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Dietmar Senf: Schulneubau in Böhlen überflüssig

Dietmar Senf: Schulneubau in Böhlen überflüssig

Der Standort in Rivalität zu jenem in Colditz, der gute Ruf im Gegensatz zum schlechten Gebäudezustand: Die Oberschule Böhlen lieferte in den vergangenen Jahren immer wieder Gesprächsstoff und löste zum Teil heftige Debatten aus.

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Andrang: Die Oberschule im jetzigen Grimmaer Ortsteil Böhlen ist bei Schülern und Eltern seit Jahren gefragt.

Quelle: Archiv

Grimma/Colditz. Böhlen kontra Colditz - das erhitzte lange die Gemüter. Jetzt liegt das Thema plötzlich wieder auf dem Tisch.

Thümmlitzwalde mit seinem Ortsteil Böhlen wurde am 1. Januar 2011 nach Grimma eingemeindet und im Februar 2013 setzte der Stadtrat um, was bei der Fusion versprochen worden war: Er fasste den Beschluss, in Böhlen eine neue Schule zu bauen. Der Deckel war auf dem Fass. Doch jetzt stellte Dietmar Senf das Vorhaben noch einmal in Frage. Der stellvertretende Vorsitzende der CDU in Grimma hat wenige Tage vor der Kommunalwahl das Fass wieder aufgemacht.

Senf, ehemaliger Bürgermeister von Großbothen, hat mit seinem Vorstoß unterschiedliche Reaktionen ausgelöst (siehe nebenstehenden Text ) - in Anbetracht seiner zum Teil deutlichen Wortwahl wenig verwunderlich. Die Absicht, 2016/2017 einen Neubau zu errichten, bezeichnet er als im Grunde löblich und fährt dann fort: "Gäbe es da nicht zwei Probleme. Problem Nummer eins: Die Schule wird etwa acht Millionen Euro kosten. Problem Nummer zwei: Die Schule wird nicht gebraucht." Schließlich sei die Oberschule Böhlen umgeben von den Oberschulen Grimma, Trebsen, Wermsdorf, Leisnig und Colditz. Nach dem Prinzip der Wohnortnähe könnten die jeweiligen Oberschulen problemlos die Böhlener Schüler mit aufnehmen, die Lehrer könnten ebenfalls verteilt werden. Denn die Oberschule Böhlen sei eine Schule der langen Wege. Von den 296 Schülern könnten nur 16 Schüler die Schule zu Fuß erreichen, so Senf. "Weitere 60 Schüler kommen aus dem Nahbereich der ehemaligen Gemeinde Thümmlitzwalde, der Rest von 220 Schülern nimmt längere, teilweise haarsträubende Tagesreisen auf sich. Würde das der Freistaat von den Schülern verlangen, gäbe es Proteste ohne Ende." Die Stadt Grimma stünde an der Spitze der Protestierer, um es den "seelenlosen Bürokraten" in Dresden zu zeigen, die die Schüler auf unzumutbare Tagesreisen schicken. Der CDU-Politiker appelliert, über den Tellerrand zu schauen und gemeinsam zu handeln. Schulnetzplanung in Stadtgrenzen sei kleinkariert.

Die acht Millionen Euro, die zu investieren seien, könne man sich schön rechnen mit Fördermitteln, erklärt Senf weiter. Doch egal aus welchem Topf sie kämen, es handele sich um Steuermittel. Und die gelte es sinnvoll einzusetzen. Das aber sei bei einem Neubau in Böhlen nicht der Fall. Thümmlitzwalde hätte das Geld nicht ansatzweise zusammen bekommen. "Grimma war großzügig, als es um die Eingemeindungsverträge ging. Inzwischen sind wir beim ,wir'. Wir sollten ehrlich zu uns selbst sein und gemeinsam auf den Prüfstand stellen, was sinnvoll und was nachrangig ist. "Acht Millionen Euro für Bürgerhäuser, für Straßen und Beleuchtung, für Spielplätze, Kitas, Grundschulen, Feuerwehren und was der Stadtrat auch immer für erforderlich hält, um unsere Wohnorte zukunftssicher zu machen, sind sinnvoll und wichtig", so Senf. Auch die CDU stimmte 2013 für den Neubau. Senf: "Die Dinge ändern sich, ab und zu muss man Entscheidungen neu bewerten."

 

 

Reaktionen

 

 

"Die Schule in Böhlen wird nicht gebraucht" - die Reaktionen auf diese Aussage von Dietmar Senf fielen erwartungsgemäß völlig unterschiedlich aus. Sie reichten von Empörung bis zum Kompliment, Senf habe politische Vernunft gezeigt.

Jana Wnuck, Ortsvorsteherin in Böhlen, bezeichnete den Vorstoß von Senf, über den Neubau der Oberschule Böhlen noch einmal nachzudenken, als Frechheit. Sie könne nicht verstehen, dass etwas gut Funktionierendes zerstört werden solle. "Die Schule zeichnet sich durch höchst engagierte Lehrer und ein super Umfeld aus", so Wnuck. Das lasse sich an zahlreichen Beispielen belegen. Dass alle in der Schule mit Herzblut dabei seien, mache sie attraktiv, nicht das Gebäude. "Wir investieren in das Wichtigste, was wir haben, in unsere Kinder, in unsere Zukunft."

Die Linke-Stadtratsfraktion wies den Vorstoß des CDU-Politikers ebenfalls energisch zurück. Peter Müller, Stadt-und Kreisrat der Partei, erklärte, die Schule in Böhlen habe sich über Jahre einen guten Ruf erworben und werde gebraucht. Grimmas Oberbürgermeister Matthias Berger (parteilos) erinnerte an den Beschluss, den auch die CDU mitgetragen habe. "Ich hoffe, die CDU steht dazu." Der Konflikt mit Colditz habe sich erledigt, da die dortige Schule auch einzügig betrieben werden könne.

Diese Einschätzung teilt sein Colditzer Kollege Matthias Schmiedel (parteilos) nicht. Nicht nur in Colditz gebe es ausreichend Plätze für Schüler. Durch den Neubau würden Überkapazitäten geschaffen, zumal es 2019 einen weiteren Knick bei den Schülerzahlen gebe. Die Überlegungen von Senf seien gut, denn den Steuerzahlern könne eine unnötige Ausgabe erspart bleiben. "Wenn die politische Vernunft siegt, dann verzichtet Grimma auf die Millionen-Ausgabe." Seine Befürchtung sei allerdings, dass der politische Druck zu groß sei und dass das Fusionsversprechen eingelöst werde. Es wäre schön, wenn sein Kollege Berger Größe zeige und den Neubau absage, so Schmiedel. Viel Hoffnung habe er allerdings nicht.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 17.05.2014
Heinrich Lillie

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