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Grimma Ehemalige Beuchaer Steinmetze treffen sich
Region Grimma Ehemalige Beuchaer Steinmetze treffen sich
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13:31 11.06.2018
Brigadenachmittag: Steinmetz Bernd Möbius (l.) hatte ehemalige Berufskollegen aus dem Beuchaer Steinbruch eingeladen, um über gute alte Zeiten zu plaudern und Erinnerungen aufzufrischen. Quelle: Frank Schmidt
Trebsen/Seelingstädt

Wer als Steinmetz gearbeitet hat, übte einen der ältesten Handwerksberufe der Welt aus. Einige Vertreter dieser Zunft standen im Beuchaer Steinbruch in Lohn und Brot, durch ihre Hände ging bis zur Schließung der Abbaustätte im Jahr 1994 tonnenweise Granitgestein. Alte Haudegen dieser Zunft fanden sich jetzt zu einer Art Brigadetreffen Ehemaliger bei Bernd Möbius in Seelingstädt zusammen.

Völkerschlachtdenkmal und Französischer Dom

Zu den bekanntesten Bauwerken, die aus Beuchaer Stein errichtet wurden, gehören das Völkerschlachtdenkmal, der Französische Dom und das Russische Denkmal in Berlin. Er kommt aber auch in zahlreichen Autobahnbrücken wie in der Pörstentalbrücke sowie in nicht wenigen Grachtenbrücken von Amsterdam vor. Darüber und über die Arbeit als Steinmetz an sich wurde beim Treffen viel erzählt.

Beruf stirbt nicht aus

So alt, wie der Beruf auch ist, die Gefahr des Aussterbens besteht nicht. Davon zeigen sich Bernd Möbius aus Seelingstädt und Matthias Bohli aus Beucha überzeugt. Beide sind noch in der Region selbstständig arbeitende Steinmetze mit Meisterbrief in der Tasche. „Die Arbeit des Steinmetzes ist nach wie vor gefragt, aber sie ist mit der Arbeit von damals nicht mehr zu vergleichen, denn uns stehen jetzt moderne Technologien und Maschinen zur Verfügung“, sagen die zwei, die früher ebenfalls im Beuchauer Steinbruch gearbeitet haben.

Computertechnik erleichtert Arbeit

Früher – ein Wort, das von den Ehemaligen sehr oft ausgesprochen wurde, um ihre Erinnerungen aufzufrischen – habe es noch keine Fitnessstudios gegeben. „Die hätten wir auch gar nicht gebraucht“, scherzt Rainer Habel und will damit sagen, wie körperlich schwer der Beruf ist. „Heute wird viel dank Programmierung über Computertechnik bearbeitet“, weiß freilich Möbius.

Schwere Arbeit im Steinbruch

Aber wenn einst in Beucha etwa 20 Steinmetze gearbeitet haben, von denen jetzt noch etwa die Hälfte am gemütlichen Brigadenachmittag teilnehmen konnten, brauchte man mindestens 60 weitere Arbeiter, die gewissermaßen als Handlanger die wichtigen Vor- und Nacharbeiten ausgeführt haben. „Denn vom Abbruch bis zum fertigen Produkt durchläuft so ein Stein viele Stationen. Und diese Arbeiten waren genauso schwer“, merkt Habel noch immer voller Bewunderung für seine ehemaligen ungelernten Kollegen an. „Stimmt, die haben den Stein gebrochen, rausgeholt und dir auf die Haubank gelegt. Und du hattest den zu bearbeiten – mit der Hand“, ergänzt Gert Wartig.

Räumliches Denken

„Aber wir haben für damalige Verhältnisse auch alle nicht schlecht verdient“, geben die Steinmetze zu. Denn ihre Fähigkeiten bestanden nicht nur in der geschickten Handarbeit, sondern in dem dafür wichtigen räumlichen Denken, um aus jedem Stein eine Figur herauszuholen. Anders formuliert: Was derzeit in 3D mit Computer gezeichnet wird, hat ein Steinmetz vom alten Schlag im Kopf.

Einzeln gefertigte Steine für Grachtenbrücken

Und so sind auch die Grachtenbrücken in Amsterdam entstanden. „Alle Steine wurden einzeln handgefertigt und in Beucha als ganze Brücke erst trocken zusammengestellt, bevor diese als Devisenbringer ins Ausland ging. Allerdings durften wir nicht mit rüber, um sie an Ort und Stelle aufzubauen, das haben andere gemacht“, erzählt Gerhard Scholich und ist stolz darauf, „dass immer jeder Stein gepasst hat und nie nachgearbeitet werden musste.

Erst nach der Wende haben einige Beuchaer Steinmetze jene Brücken bewundern können, die dank ihrer Hände Arbeit entstanden sind. „Da sind mir vor Freude die Tränen geflossen“, räumt Habel ein.

Von Frank Schmidt

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