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Doppelt Schwein bei Nerchauer Treibjagd

Doppelt Schwein bei Nerchauer Treibjagd

Der 18-jährige Würschwitzer Tim Schiller wird ein überglückliches 2010 haben. Bei der aktuellen Treibjagd bringt der Allerjüngste gleich zwei Wildschweine zur Strecke.

Nerchau/Mutzschen. Wer so viel Schwein hat, der muss natürlich einen ausgeben. Ach was, nicht einen. Einen Doppelten?! „Nein, zwei Kästen Bier“, lacht der Mitstreiter vom Jugendklub Würschwitz-Blau, der zurzeit seine Lehre zum Kfz-Mechatroniker macht.

Einmal im Jahr veranstalten die Grünröcke der drei Reviere Wagelwitz, Cannewitz und Nerchau eine gemeinschaftliche Treibjagd. Reinhard Döhler, Rüdiger Steinbach, Steffen und Heinz Richter, Ulrich Semmig und Uwe Schiller – die insgesamt gut 30 Schützen sowie Treiber verabreden sich auch diesmal wieder an der Wagelwitzer Waage. Die Flinte geschultert, den Gamsbart am Hut, die Wildschweine im Visier. Die Jagdhornbläser Eberhard Senk, Jorg und Matthias Schlegel geben das Startsignal. Erst setzen sich die Schützen in Bewegung, beziehen dort Stellung, wo sie den Braten am ehesten zu riechen glauben. Dann schwärmen die Treiber in ihren orangenen Warnwesten aus. Einer von ihnen ist David Kamphrath. Er formiert seine mit Stöcken bewaffneten Gefolgsleute wie Michael Richter oder Wolfram Seifert gekonnt zu einer Linie. Noch an Ort und Stelle wird er zum Obertreiber geschlagen. Doch auch er kann das Entwischen von zwei Wildschweinrotten nicht verhindern.

Neues Spiel, neues Glück. Jetzt durchkämmen die Männer den Löbschütz-Würschwitzer Grund. Aber der Fuchs ist zu weit weg, der Hase muss geschont werden, und das Reh ist zu flüchtig. Jagdpächter Uwe Schiller: „Wir haben großen Respekt vor dem Wild, wollen es um keinen Preis verletzen.“ Ulrich Semmig fügt hinzu: „Wenn man sich nicht ganz sicher ist, bleibt der Finger gerade.“ Und doch: Die Wildschweine müssen dezimiert werden. Ihre Population hat sich drastisch erhöht. Die Folge: umgepflügte Wiesen und zerwühlte Felder.

Dann die dritte Chance: zwischen Italienergrab und Autostraße, im wildromantischen Schmorditzer Thielbachtal. Ausgerechnet dem Ältesten, dem 80-jährigen Heinz Richter, gelingt der Meisterschuss. Ein Reh! Als der erste Trupp bereits auf dem Weg nach Cannewitz ist, entdeckt Henry Kreis doch noch fünf Schweine. Zunächst gelingt der Rotte der Durchbruch. Letztlich entkommen drei Schwarzkittel, zwei dagegen trifft der schon erwähnte Mann des Tages, Youngster Tim Schiller.

So kann vor dem Büro der Cannewitzer Agrargenossenschaft doch noch eine Strecke gelegt werden. Nach dem Halaliblasen beginnt im festlich geschmückten Saal das Schüsseltreiben, das genauso gut Kesseltreiben heißen könnte. Denn Susann und Ines Schiller servieren köstliche Gulaschsuppe. Mit am Tisch sitzt auch Treiber Sebastian Richter. Der 20-Jährige hat sich eben noch schnell umgezogen: „Ich bin in eine riesige Schweinesuhle geraten, war von oben bis unten voller Schlamm.“ Ja, ja, die Wildschweine haben es offenbar faustdick hinter den Ohren und locken die Treiber auch schon mal in manche Falle.

Haig Latchinian

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