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Die ältesten mittelalterlichen Töpferöfen Sachsens stehen in Brandis

Die ältesten mittelalterlichen Töpferöfen Sachsens stehen in Brandis

Noch immer färbt die Holzkohlenasche an den Keramikscherben die Hände schwarz. Dabei sind die Stücke an die 800 Jahre alt. Gefunden haben sie Eva Lorenz und Frauke Schilling.

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Kritischer Blick auf den Fund: Frauke Schilling hat vorsichtig Keramikbruch freigelegt. Es ist der letzte Grabungstag. Der Bagger wartet schon, um das Areal für einen Hausbau wieder einzuebnen.

Quelle: Ines Alekowa

Brandis. Die Grabungstechnikerin und die wissenschaftliche Volontärin vom Landesamt für Archäologie Sachsen haben seit dem 30. Juni ein Areal an der Bahnhofstraße in Brandis unter die Lupe genommen. Hier war im vergangenen Jahr ein baufälliges Gehöft abgerissen worden. Auf der Fläche soll jetzt ein Einfamilienhaus gebaut werden. Am Montag, zum Grabungsende, rückte bereits der Bagger an. "Punktlandung", schmunzelte Lorenz.

"In zwei nahen Grundstücken sind schon einmal Töpferabfälle mit in Sachsen einmaligen Funden, nämlich Pilgerflaschen und kleinen glasierten Pferdchen, ausgegraben worden. Wir konnten also mit Sicherheit davon ausgehen, auch hier etwas zu entdecken", sagte Lorenz. Und tatsächlich: Ihre Grabung in den vergangenen heißen Wochen brachte ebenso heiße Funde zutage: zwei Töpferöfen aus dem frühen 13. Jahrhundert. Bei einem dritten ist der Befund leider großflächig zerstört. "Das sind die bislang ältesten mittelalterlichen Töpferöfen, die wir in Sachsen gefunden haben", ordnet Christoph Heiermann, Sachgebietsleiter Öffentlichkeitsarbeit im Landesamt, die Entdeckung ein und fügt hinzu: "Aus archäologischer Sicht ist das schon ein bedeutender Fund."

Bei den ersten beiden Öfen ist die sogenannte Arbeitsgrube, von der aus der Ofen eingefeuert wurde, noch gut durch die schwarz eingefärbte Erde auszumachen. Denn während des zwei bis drei Tage dauernden Brennvorgangs musste immer wieder Asche aus dem Feuerraum geräumt und neue Holzkohle nachgelegt werden. Bei jenem, etwas höher gelegen, ist der Lehm dunkelrot verfärbt, beim angrenzenden Brennraum in einem helleren Rot. "Durch die aufsteigende Anordnung konnten die Töpfer den natürlichen Zug für das Brennen nutzen", erklärte die Expertin. Die Kuppeln über Feuerraum und Brennkammer sind allerdings nicht erhalten. "Die sind im Lauf der Zeit erodiert", sagte Lorenz. Immerhin befanden sich die Öfen nur 20, 30 Zentimeter unter der Erdoberfläche. Glück für die Archäologen, dass die darüber errichteten Häuser offenbar keine Keller hatten.

"Ganze Gefäße haben wir leider nicht gefunden", berichtete Lorenz. Aber eine zehn Zentimeter hohe kompakte Abfallschicht mit Scherben von Alltagsgeschirr. Und weil auch Keramikgestaltung der Mode unterlegen ist, konnten die Archäologen anhand dieser Funde ziemlich genau das Alter der Öfen datieren. "Typisch für das 13. Jahrhundert waren zum Beispiel bauchige Bügelkannen mit einer kurzen Tülle", erklärte Lorenz.

Die jetzigen Funde, zusammen mit den vorherigen, lassen vermuten, dass hier einst das Töpferviertel - aufgrund der mit diesem Gewerbe verbundenen Brandgefahr oft vor der Stadtmauer - gewesen sein könnte. "Aber aus irgend einem Grund sind die Töpfer später umgezogen", verwies Lorenz auf die Töpfergasse auf der anderen Seite des gegenüberliegenden Stadtparks. Weit zu ihrem Material hatten es die Handwerker der 1121 erstmals urkundlich erwähnten Stadt in keinem Fall. Rund um Brandis lagert Ton, noch heute wird welcher abgebaut.

Neben den Öfen haben die beiden Ausgräberinnen in den letzten zwei Wochen auch noch eine - allerdings eher fragile - Mauer aus Bruchsteinen freigelegt. Sie könnte zu einem Grubenhaus gehören. Da sie sich unter dem Niveau der Öfen befindet, geht die Grabungstechnikerin davon aus, dass sie noch älter ist, fehlender Beifund allerdings erschwert eine genauere Datierung.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 12.08.2015
Ines Alekowa

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