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"Die Gebäude müssen weg" - Stadt Grimma will Papierfabrik Golzern und Großmühle für den Hochwasserschutz abreißen

"Die Gebäude müssen weg" - Stadt Grimma will Papierfabrik Golzern und Großmühle für den Hochwasserschutz abreißen

Grimma.

Als die Papierfabrik Golzern 2002 in den Fluten versank, meldete das Unternehmen einen Schaden von knapp zwei Millionen Euro. Im vergangenen Juni zeigte sich das Hochwasser erneut erbarmungslos.

Ein drittes Mal will die Gesellschaft nicht in der Mulde untergehen. Der Umzug des Betriebes ins Gewerbegebiet Mutzschen ist beschlossene Sache. Offen ist allerdings, was mit der Immobilie wird. Die Stadt Grimma hat sich für einen Abriss entschieden – und sieht sich behördlich ausgebremst.

Die vorhandene Bausubstanz sollte beseitigt werden, um der Mulde im Hochwasserfall zusätzlich Retentionsfläche zur Verfügung zu stellen – die Position im Rathaus steht fest. Oberbürgermeister Matthias Berger (parteilos) und sein Stadtplaner Jochen Lischke sehen dafür gute Gründe. Die Landestalsperrenverwaltung (LTV) als fachlich zuständige Stelle habe bestätigt, dass der von der Stadt vorgeschlagene Abbruch den Zielen des Hochwasserschutzes voll entspreche. In einem Schreiben an die Stadtverwaltung erklärte LTV-Betriebsleiter Axel Bobbe, dass der Rückbau der Papierfabrik bereits im Hochwasserschutzkonzept untersucht worden sei. Es würden dadurch Fließhindernisse beseitigt und zusätzlich Flächen für den Hochwasserschutz zur Verfügung stehen. Bei einem sogenannten hundertjährigen Hochwasser könnte der Wasserspiegel um sechs bis acht, eventuell zehn Zentimeter abgesenkt werden. Positive Auswirkungen habe das für Dorna. Bis in das Stadtgebiet zwischen Hängebrücke und Pöppelmannbrücke würden diese nicht reichen, doch durch die Beseitigung einer Engstelle mit hohen Fließgeschwindigkeiten und Strömungswechseln gebe es weitere positive Effekte. Risiken durch Eis- oder Treibgutstau würden verhindert.

„Die Gebäude bilden einen Riegel", sagt Berger, „sie müssen weg." Das sehe doch jeder. Das Unternehmen habe mit einem Eigentumsverzicht den Weg zum Abbruch von Bausubstanz im Überschwemmungsgebiet freigemacht. Doch es gehe nicht voran, weil die Denkmalschutzbehörden unerfüllbare Forderungen stellten. „Die wollen wissen, welche Auswirkungen die Senkung des Wasserstandes um achte Zentimeter hat", so Berger. Doch die Beauftragung für eine sogenannte „Wasserspiegellagenberechnung" könne die Stadt Grimma nicht leisten. „Auch die Landestalsperrenverwaltung sieht darin keinen Sinn, weil der Erkenntnisgewinn den hohen Aufwand nicht rechtfertigen würde."

Der Grimmaer Oberbürgermeister erhebt – nicht zum ersten Mal – den Vorwurf, dass sich nach der Flut des vergangenen Jahres viel zu schnell wieder bürokratisches Handeln breit gemacht hat. „Wir versuchen mit allen Mitteln, Hochwasserschutz zu realisieren", sagt Berger, „und alle Fließhindernisse zu beseitigen." Das schließe den wild am Ufer entstandenen Bewuchs genauso ein wie die Ruine der Großmühle. Doch statt Unterstützung gebe es immer neue Hindernisse. „Wir sollen sogar prüfen, wie die Papierfabrik künftig genutzt werden könnte. Welcher Investor geht denn in ein Überschwemmungsgebiet?"

Landkreis: Unterstützung für Grimma zugesagt

Die Stadt Grimma will die Papierfabrik Golzern abreißen, Oberbürgermeister Matthias Berger sieht sich durch die Baubehörden des Landkreises ausgebremst. Das mag Bauaufsichtsamtsleiterin Karin Wagner so nicht stehen lassen. Bei der Immobilie handele es sich nun einmal um ein Denkmal, und abreißen könne man nur einmal. Deshalb seien fundierte Begründungen erforderlich. „Mit den vorliegenden Unterlagen ist noch keine Entscheidung möglich", erklärte sie gegenüber der LVZ auf Nachfrage. Landkreis-Beigeordneter Wolfgang Klinger bestätigte diese Einschätzung. Das Landesamt für Denkmalschutz sehe den Rückbau kritisch, doch beim Landkreis sei man nicht grundsätzlich gegen das Vorhaben. Bei einem Termin in der Landesdirektion sei Grimma auch von der Wasserbehörde Unterstützung zugesagt worden, so Klinger, doch es sei schon ein Mindestmaß an Unterlagen erforderlich. Die Stadt sei jetzt in der Pflicht, diese einzureichen. Die Ausführungen der Talsperrenverwaltung zum Beispiel könnten gegebenenfalls ein umfangreiches Gutachten überflüssig machen. Bei unterschiedlichen Auffassungen zwischen Kreis und Landesamt für Denkmalschutz entscheide jedoch die Landesdirektion, erklärte Klinger. „Dann kommt es auf die Quantität und Qualität der Unterlagen an. Ein Verwaltungsverfahren läuft nun einmal nach rechtsstaatlichen Grundsätzen." Das gelte auch für die Stadt Grimma.

Heinrich Lillie

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