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Drei Leute, drei Stunden, ein Song: Colditzer Schloss als internationale Hitfabrik

Landesmusikakademie Drei Leute, drei Stunden, ein Song: Colditzer Schloss als internationale Hitfabrik

In den gut ausgestatteten Colditzer Studios der Landesmusikakademie tüfteln seit knapp einer Woche sächsische und kanadische Songwriter an neuen Liedern. Vormittags ein Hit, nachmittags ein Hit – das Colditzer Schloss als wahre Hitfabrik. Am Donnerstag, 20 Uhr, präsentieren die jungen Künstler in Colditz die besten ihrer neuen Songs.

Anika Jankowski, die organisatorische Leiterin, Annemarie Grünert, Carleton Stone und Rany Dabbagh (v.l.).

Quelle: Haig Latchinian

Colditz. Da ist seit Sonntag eine kanadische Popgruppe (sogar mit Charterfolgen!) in der Stadt – und keiner weiß es. Schade eigentlich. Vielleicht aber auch gut so. Denn Breagh MacKinnon, Dylan Guthro und Carleton Stone von der Band „Port Cities“ basteln in Colditz unter Hochdruck an neuen Hits. Nutzen dafür jede Minute. Da würden Autogrammwünsche und Fangekreisch sicher nur stören.

Vor allem sind sie in den Studios der Colditzer Landesmusikakademie eh nicht allein. Zusammen mit einem Dutzend ausgewählter sächsischer Songwriter bereiten sie eine kleine aber feine Tour vor. Das Besondere: Jedes Lied, das zur öffentlichen Generalprobe im Colditzer Kammermusiksaal (am Donnerstag 20 Uhr / Eintritt frei), am Freitag im Peißnitzhaus in Halle, am Sonnabend im Kulturbahnhof Radeburg und am Sonntag in der Dresdener „Scheune“ auf der Programmliste steht, wird ausnahmslos in Colditz geschrieben und arrangiert.

In Dresden gibt es den Kulturverein „Scheune“, der ein gleichnamiges Veranstaltungshaus betreibt. 2008 gründete der Verein eine eigene Akademie als Weiterbildungsangebot für Musiker: Künstlersozialkasse, Gema, Facebookprofil – alles, was für Musiker hinter der Bühne wichtig ist, wird dort erklärt. Außer der Reihe gönnt sich die Akademie noch ein Sahnehäubchen – das Songcamp. Magnus Hecht, „Scheune“-Vorstand, brachte die Idee aus Kanada mit, wo die sogenannte Nashville-Methode längst Standard ist: Drei Leute, drei Stunden, ein Song.

Die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, das regionale kanadische Pendant – Music Nova Scotia und die kanadische Botschaft in Berlin unterstützen das Projekt in Colditz. Anika Jankowski, Leiterin der „Scheune“-Akademie: „Insgesamt haben wir 15 Teilnehmer im Alter von 21 bis 42 Jahren. Alle sind in der Europajugendherberge untergebracht und werden dort auch verpflegt. Tagsüber arbeiten wir in gemischten Dreiergruppen an den Songs. Am Ende der Woche werden es 35 Lieder sein, die besten 15 davon kommen ins Programm. “

Die drei Mitglieder der kanadischen Band „Port Cities“, die für den im November vergebenen Music-Nova-Scotia-Award gleich sechs mal nominiert sind, nehmen in den Gruppen den Part von Teamleitern ein. Dabei sind auch die einheimischen Kursteilnehmer längst keine Nobodys. Stina Mari etwa oder Schraubenyeti. Aber auch Friedemann Spindler von der Band „Alice Roger“, Deutsch-Syrer Rany Dabbagh oder Annemarie Grünert alias Annemarie Reynis. Sie bringen es im Jahr schon jetzt auf bis zu 50 Shows, waren zum Teil im Fernsehen zu erleben oder gelten noch als Rohdiamanten.

In den bestens ausgestatteten Colditzer Studios versammeln sich die kreativen Songwriter rund um den Flügel und lassen ihrer Fantasie freien Lauf. Das Handy liegt immer griffbereit und zeichnet alles auf. Vormittags ein Hit, nachmittags ein Hit – das Colditzer Schloss als wahre Hitfabrik.

Sylke Friedrich von der gastgebenden Landesmusikakademie bekommt von den jungen Künstlern ein Kompliment nach dem anderen. Alles sei perfekt – von der Ausstattung der Studios bis zum Essen sogar für Allergiker. Die Musiker wollen sich bei den Colditzern für die Gastfreundschaft bedanken – natürlich mit Musik, am Donnerstag mit der öffentlichen Generalprobe für die Mini-Tournee. Sylke Friedrich hofft auf möglichst zahlreichen Besuch. „Gerade für junge Leute ist das doch genau das Richtige. Klar, am nächsten Tag ist Schule. Aber so spät wird es ja auch nicht.“ Friedrich macht Nägel mit Köpfen, gibt dem etwa zweistündigen Gratiskonzert einen griffigen Namen: Die 1. Colditzer Pop Night ist geboren! Also dann, nichts wie hin. So leicht kommt man sonst nie an Stars. Und vor allem auch nicht an Autogramme und Selfies.

Von Haig Latchinian

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