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Dorf der Jugend in Grimma: Tür zur Fahrradwerkstatt bleibt zu

Post vom Amt Dorf der Jugend in Grimma: Tür zur Fahrradwerkstatt bleibt zu

Kaum dass die Nachricht durchgesickert war, verschafften sich die Jugendlichen über Facebook Luft. Immerhin geht es um ihre Idee, um ihre Fahrradwerkstatt im Grimmaer Dorf der Jugend. Denn die Tür zum Werkstattraum bleibt nach einem Schreiben des Bauaufsichtsamtes des Landkreises vorerst verschlossen. Tobias Burdukat kann dazu nur den Kopf schütteln.

Die Tür zur Fahrradwerkstatt im Dorf der Jugend muss erst mal zu bleiben.Tobias Burdukat kann es nicht verstehen.

Quelle: Frank Prenzel

Grimma. Kaum dass die Nachricht durchgesickert war, verschafften sich die Jugendlichen über die sozialen Netzwerke Luft. Immerhin geht es um ihre Idee, um ihre Fahrradwerkstatt im Grimmaer Dorf der Jugend. Denn die Tür zum Werkstattraum bleibt nach einem Schreiben des Bauaufsichtsamtes des Landkreises vorerst verschlossen.

Donnerstag voriger Woche flatterte Tobias Burdukat das Schriftstück ins Haus. Es ist eine Anhörung, wonach „wir die Nutzung sofort einstellen sollen“, erläutert der Spiritus Rector des Dorfes der Jugend. Zum Betreiben liege keine Genehmigung vor. „Formal ist das sicher richtig“, weiß der 33-Jährige. Ein Bauantrag sei nicht gestellt worden. Dennoch kann er nur mit dem Kopf schütteln. Der Raum werde eigentlich nur zum Lagern von Werkzeug und Ersatzteilen genutzt. „Geschraubt wird auf dem Hof“, sagt Burdukat.

Die Fahrradwerkstatt wurde im September vorigen Jahres eröffnet. Die Jugendlichen kamen auf diese Idee auch wegen der Downhillpiste im Stadtwald. Zudem liegt die Alte Spitzenfabrik, in der das Dorf der Jugend peu à peu mit Leben erfüllt wird, direkt am Mulderadweg. Laut Burdukat wurden feste Öffnungszeiten etabliert. Mittwoch- und Samstagnachmittag sei jemand da, um Werkzeug rauszugeben. Denn die Werkstatt existiert in erster Linie zur Selbsthilfe. Und sie ist so gut ausgestattet, dass bei einer Panne sogar hochwertige Rennräder wieder flott gemacht werden können. Laut Burdukat sind zum Beispiel viele Asylbewerber gekommen, um an ihrem Rad zu schrauben. Die Werkstatt dient aber auch dazu, ausrangierte Drahtesel auf Vordermann zu bringen und an Bedürftige zu geben. „Es ist eine Art Tafel für Fahrräder“, beschreibt es Burdukat. Über 100 Radspenden habe das Dorf im Winter erhalten, die darauf warten, flott gemacht zu werden.

Karsamstag, am 15. April, soll es nach der Winterpause wieder losgehen und die Werkstatt ins Rampenlicht gerückt werden. Denn die Koordinierungsstelle Mulderadweg lädt an jenem Tag zum offiziellen Start in die diesjährige Fahrradsaison ein. Am Containercafé, das ebenfalls die Jugendlichen an der ruinösen Spitzenfabrik geschaffen haben, wird zu einer Rundtour an der Mulde aufgebrochen. Möglicherweise muss die Werkstatttür aber zu bleiben. „Ich muss jetzt klären, ob wir in den Raum dürfen, um das Werkzeug heraus zu holen“, nennt Burdokat einen seiner ersten Schritte. Dann könnte weiter im Hof gearbeitet werden. Noch diese Woche will er das Bauaufsichtsamt informieren, dass er den Jugendlichen die Schlüssel entzogen hat. Priorität habe derzeit der Bauantrag für den Veranstaltungsraum, der in der alten Produktionshalle entstehen soll. Vielleicht könne in dem Zuge die Genehmigung für die Werkstatt mit erledigt werden, hofft Burdukat, der aus den Paragrafen des Bauaufsichtsamt-Schreibens kaum schlau geworden ist.

Das Landratsamt verweist auf Gesetzlichkeiten. Wenn Teile der einstigen Spitzenfabrik genutzt werden sollen, „müssen diese baurechtlich frei gegeben werden“, betont Sprecherin Brigitte Laux auf LVZ-Anfrage. Im Verfahren werde geprüft, ob die Sicherheit – etwa Statik und Brandschutz – gewährleistet sind und die Nutzung den Festlegungen im Bebaungsplan entspricht. Da es für die Fahrradwerkstatt keinen Antrag gebe, „wird hier aktuell nachgefragt“, so Laux. In dieser Anhörung stehe, dass die Nutzung nicht verfahrensfrei sei. Termin für den Antrag ist laut Laux der 24. April, „andernfalls ist die Nutzung zu untersagen“. Das werde in einem gesonderten Bescheid mitgeteilt.

Zur Alten Spitzenfabrik gebe es einen B-Plan, der vieles vereinfacht, erklärt Laux. Für die Werkstatt genüge ein Genehmigungsfreistellungsantrag, die einfachere Variante eines Bauantrages. „Das Bauaufsichtsamt unterstützt das Vorhaben und ist auch für einfache Lösungen offen. Diese müssen aber rechtlich in Ordnung sein“, bekräftigt Laux. Die Sicherheit sei zu prüfen.

Tobias Budukat befürchtet indes, dass auch für das Freistellungsverfahren ein bauvorlageberechtigter Ingenieur gebraucht wird. Das koste Zeit und auch Geld und halte ihn von seiner eigentlichen Arbeit mit den Jugendlichen ab, ärgert er sich. Das Amt wisse, dass die Bauanträge für die Projekte im Dorf der Jugend nacheinander abgearbeitet und die Jugendlichen in den Prozess einbezogen würden. Denn Burdukats Jugendprojekt zielt ja darauf, dass junge Leute kreativ sind und eigenständig agieren. Wegen der Pläne in der ruinösen Spitzenfabrik gab es im vorigen Jahr sogar einen zweitägigen Workshop der Jugendlichen mit dem Bauaufsichtsamt zum Thema Baurecht. Daher müsste bekannt sein, „was rechtlich und tatsächlich für eine Nutzung notwendig ist“, meint Landratsamt-Sprecherin Laux.

Von Frank Prenzel

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