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Drama über Otterwischs Dächern: Vier junge Störche sterben

Fünfter Adebar ringt mit dem Tod Drama über Otterwischs Dächern: Vier junge Störche sterben

Ein zweites Storchendrama binnen kurzer Zeit spielt sich in Otterwisch (Kreis Leipzig) ab. Noch vor einer knappen Woche erfreute sich die Rekordbrut bester Gesundheit, dann starb nach und nach der Großteil des Nachwuchses. Ein Jungtier kämpft ums Überleben.

Ein Altstorch am Montag im Nest auf der Otterwischer Kirche. Noch lebten dort zwei von sechs Jungen, eines davon rang aber auch schon mit dem Tod.
 

Quelle: Thomas Kube

Otterwisch. Ein zweites Storchendrama binnen kurzer Zeit spielt sich gegenwärtig in Otterwisch ab. Noch vor einer knappen Woche erfreute sich die Rekordbrut bester Gesundheit, dann starb nach und nach der Großteil des Nachwuchses – am Montag rang das fünfte von sechs Jungen mit dem Tod. Erst im vergangenen Sommer hatte das Schicksal von Storchendame Emma weltweit Tierliebhaber mitfiebern lassen. Ihr geht es inzwischen gesundheitlich sehr schlecht, gesucht wird eine Betreuungseinrichtung.

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Erneutes Storchendrama in Otterwisch. Nachdem bei der diesjährigen Brut rekordverdächtige sechs Jungvögel geschlüpft waren, hat sich die Zahl der Storchenkinder mittlerweile auf zwei reduziert. Storchenexperte und - betreuer Klaus Döge ist ratlos

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Die Eltern sind in beiden Fällen die gleichen, meint Klaus Döge, Vorsitzender der Ortsgruppe Otterwisch des Bundes für Umwelt und Naturschutz. Am 24. März traf das Weibchen, eine Woche später das Männchen über die sogenannte Ostroute ein, die von Südafrika über die Türkei und den Balkan in hiesige Gefilde führt. „Es schien, als würden sie hier alles kennen. Sie begrüßten sich, da war keine Distanz“, schildert der 66-Jährige. „Sofort bauten sie das Nest und paarten sich. Schon am 7. April lag das erste Ei.“

Sechs sollten es werden, und allen entschlüpften kleine Weißstörche. „Das war eine Sensation, in den vergangenen knapp 50 Jahren kam das maximal zweimal vor“, so der Experte, der sich zwar freute, dem aber eine kleinere Brut lieber gewesen wäre. „Früher gab es viele Bauern, die auf ein breites Pflanzenspektrum setzten. Jeder erntete, wie er das Futter brauchte. Heute haben wir eine industrielle Landwirtschaft. Drei Bauern aus Otterwisch und einer aus Neichen bauen in der Regel Raps, Mais und Getreide an, nur einer von ihnen noch Kartoffeln“, erläutert Döge. „Das schränkt das Nahrungsangebot ein. Wird ein Feld abgeerntet, gibt es zwar für den Storch eine Fettlebe mit vielen Mäusen. Aber nach ein bis zwei Tagen findet er nichts mehr. Zum Glück haben wir noch den Gösel-Bach, einige Teiche und in Großbuch eine Kuhweide.“

Bild aus besseren Tagen

Bild aus besseren Tagen: Ein Altstorch mit den Jungen im Nest auf der Otterwischer Kirche.

Quelle: Screenshot Thomas Kube

Schwierig also, so viel Nachwuchs durchzubringen; bei Futterknappheit stirbt oft der jüngste Storch. In diesem Jahr aber galt diese Regel nicht, vergangenen Mittwoch lag der erstgeschlüpfte tot im Nest. Der Altstorch nahm ihn in den Schnabel und schüttelte ihn, hoffend, noch einen Lebensfunken zu entdecken. Vergeblich. Ein Prozedere, das Döge, der das Geschehen in gewohnter Weise mit seiner HD-Technik filmt und live im Internet überträgt, nun schon mehrfach beobachten musste. Jedes Mal lag das Junge, das verendete, vorher im Nest und atmete schnell. Am Montag Nummer fünf, so dass auch von dessen Tod spätestens im Laufe der Nacht auszugehen war. „Am Dienstag werden wir wohl nur noch eins haben“, meint Döge.

