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Eigentümer des Ritterguts Kössern verwirklichen ihre Träume

Sanierung Eigentümer des Ritterguts Kössern verwirklichen ihre Träume

Seit fünf Jahren sanieren Jörn-Heinrich Tobaben und Mitgesellschafter Benjamin Gorgas das Rittergut in Kössern. Der alte Kuhstall wurde mit Leader-Fördermitteln auf Vordermann gebracht. Darin befinden sich Ausstellung- und Veranstaltungsräume, ein Café und ein Hofladen. Auch eine Elektroaufladestation für PKW und Fahrräder wurde geschaffen.

Parkanlage: Jörn-Heinrich Tababen entdeckte aufgrund von Gesprächen mit Kössernern den alten Brunnen des Rittergutes in der Müllhalde am Rittergut wieder. Nach historischen Bildern gestaltete er die Parkanlage.

Quelle: Thomas Kube

Grimma/Kössern. Vom traumhaften Blick auf die Muldenufer und die umliegende Landschaft begeistert, erwarb Jörn-Heinrich Tobaben (47) 2012 das verwahrloste Rittergut Kössern und rekonstruierte es fortan Seite an Seite von Mitgesellschafter Benjamin Gorgas (20). Nach fünf Jahren schwärmt der 47-jährige Geschäftsführer der Metropolregion Mitteldeutschland noch immer von dem herrschaftlichen Anwesen auf der zwölf Meter hohen Porphyrkuppe.

Weil die beiden Investoren ihre Aufträge auch ausschließlich an Handwerker aus Kössern und Umgebung vergeben, wächst eine neue Verbundenheit zwischen Region und Rittergut. Dazu trägt sicherlich auch bei, dass man sie fast jedes Wochenende in Gummistiefeln und mit Werkzeugen in der Hand auf dem Gut antrifft. So entkernten die neuen Eigentümer einen Flügel im Herrenhaus, um Platz für Wohnraum zu schaffen. Tobaben, der in Leipzig arbeitet, hat bereits seinen Wohnsitz hier. Im ersten Obergeschoss baut er eine Wohnung aus. Auch zwei alte Mieter bleiben im Herrenhaus wohnen und müssen trotz der Sanierung nicht ausziehen.

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Das Rittergut Kössern wird von Jörn-Heinrich Tobaben und Benjamin Gorgas saniert. Es verfügt über eine Ausstellungsfläche von 500 Quadratmetern. Bei Ausgrabungen wurden Sandfiguren wahrscheinlich aus der Werkstatt des Bildhauers Balthasar Permosers gefunden.

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Die felsigen Terrassen, die Richtung Süden abfallen, werden nach altem Vorbild gestaltet und belohnen die Investoren mit einem traumhaften Blick auf die Mulde. „Ich habe mir einen Traum erfüllt“, stellt Jörn-Heinrich Tobaben fest. „Wenn ich damals gewusst hätte, was es für eine wahnsinnige Aufgabe ist, das über dreihundert Jahre alte Gebäudeensemble am Fuße der Mulde zu sanieren, weiß ich jedoch nicht, ob ich es gekauft hätte“, blickt der Wahl-Kösserner zurück. Allerdings sei für ihn die Arbeit auch Therapie, sagt er ohne weiter darauf eingehen zu wollen.

Er stammt aus Buxtehude, kam nach der Wende in den Osten, danach wechselte er wieder in den Westen und entschied sich schließlich ganz bewusst wieder für den Osten, weil er der Meinung sei, hierher zugehören. Für ihn ist es eine Lebensaufgabe, das Rittergut wieder zu einem der Mittelpunkte des Ortes zu machen. Denn er möchte das Rittergut für die Kösserner und ihre Gäste öffnen und ihnen die unglaubliche Geschichte dieser alten Mauern näher bringen. 1348 nennt die Herren von Apez von Kozzer als Besitzer, später folgen die von Techwitz, die von von Haugwitz und schließlich die von Lohma. Mehr ist überliefert aus den Jahren, als das Gut denen von Erdmannsdorff gehörte. Hier ist vor allem Wolf Dietrich von Erdmannsdorff zu nennen, Ältestenminister im Kabinett des Kurfürsten Friedrich August, bekannt als August der Starke. Er ließ das Rittergut etwa Anfang des 17. Jahrhunderts in der heutigen Form errichten. Einst diente es als Residenz für den Oberhofjägermeisters am Hofe August des Starken und seiner Familie. Ein Nachfahre des Adelsgeschlechts ging als Architekt des Wörlitzer Parks in die Kulturgeschichte ein. Gut und Jagdhaus erwarben die Familie von Abendroth im Jahre 1772, sie besaß es über 170 Jahre, bis zur Enteignung nach dem Zweiten Weltkrieg. Später diente es unter anderem als Kulturhaus und zu Wohnzwecken.

Fasziniert von der Architektur ist Tobaben gegenwärtig dabei, das Rittergut für kulturelle Veranstaltungen zu öffnen. So hat er eine Galeriefläche auf zwei Ebenen geschaffen, die gestattet, „Kunst auf 500 Quadratmetern zu präsentieren“, sagt der Diplom-Kaufmann und Soziologe. Geografisch angelehnt sind die Namen für die beiden Ausstellungsräume: Freiberger und Zwickauer Mulde. Am 3. September ab 17 Uhr wird erstmals im Raum Freiberger Mulde eine Installations-Ausstellung von Herrn C.L. gezeigt. Mit bürgerlichen Namen heißt der Künstler Jens Cencarka-Lisec (47) und lebt bei Dresden. Im Raum Zwickauer Mulde stellt die Künstlerin Doris Ziegler bereits aus. Für sich spricht auch der Name der Galerie „Wasserberge“. Denn wenn man aus dem Fenster des ehemaligen Kuhstalls blickt, sieht man einen Wald, der wie ein Berg sich über die Mulde erhebt. Im ehemaligen Kuhstall ist noch ein Café und ein Hofladen untergebracht. Aus der ockerfarbenen Wand des Kuhstalls ragen auch vier Ladesäulen für E-Autos hervor. „Die Sanierung des Kuhstalles erfolgte mit Leader-Fördermittel“, sagte er. Bisher seien in das Rittergut rund zwei Millionen Euro geflossen.

Die Wiederherstellung des fast zwei Hektar umfassende Parkes anhand von alten Aufzeichnungen ist noch nicht abgeschlossen. „Wir haben schon viel geschafft. So konnte aus einer alten Müllhalde wieder der Brunnen geborgen werden und der Platz nach alten Vorbild wieder hergerichtet werden“, erzählt der Kaufmann. Doch es bleibt noch viel zu tun, so muss unter anderem der Weg noch vom Brunnen zum Herrenhaus befestigt oder die Treppe zum Herrenhaus saniert werden. Und so wird das Schloss wie es auch die Kösserner nennen, Stück für Stück wieder wach geküsst.

Von Cornelia Braun

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