatz installiert werden. Diese Arbeiten könnten Ende 2014 abgeschlossen sein. Parallel dazu laufen Betonarbeiten an der Stadtmauer. "Wir werden so schnell wie möglich Grimma von einer Ecke zumachen", erklärte der Fachmann. So soll die Mauer am südlichen Stadteingang, der durch ein Tor verschließbar ist, über die Großmühle bis zur Stadtmauer geschlossen werden. Damit hätte Grimma einen Schutz von der Polizei bis zum Gymnasium. Bobbes Prognosen zufolge wäre damit die Gefahr gebannt, dass die Mulde südlich der Altstadt aus ihrem Bett ausbrechen kann und sich parallel Flüsse durch die Straßen ergießen. "Dennoch werden wir vor 2017 hier nicht verschwinden", so Bobbe entschlossen. Es werde noch viel Dreck und Lärm geben.

Trotz der positiven Zwischenbilanz für das Bauprojekt in Grimma hielt sich die Zuversicht der Anwesenden auf einen wirksamen Schutz in Grenzen. Aline Hanschmann erinnerte an die Planung verschiedener Rückhaltebecken, von denen bislang keines gebaut worden ist. Sieglinde Ruft forderte erneut einen Hochwasserschutz für Kleinbothen. Geduldig argumentierte Bobbe mit Machbarkeitsstudien und Planungsverfahren im Umweltbereich sowie der Prioritätenliste beim Hochwasserschutz. Kleinbothen sei schlichtweg noch nicht dran, so der Fachmann.

Neben dem noch unvollkommenen Hochwasserschutz trieb die schleppende Auszahlung der Fluthilfe die Grimmaer an diesem Abend ins Rathaus. Eine Bausachverständige kritisierte die Praxis der Sächsischen Aufbaubank, die offensichtlich Anträge auf Fluthilfe ablehnt, weil den Betroffenen das Eigenkapital fehlt. "Die Häuser sind entkernt und getrocknet, können aber nicht wieder aufgebaut werden, weil die Eigentümer noch Verbindlichkeiten aus der Flut 2002 drücken", sagte sie. Dieser Formalismus würde sich mit schneller, unbürokratischer Hilfe nicht vereinbaren lassen. "Ich kümmere mich darum", ermutigte Petra Köpping die Betroffenen, den persönlichen Fall in ihre Hände zu legen. "Wir waren uns im Landtag sehr schnell sehr einig, unbürokratisch zu reagieren", so die SPD-Landtagsabgeordnete. Deshalb dürfe die Hilfe jetzt nicht in Formalien untergehen.

 

 

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 22.01.2014
Birgit Schöppenthau

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