Jene Leichen, die über den Nestrand geworfen worden sind, holten sich wahrscheinlich Raubvögel. „Man müsste eine haben, um die Ursache untersuchen zu können“, sagt Döge, der in der Region als Storchenvater bekannt ist. Der Aufwand, per Hubsteiger im Nest nach weiteren leblosen Tieren zu suchen, sei aber zu groß.

So bleiben nur Spekulationen. „Anfang des Jahres wurde auf einigen Feldern Klärschlamm ausgebracht. Das ist zwar legal, denn er gilt offiziell als unbedenklich. Doch Naturschutzverbände warnen davor, weil er alle Abfälle einer Stadt enthält, die in die Kanalisation gelangen, auch chemische Substanzen und Spuren von Medikamenten“, so Döge. „Frisst ein Vogel eine Maus, die daran starb, nimmt er das Gift auf.“

Bernd Holfter, der im Altkreis Grimma Weißstorch-Beauftragter war, sieht eher in der Trockenheit der jüngsten Zeit einen Auslöser. „Hauptnahrung für die Jungtiere sind Regenwürmer. Sie befinden sich aber momentan tiefer, die Störche kommen nicht an sie heran“, erklärt er. „Gifte halte ich für unwahrscheinlich. Ansonsten müssten auch die Alttiere, die zweifellos mehr vertragen, mit der Zeit zumindest ein abnormales Verhalten zeigen.“ Allerdings: Laut Döge erhielt der Nachwuchs genügend Futter.

Hundertprozentig wird wohl nie in Erfahrung gebracht, was zum Sterben führte. Und fraglich ist auch, ob sich dieses Jahr der Aufwand der Beringung, die immer einem Dorffest gleicht, überhaupt lohnt. Die Hoffnungen ruhen nun auf dem einzig noch lebenden Jungtier.

Storchendame Emma mit Beinprothese

Storchendame Emma mit Beinprothese. Sie war im vergangenen Sommer nach einer dramatischen Rettungsaktion in Otterwisch und der Amputation in der Tierklinik Magdeburg zur Vogelschutzwarte im sachsen-anhaltinischen Loburg gebracht worden.

Quelle: Vogelschutzwarte Loburg

Auch was Emma anbelangt, stirbt die Hoffnung zuletzt. Sie war im vergangenen Jahr eines von fünf geschlüpften Tieren und brach sich am 3. August beim Anflug aufs Nest das linke Schienbein. Zahlreiche Versuche, sie einzufangen, scheiterten. Durch die Berichterstattung in der LVZ rollte eine riesige Spendenwelle an, Fernsehsender nahmen sich des Themas an; rund um den Globus stockte der Internetgemeinde der Atem.

Mit dem Spendengeld konnte die Rettung und Behandlung Emmas organisiert werden, außerdem floss es in die Erhaltung von Störchennestern der Region. In der Tierklinik Magdeburg bekam sie eine Beinprothese und lebte fortan in einer Voliere der Vogelschutzwarte Loburg zusammen mit Adebar Friedolin, dem ebenfalls ein Bein amputiert worden war.

Da Emma aber nur noch einen kurzen verbliebenen Stumpf unterhalb des Knies hatte, blieb kaum Platz für die Befestigung der Prothese. Das Bein entzündete sich häufig, so dass der Storch das andere Bein mehr belastete, dessen Gelenk sich daraufhin auch entzündete. So überlegte die Einrichtung, Emma einschläfern zu lassen. Vorerst erhält sie Schmerzmittel.

„Wir sind am Scheideweg, machen es uns aber nicht leicht“, sagt Michael Kaatz, Geschäftsführer der Schutzwarte. „Das Tier vegetiert eher dahin, es quält sich. Jeden dritten Tag müssen die Beine frisch verbunden werden. Das können wir nicht leisten, denn als Durchgangsstation brauchen wir unsere Kraft für Tiere, die ausgewildert werden können.“

Deshalb startet Kaatz einen Aufruf. „Wir suchen dringend einen Tierpark oder Zoo, der Emma aufnimmt, für die sich so viele Menschen engagiert haben“, sagt er. „Sie benötigt ein Gehege, in dem sie gut versorgt wird und fliegen kann.“

Hilfsangebote an Vogelschutzwarte Loburg, Telefon 039245/25 16

Von Frank Pfeifer

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