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Die Polenzer Eisbären stürzen sich Silvester wieder in die kühlen Fluten

Eisbaden Die Polenzer Eisbären stürzen sich Silvester wieder in die kühlen Fluten

Sie schrecken nicht vor Eis und Kälte zurück: Die Polenzer Eisbären steigen am Silvestertag wieder in die kühlen Fluten des Ammelshainer Sees. Das Spektakel in Kostümen hat etwas von Fasching.

Die Polenzer Eisbären steigen Silvester wieder in die kühlen Fluten des Ammelshainer Sees.

Quelle: Frank Schmidt

Brandis/Naunhof. Silvester trifft Fasching: Gewöhnlich stürzen sich die Polenzer Eisbader im Adamskostüm in die kühlen Fluten – Sonnabend, 14 Uhr, entern sie als Koch, Biene und Teufel den Ammelshainer See. Trotz Verkleidung – so richtig warm wird ihnen sicher nur ums Herz!

Mit dreifachem „Eis frei“ verabschiedet Muldentals abgehärtetste Sportgruppe traditionell das alte Jahr. Längst ein Besuchermagnet! Damit den erwarteten 200 dick eingepackten Schaulustigen das Lachen nicht gefriert, reichen Joachim Pielok mit Frau Kornelia heißen Tee, Glühwein und Roster.

Von Anfang November bis Ende März ist Badesaison für die Polenzer. Jeden Sonntagvormittag treffen sie sich auf der Halbinsel am Turm. Dort haben sie auch einen eigenen Raum. Stefan Matthiae ist mit 28 der Youngster. Er schwört auf das Wechselbad der Gefühle: „Wenn der Schmerz nachlässt, bist du wie neu geboren!“ Das Verlangen nach heftigen Nadelstichen, kurzer Schockstarre und rasch danach einsetzender wohliger Wärme steckt ihm in den Genen. Sein Großvater Günther Friedrich war schon vor 40 Jahren ganz heiß aufs Eis: „Ich hatte als Baggerfahrer in der einstigen Kiesgrube gearbeitet. In der Mittagspause und nach Feierabend bin ich oft abgetaucht – im Sommer wie im Winter“, verrät Friedrich. 1984 gründete der Polenzer gemeinsam mit Hans und Traudel Zetzsche sowie Rolf und Inge Lässig die berühmt-berüchtigten Eisbader: „Grippe, was ist das denn?“, fragt der 76-Jährige.

Auch Matthias Kroll (61) gehört zu den Aktivisten der ersten Stunde. Genau wie Sibylle (58) und Otto Schäfer (64), Andreas Mühler (53) und Norbert Schroeder (64) kommt er gleich mit dem Rad zum See. Joachim Pielok, Uwe Markiewicz, Thomas Kolbe und Katrin Würker, alle um die 50, rennen vorher gern noch mal um den See, fast wie um den heißen Brei. Tom Lohse (47) joggt am liebsten mit Hund Jipsy, ehe er sich abkühlt. Die einen schwimmen ein paar Meter, andere gehen bis zu dreimal hintereinander rein, die nächsten tauchen nur kurz ab. Gut eingemummelt mit Mütze, Schal und Handschuhen lassen es die Eisernen stets gemütlich ausklingen – bei Schnitte oder Stolle, je nachdem, was die Geburtstagskinder auftischen.

Die bis zu 20 Mitglieder aus Brandis, Beucha und Borsdorf sowie Leipzig, Panitzsch und Beiersdorf sind alles andere als schockgefrostet. Ob Student, Versicherungsvertreter oder Rentner, ob Lehrer, Polizist oder Taxifahrer – Herzenswärme wird groß geschrieben. Kein Silvesterbad ohne Gruppenfoto, ohne gute Wünsche fürs neue Jahr und – ohne Mitgliederwerbung: „Gerade zu Silvester gehen am See viele Leute spazieren, die animieren wir natürlich zum Mitmachen, haben manchen coolen Spruch drauf“, lacht Stefan Matthiae. Mit Opa Günther, Sylvia Bochmann (51) und all den Gleichgesinnten war er schon beim Skifasching in Oberwiesenthal dabei: „Am Auslauf des Rodelhanges ist eigens ein Becken aufgebaut, für Eisbader wie uns.“ Andere, wie Matthias Kroll, zieht es Anfang des Jahres zum Winterschwimmen nach Ahlbeck oder ganz herkömmlich in die Sauna.

Ob es stürmt, schneit oder die Sonne scheint – für die „Po-Lenzer“ ist immer Strandwetter. Auf die Spitzhacke können sie am Sonnabend getrost verzichten, bei Wassertemperaturen von sechs bis acht Grad Celsius muss keine „Bahne“ gemacht werden. Aber Achtung, Überraschungen sind nie ausgeschlossen. Gerade am letzten Tag des Jahres könnten einmal mehr Glücksbringer aufkreuzen. Stefan Matthiae: „Eine Horde Wildschweine rannte schon mal neben uns ins Wasser.“

Von Haig Latchinian

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