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Grimma Ein Hauch heute-show in Naunhof – doch der Funke springt nicht über
Region Grimma Ein Hauch heute-show in Naunhof – doch der Funke springt nicht über
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14:14 19.02.2017
Christine Prayon als blonde Diva. Quelle: Bert Endruszeit
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Naunhof

Wofür steht eigentlich Naunhof? Kabarettistin Christine Prayon, die am Freitag im örtlichen Alten Kranwerk gastierte, hatte sich im Vorfeld offenbar genau über ihren Gastspielort informiert. „Ich habe lange gesucht, doch nichts gefunden, was mich kabarettistisch herausgefordert hätte“, so die 1974 in Bonn geborene Künstlerin.

„Ich spiele gerne in Bayern, wo alles schwarz ist, oder in Baden-Württemberg, wo es am braunsten ist. Da kann man noch provozieren. Doch hier ist mir nichts aufgefallen, womit ich provozieren könnte.“ Na klar, es gebe hier noch die Badeseen. „Das ist natürlich krass.“ Aber dann fiel ihr bei der weiteren Recherche noch etwas in Lindhardt auf. „Hier gibt es tatsächlich eine Gedenkstätte für Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg. Das ist der Hammer. Wo ich herkomme, da baut man doch eher Gedenkstätten für Herrn Oettinger und nennt sie Stuttgart 21. Oder es wird an Herrn Filbinger erinnert.“ Die Folge: In Naunhof finde sie doch nur „links versiffte Gutmenschen“, bei denen sie mit ihrem Kabarett ins Leere stoße.

Christine Prayon, die einem großen Publikum vor allem durch ihre seit 2011 ausgefüllte Rolle als Birte Schneider in der ZDF heute-show bekannt ist, macht es ihrem Publikum nicht leicht. Wer pausen- und atemlose Schenkelklopfer aus dem Comedy-Bereich erwartet, wird ebenso enttäuscht wie der Freund eines doppelbödigen und hochpolitischen Kabaretts. Prayon navigiert dazwischen – ob sie bei dieser „Seefahrt“ durch diverse Untiefen immer ihr Ziel findet, muss jeder für sich entscheiden.

Mit gutem Grund teilte sie ihr Programm in zwei Abschnitte. Zuerst stand das fiktive Leben von „Scarlett Schlötzmann“ im Mittelpunkt, das in Form von Tagebuch-Aufzeichnungen reflektiert wurde. Die Lesung hatte durchaus ihren Reiz, wenn vom militärisch geprägten Umgangston in der Familie eines Brigadegenerals die Rede ist, die Tochter des Hauses in die Porno-Branche einsteigt und mit 48 Jahren noch immer bei den Eltern wohnt. Doch der Funke zum Publikum wollte nicht so recht überspringen, zur Pause gab es einige eher ratlose Blicke.

Im zweiten Teil konnte Christine Prayon zeigen, dass sie von Haus aus ausgebildete Schauspielerin ist. Ihre Wandlungsfähigkeit ist enorm, sie zeigt sich mal als blonde Diva und entblättert sich dann im Wortsinn hin zu ganz anderen Charakteren. Die Schauspielkunst ist ihre Stärke, kein Wunder, wirkte sie doch schon auf zahlreichen Bühnen mit. Doch was in der heute-show publikumswirksam zündet, gelingt bei ihrem Soloprogramm nicht immer. Eine Joachim-Gauck-Parodie bleibt konturlos und besitzt wenig Wiedererkennungswert, das Hinterfragen der eigenen Rolle als Kabarettistin ist zwar ein durchaus interessanter Ansatz, bleibt aber ohne Schärfe. Das Ende: freundlicher Applaus, nicht mehr.

Von Bert Endruszeit

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