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Sozialarbeiter Tobias Budukat aus Grimma hat mit seinem „Dorf der Jugend“ viel bewegt

Goldene Henne Sozialarbeiter Tobias Budukat aus Grimma hat mit seinem „Dorf der Jugend“ viel bewegt

Sozialarbeiter Tobias Burdukat erhielt die Goldene Henne und den Taz Panter Preis 2016 für sein „Dorf der Jugend“. Dieses entwickelt er mit Jugendlichen in und um die alte Spitzenfabrik in Grimma.

Bolz- und Kricketplatz: Im nächsten Jahr soll hier Fußball- und Kricket gespielt werden. Ein Grillplatz soll ebenso errichtet werden.

Quelle: Thomas Kube

Grimma. Tobias Burdukat ist studierter Sozialarbeiter. Für den Grimmaer ist sein Beruf Berufung. Für sein soziales Engagement bekam der Diakonie-Jugendhaus-Leiter jetzt die Goldene Henne in der Kategorie Charity. Für den 33-Jährigen war es, wie er selbst sagt, eine suspekte Veranstaltung. „Ich kam mir unter den Prominenten wie ein Außerirdischer vor“, sagte der Sozialarbeiter. Bis dato wusste er nicht viel über die Goldene Henne, da er seit 2004 keinen Fernseher besitzt. Wie Burdukat erfuhr, sei er von der Jury vorgeschlagen worden, da in diesem Jahr ein Drehteam vom MDR in der alten Spitzenfabrik war, als ein Film über das sächsische Burgenland gedreht wurde.

Der Mann im Kapuzen-Pullover hat in Grimma und Umgebung viel bewegt mit seinem Projekt, dem „Dorf der Jugend“. Es entsteht um und in der leer stehenden Spitzenfabrik an der Mulde in Grimma mit einem Container-Café und einer Fahrradwerkstatt. Auch eine von den Jugendlichen betriebene Downhillstrecke für Mountainbikes im Stadtwald und das Teletubby-Land gehören zum „Dorf“. „Die Idee dazu stammt eigentlich aus meiner Abschlussarbeit während meines Studiums“, erinnerte sich der parteilose Stadtrat, der sich auch im Jugendhilfeausschuss des Kreises und als Mitglied des Kreisbehindertenbeirats engagiert. Das Dorf der Jugend müsse man sich als Spielplatz für junge Menschen vorstellen, erzählt der große schlaksige Sozialarbeiter. „Hier können sich Jugendliche entwickeln und austesten. Dabei ist die Freiwilligkeit das oberste Gebot“, weiß der bärtige junge Mann aus Erfahrung. „Die Entwicklung von Jugendlichen gehe nur über Rebellion, wenn man sie zu eigenständigen und selbstständigen Menschen entwickeln will“, sagt der Projektleiter. So habe beispielsweise die Einrichtung des Container-Cafés schlappe drei Jahre von der Idee bis zur Umsetzung gedauert. Klar, wäre es schneller gegangen, wenn er sich vor den Karren gespannt hätte, doch das ist nicht Sinn des Projekts. „Bei uns passiert alles auf freiwilliger Basis und nicht auf der Grundlage von Mehrheitsbeschlüssen. Vielmehr treffen wir uns regelmäßig und diskutieren so lange, bis jeder die Idee mittragen kann, oder wir verwerfen sie“, meint er. Wir, das sind 20 bis 30 aktive Jugendliche, die sich bei Veranstaltungen um weitere 20 aufstocken. Mit dem „Dorf der Jugend“ soll aber auch den Jugendlichen, die im ländlichen Raum des Leipziger Landes aufwachsen, eine Plattform gegeben werden, sich ins ­kulturelle Leben einzubringen. „Das Hauptproblem auf dem Lande ist doch, dass viele Jugendliche hier keine Perspektiven für ihre Freizeit sehen“, sagt Burdukat. Er selbst ist in der Heimat geblieben und will dazu beitragen, dass wieder solche Werte wie Selbstbestimmtheit und die Fähigkeit zu solidarischem und menschlichem Miteinander in den Vordergrund rücken. Tobias Burdukat hat einen großen Bekanntheitsgrad in der Region und wird auch nicht von allen geliebt, vielmehr ist er einigen ein Dorn im Auge. Dazu gehören Neonazis und „besorgte Bürger“ , die auch laut gegen Flüchtlinge mobil machen. Denn Burdukat ist nicht nur Punkmusiker, sondern auch überzeugter Humanist und setzt sich für Menschen ein. Humanismus gehört zu seinen Grundüberzeugung, die sich aus seiner christlichen Erziehung resultieren. So war Tobias Burdukat nicht abgeneigt, als die Stadt Grimma an ihn den Wunsch herantrug, Flüchtlinge ins Dorf der Jugend zu integrieren. So wurde in diesem Jahr begonnen, die Außenanlagen zu gestalten. So soll ein Grillplatz und ein Bolz- und Kricketplatz entstehen. Auch ist es gelungen, dass es seit diesem Jahr kostenloses W-Lan in der Spitzenfabrik gibt. Im nächsten Jahr hofft Budukat, dass der Veranstaltungsraum, der bereits in diesem Jahr fertig werden sollte, genutzt werden kann. „Die Anträge zur Nutzung kosten viel Geld“, erklärt er. Deshalb kam der Geldsegen aus der Goldenen Henne gerade zur richtigen Zeit. Große Unterstützung bekam er auch durch die Integrationsministerin Petra Köpping (SPD), die den 33-Jährigen zur Goldenen Henne und zum Taz Panter Preis 2016 beglückwünschte. Die Ministerin setzte sich unter anderem dafür ein, dass die SAB 10 000 Euro für das Außengelände locker machte. Noch in diesem Monat sollen für das Außengelände mobile Fußballtore gebaut werden, damit im Frühjahr auch diese Sportart sowie Kricket betrieben werden kann.

„In Zukunft soll sich das Projekt einmal selbst tragen, um von Fördermitteln unabhängig zu sein. „Und irgendwann können die Jugendlichen sich selbstständig organisieren, ohne sozialpädagogische Anleitung“, ist er sicher.

Von Cornelia Braun

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