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Dorf der Jugend in Grimma: Hickhack um die Parkplätze

Alte Spitzenfabrik Dorf der Jugend in Grimma: Hickhack um die Parkplätze

Der Bauantrag für den künftigen Veranstaltungsraum im Dorf der Jugend in Grimma – in der Alten Spitzenfabrik – soll in den nächsten Wochen eingereicht werden. Allerdings gab es einige Hürden zu überwinden. So hieß es zunächst, der benachbarte, meist leere Parkplatz dürfe nicht genutzt werden, neue Stellflächen müssten her.

In der Alten Spitzenfabrik am Mulderadweg hat sich das Dorf der Jugend etabliert. Jetzt wird ein Veranstaltungsraum in Angriff genommen.

Quelle: Frank Prenzel

Grimma. Es klingt nach einer Schildbürgerei. Ad 1: Vor der einstigen Spitzenfabrik in Grimma erstreckt sich neben dem Caravanplatz ein ebenso neuer Parkplatz mit 78 Stellflächen. Meist ist er verwaist, Autos stehen hier nur vereinzelt. Ad 2: In der alten Fabrik soll für das Dorf der Jugend ein Veranstaltungsraum entstehen. „Dafür müssen wir 32 Stellflächen und zehn Mitarbeiter-Parkplätze bereit halten“, sagt der Chef des Jugendprojekts, Tobias Burdukat. Allerdings lautete aus dem Rathaus die erste Botschaft, dass der vorhandene Parkplatz dafür flach fällt. Er gelte als Ausweichplatz für Wohnmobile, falls alle 19 Caravan-Plätze belegt sein sollten. Zudem sind die Stellflächen und der Abriss des einstigen Milchhofes, der hier stand, vor vier Jahren mit Fördergeld finanziert worden. An Förderungen sind in der Regel Bedingungen geknüpft.

Also schoben die Jugenddorf-Leute für den Bauantrag eine Planung an, um auf der benachbarten grünen Wiese – neben dem meist leeren Parkplatz – Stellflächen zu schaffen. „Am Aufwändigsten war dafür das Lärmschutzgutachten“, schüttelt Burdukat mit dem Kopf. Doch der Spiritus Rector des Dorfes der Jugend sollte noch mehr ins Grübeln kommen. Denn im Februar signalisierte die Verwaltung, dass die Wiese nicht zur Verfügung stehe. Sie sei ein Vorbehalt für Gewerbeansiedlungen. Erst vor wenigen Tagen kam nun die Nachricht, für den Veranstaltungsraum könne doch der vorhandene Parkplatz genutzt werden. „Wir sollen es so beantragen“, sagt Burdukat, wohl wissend, dass die vier involvierten Ämter jeweils ihre eigene Sichtweise ins Spiel bringen. Also muss der Bauantrag überarbeitet werden. Auch ein Nachtrag zum Lärmschutzgutachten ist nötig.

Damit geht weitere Zeit ins Land, worüber sich der 33-Jährige maßlos ärgert. Nach einem Workshop der Jugendlichen mit dem Bauaufsichtsamt des Landkreises Anfang vorigen Jahres war zunächst das Containercafé auf den Weg gebracht worden. Seit Sommer 2016 wird nun der Bauantrag für den Veranstaltungsraum forciert. Hier wissen die Jugenddorf-Leute das Architektur- und Statikbüro Beyer/Lätzsch aus Grimma und Bauingenieur Matthias Kopall aus Grimma als Profis an ihrer Seite.

Und das ist auch nötig: Über dem Gelände der Alten Spitzenfabrik, die denkmalgeschützt ist und sich nur wenige Schritte neben der Mulde befindet, liegt ein Bebauungsplan. Der lege alles genau fest, sagt Burdukat und weist auf damit verbundene Schwierigkeiten hin. So sei die Fläche, die versiegelt werden darf, schon ausgeschöpft. Eine betonierte Rampe für den behindertengerechten Zugang zum Veranstaltungsraum sei deshalb eigentlich nicht möglich, nennt der 33-Jährige ein Beispiel.

Der für 390 Personen ausgelegte Veranstaltungsraum soll im Erdgeschoss des früheren Produktionsgebäudes entstehen. „Wir brauchen endlich einen Raum für Veranstaltungen, Treffen und Workshops“, betont Burdukat. Derzeit hat das Dorf der Jugend keine wetterfeste Bleibe. Zudem wollen die Jugendlichen eine Lücke in Grimma füllen. „In der Stadt gibt es nichts für junge Menschen“, meint der 33-Jährige. Der Raum soll aber noch einen anderen Zweck erfüllen und per Eintritt und Vermietung Geld einspielen, das eins zu eins in die Jugendarbeit fließt. So finanziere das Jugendamt zwar seine 30-Stunden-Stelle, sagt Burdukat, aber für alles andere seien immer wieder Anträge zu stellen. Selbst für so simple Sachen wie Büromaterial. „Das ist ein enormer Zeitaufwand.“

Burdukat hofft, dass es nun die längste Zeit gedauert hat und der Bauantrag „in den nächsten Wochen“ eingereicht werden kann. Danach hat die Behörde drei Monate Zeit zur Prüfung. „Ich würde mich freuen, wenn der Raum ab Herbst genutzt werden kann“, gibt sich Burdukat optimistisch. Denn die Bauarbeiten selbst sind nicht so aufwendig. Der Raum muss von anderen derzeit offenen Bereichen per Mauer getrennt werden und wird ohne Heizung sein. Toilettenbereiche werden laut Burdukat zwar vorbereitet, im ersten Schritt muss aber ein WC-Container genügen. „Strom haben wir bereits legen lassen“, erläutert der 33-Jährige.

Von Frank Prenzel

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