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Grimma Ein Hauch Antike in Mutzschen
Region Grimma Ein Hauch Antike in Mutzschen
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05:00 09.07.2010
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Zumindest herrschte auf dem Töpfermarkt gestern ein ähnlicher Andrang wie im Bahnhof. Zahlreiche Schaulustige wollten einen Blick in Mutzschens Unterwelt erhaschen. Wie sonst nur auf den säulengesäumten Zitadellenhügeln antiker Städte am Mittelmeer bestaunten die Geschichtsinteressierten mitten in Sachsens kleinster Stadt die akkurat gemauerten, drei Meter hohen und sechs Meter langen Bruchsteinwände der einstigen Zisterne.

Polier Mike Krause und Baggerfahrer Ralf Koksch von der mit der Neugestaltung des Töpfermarktes betrauten Firma Wilhelm legen nicht jeden Tag derart spektakuläre Bauwerke frei. „Als wir bis unter die Gewölbedecke vorstießen, stand das Wasser sogar noch 30 Zentimeter hoch." Die Männer werden die Zisterne nun schnellstmöglich mit Kies verfüllen. Die Gewölbedecke, die in der Neuzeit mit Beton verstärkt wurde, käme nicht wieder drauf. „Nur so haben wir eine ebene Fläche zum Pflastern", erklärten die Männer.

Graf: „Bislang war das Marktniveau sehr unterschiedlich. Durch die Zisterne lag der Fußweg bald 20 Zentimeter höher als die Straße. Geregelt wurde der Höhenunterschied durch eine überdimensional große Bordsteinkante. Diese kann nun glücklicherweise entfallen." Nein, die Zisterne brauche man nicht mehr, erklärte Graf: „Nach einem Wohnungsbrand in den 90-er Jahre wurden sämtliche Löschwasservorräte der Stadt überprüft. In dem Zusammenhang sanierte man auch besagte Zisterne. Inzwischen haben wir mit unserer Feuerwehr aber einen ganz anderen Ausrüstungsstand. So besitzen wir ein Löschfahrzeug mit ausreichend Wasser für den Erstangriff. Außerdem verfügen wir über genügend funktionstüchtige Hydranten. Die Zisterne ist somit überflüssig."

Laut Ortschronistin Jutta Barthel könne man die Ursprünge der Zisterne bis ins Mittelalter zurück verfolgen: „Die Zisterne ist solide gebaut. Sie diente damals der Versorgung mit Trinkwasser." Das konnte Mutzschens 92-jähriger Ehrenbürger Rudi Berger, der direkt am Töpfermarkt wohnt, nur bestätigen: „Als Kinder spielten wir auf dem Markt Hasche und Verstecken. Natürlich wären wir Jungs damals gern in die Zisterne hinunter gestiegen. Aber der Gullydeckel ließ sich nur mit Spezialgerät bewegen. An der Zisterne stand bis nach dem Krieg eine Plumpe." Die Zisterne sei für die Mutzschener sogar überlebenswichtig gewesen, betonte Berger: „Im Februar 1928 waren sämtliche Wasserleitungen eingefroren. Sogar die Bauern mussten das Wasser für ihr Vieh an der Schwengelpumpe holen." Gespeist, so Berger, wurde das unterirdische, über 100 Jahre alte Wasserreservoir vom Langhahn, einem Wiesengebiet am Böhlitzer Weg. Rudi Berger: „Mein Ur-Ur-Großonkel und weitere Geschäftsleute finanzierten damals die Trinkwasserleitung mit je 80 Talern."

Haig Latchinian

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