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Die Norweger kommen!

Die Norweger kommen!

Diese Norweger! Es scheint sie eben immer wieder ans Wasser zu ziehen. Sogar in Nerchau. Und so steuerte jetzt ein 31-Jähriger aus dem hohen Norden ganz spontan das Allerheiligste des Ortes an: den sprudelnden Gänsebrunnen.

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Sorgte für Aufsehen: Robert Steinert, der Norweger aus Zweenfurth, erobert den Nerchauer Markt.

Quelle: Patrick Scheibe

Nerchau. Hier posierte der junge Mann für manchen Schnappschuss. Die sonst so schaulustigen Nerchauer trauten sich jedoch nicht aus der Deckung. Sie standen lieber hinter der Gardine, als der Norweger seine schweren Geschütze auffuhr.

Dabei hätte das riesige tarnfarbene Militärauto mit norwegischem Kennzeichen gut und gern auch für den Slogan „Schwerter zu Pflugscharen“ Reklame fahren können. Denn Robert Steinert, so heißt der kühne Recke hinterm Lenkrad, hatte das Kriegsgerät demonstrativ abgerüstet: Der Volvo, bis zuletzt in Diensten der schwedischen Artillerie, zog keine zwei Tonnen schwere Kanone mehr hinter sich her. Auch das sonst auf dem Dach befindliche MG-Stativ fehlte. Die bronzenen Brunnengänse schienen die Friedfertigkeit des blonden Robert zu wittern. Jedenfalls ließen sie sich von ihm sogar streicheln.

Als der Norweger schließlich in flüssigem Deutsch loslegte, staunte der Fachmann und der Laie wunderte sich. Denn er ist gar kein Skandinavier. Er stammt aus Zweenfurth im schönen Muldenland. „Ich war nie beim Militär, sondern Zivi in der Borsdorfer Behindertenwerkstatt.“ Danach habe er als Industriemechaniker in drei Schichten arbeiten müssen, wozu er irgendwann keine Lust mehr hatte: „Ich brauchte Luftveränderung und ging mit meiner Freundin nach Norwegen.“ Seitdem lebt der auch in der Landessprache parlierende Muldentaler in der Nähe von Lillehammer und fand als Industrielackierer offenbar einen recht gut bezahlten Job. Wie sonst könnte er sich den im Internet aufgespürten Nobel-Hobel der schwedischen Streitkräfte leisten. Und das bei den aktuellen Benzinpreisen! „Der schluckt 20 Liter auf 100 Kilometern. Das Auto stand offenbar die meiste Zeit im Depot. Jedenfalls hatte es erst 15 000 Kilometer auf der Uhr. Vor allem: Wenn ich mit 70 Sachen unterwegs bin, lachen alle.“ Bei seiner Einreise nach Deutschland stieß der urlaubsbedingte Heimkehrer mit dem etwas anderen Spaßmobil auf keinerlei Widerstand: „Ich war an der Grenze der Einzige, der sofort durchgewunken wurde.“

In Lillehammer ziehe es ihn weniger an die Sprungschanze, als vielmehr zum Extremsport: „In Wagelwitz war ich früher mit meinem Motocross-Bike bei etlichen Sandgruben-Partys dabei. Ich habe noch viele Freunde im Muldental.“ So jetzt müsse er aber weiter – zur Werkstatt eines Nerchauer Kumpels. „Friede sei mit Euch!“

Haig Latchinian

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