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Die „Kollwitz von Colditz“ ist unvergessen – Gedenkausstellung geplant

Ehrung Die „Kollwitz von Colditz“ ist unvergessen – Gedenkausstellung geplant

Sie war eine bemerkenswerte Frau, ein warmherziger Mensch, eine engagierte Lehrerin, Tierfreundin, vor allem aber eine großartige Malerin und Bildhauerin: Freunde und Verehrer kamen auf den Friedhof, um Irmgard Sander, der „Kollwitz von Colditz“, die letzte Ehre zu erweisen.

Irmgard Sander vor einem ihrer Bilder.

Quelle: René Beuckert

Colditz. Freunde und Verehrer kamen an jenem 23. September 2016 auf den Friedhof, um Irmgard Sander, ihrer „Kollwitz von Colditz“, die letzte Ehre zu erweisen. Bei der Trauerfeier in St. Nikolai würdigten sie einen wundervollen Menschen, eine leidenschaftliche Malerin und Schöpferin zahlloser Skulpturen. Im 103. Lebensjahr war sie am 5. August in ihrem Haus gestorben.

Unvergessen ihr 100. Geburtstag, als sie an ihrem Lieblingsplatz, dem grünen Kachelofen, saß und die Glückwünsche entgegen nahm. Hans Rietzsch in der Bamberger Straße in Dresden – ja, der sei wichtig gewesen, sagte die Jubilarin. Als sie noch ganz jung im Hof begann, mit einem Stöckchen Bilder von Pferden aufs Pflaster zu kritzeln, habe der Nachbar dem werten Herrn Vater mit Nachdruck auf die Sprünge geholfen: „Oswald, Du musst die Irmgard auf die Kunstschule schicken.“ Gesagt, getan. Doch während das Mädchen helle Farben mischte, zogen tiefschwarze Wolken auf. Vater Oswald starb viel zu früh, der Krieg stand bevor. Irmgard kümmerte sich um ihr „Muttl“ und die fünf Jahre jüngere Schwester. Geld für die Familie verdiente sie als Stenotypistin in einer Rechtsanwaltskanzlei. Im stickigen Luftschutzkeller erlebte und überlebte sie die Bombardements.

Mit ihrem Fritz ging sie erst nach Leisenau, später nach Sermuth. Dort arbeiteten beide als Lehrer. In Colditz zog das Ehepaar 1954 in die Tiergartenstraße 16, ins ehemalige Haus der Eltern des Tierarztes Gottfried Metzger. Mit ihm waren die Sanders zeitlebens befreundet. Irmgard liebte die Tiere, ihr jederzeit gastfreundliches Heim war halb Künstleratelier, halb Tierasyl. Kinder, die auf der Straße streunende Katzen einfingen, standen über kurz oder lang bei den Sanders auf der Matte. Ein Plätzchen neben Sittichen, Schildkröten und Schafen fand sich immer noch. Mit Fritz züchtete Irmgard, die als Kind unbedingt Tierärztin werden wollte, Berner Sennenhunde. Sie machte sich einen Namen als Ziegenhebamme.

Stand Irmgard Sander mal nicht vor ihren Klassen, arbeitete sie in ihrem „Tonbunker“. Ob die Flötenspieler, die Wartenden oder der Ja-Sager – ihre liebenswerten, aber auch kritischen Figuren aus heimischer Schamotte erinnern an die Handschrift von Käthe Kollwitz. Um ihrer Leidenschaft nachgehen zu können, engagierte sie sich Haushaltshilfen: „Abwaschen kann jeder, malen aber nicht!“ Ihre Werke wurden auf etlichen Ausstellungen gezeigt. Mit Walter Schäfer und den Freunden der AG Bildende Künstler fuhr sie oft hinaus an die Mulde zum „Landschaftern“. Sie spendierte den Baubrigaden manches Bierchen, damit diese ja nicht das schöne Fachwerk am Baderberg-Haus zuputzten. Mit Erfolg. Die mehrfache Großmutter und Uroma machte noch mit 65 Jahren ihren Autoführerschein und sattelte vom Krause-Duo auf den Trabi um. Begründung: „Fürs Mopedfahren sind wir zu alt.“

Während Irmgard auf der Leinwand den Rittersporn verewigte, malte Fritz schwarze Zahlen in Gotisch-Antiqua. Er hatte einen Vertrag mit der Herrnhuter Brüdergemeinde und pinselte Anschlagstafeln für zu singende Lieder. Noch heute sind sie in Kirchen zwischen Kap Arkona und Zittauer Gebirge zu bewundern. Er sammelte kluge Sprüche, brachte sie zu Papier und rahmte sie – genauso wie Irmgards Arbeiten. 2001 starb er, zu dem Zeitpunkt lebten die beiden Söhne Dieter und Michael schon nicht mehr. Ihre Mutter holte Irmgard Sander damals zu sich nach Colditz und stand ihr bis zu deren Tod bei. Die zuletzt bettlägerige Irmgard Sander wurde liebevoll von Sieglinde Neubert und Gabriele Mühlbach gepflegt. Ihr Lieblingsspruch: „Das Leben gibt, das Leben nimmt, geht seinen Lauf, wie’s Gott bestimmt. Es führt ins Glück, es führt durchs Leid, doch währet alles seine Zeit.“

Info: Der Colditzer Hobbyfotograf Eberhard Jasinski plant zum Gedenken an Irmgard Sander eine größere Ausstellung im Schloss. Er würde sich freuen, wenn Besitzer von Werken der beliebten Colditzer Künstlerin mit ihm in Kontakt treten (Telefon 034381/ 80 90 oder 0160/8 09 00 22).

Von Haig Latchinian

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