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Ein Jahr nach der Rindertötung in Großbardau: Viehhalter erneuert seine Vorwürfe

Grimma Ein Jahr nach der Rindertötung in Großbardau: Viehhalter erneuert seine Vorwürfe

Genau ein Jahr nach der Auflösung seines Rinderbestandes in Großbardau und am Wasserwerksweg hat Arnd Viehweg (66) am Donnerstag in einer von ihm einberufenen Pressekonferenz seine schweren Vorwürfe gegenüber dem Landratsamt des Kreises Leipzig erneuert. Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen wegen angeblicher Rechtsverstöße als unbegründet eingestellt.

Arnd Viehweg zur Pressekonferenz.

Quelle: Thomas Kube

Grimma. Genau ein Jahr nach der Auflösung seines Rinderbestandes in Großbardau und am Wasserwerksweg hat Arnd Viehweg (66) am Donnerstag in einer von ihm einberufenen Pressekonferenz seine schweren Vorwürfe gegenüber dem Landratsamt des Kreises Leipzig erneuert. Ihm zur Seite stand der frühere Amtstierarzt des Muldentalkreises, Ingolf Herold, der die sogenannte Ersatzvornahme der Behörde als „völlig überzogen“ bewertet. Damit sei die tierwirtschaftliche Existenz von Arnd Viehweg vernichtet worden. Herold setzt sich in einem mehrseitigen Schreiben kritisch mit den Ereignissen und der Tötung auseinander, „freiwillig und ohne jeglichen Zwang“, wie er betont.

Rückblende: Das Lebensmittelüberwachungs- und Veterinäramt (LÜVA) des Landkreises hatte am 20. Juni 2016 mit Hilfe von Polizeikräften mit der Auflösung des Bestandes der zwei Weiden begonnen, nachdem Viehweg nach Angaben des Landratsamtes angedroht hatte, die Tiere ab jenem Tag nicht mehr zu versorgen. Vorausgegangen waren langwierige schwere Differenzen zwischen beiden Seiten. „Wir waren mehrfach vor Ort und stellten fest, dass die Kennzeichnung der Tiere nicht stimmt“, so Landratsamt-Sprecherin Brigitte Laux. Ohne Ohrmarke dürfe ein Tier aber nicht für die Verarbeitung geschlachtet werden, da der lückenlose Nachweis zur Herkunft fehle. Der Halter sei der Nachweispflicht und Untersuchungen auf Krankheiten nicht nachgekommen. Bei der mehrtägigen Großaktion wurden 78 Rinder getötet, 71 Tiere ließ das Amt wegschaffen und verkaufte sie. Gegenüber Viehweg wurde noch am 20. Juni ein Haltungsverbot ausgesprochen. Im Bestand hätten bei über 50 Prozent die Ohrmarken gefehlt oder seien falsch gewesen, so Laux. Manche hätten nicht behandelte Wunden gehabt.

Seitdem wird an vielen Fronten gekämpft. Viehweg stellte Strafanzeige gegen einige Mitarbeiter des Landratsamtes wegen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz und gegen Rechtsvorschriften. „Die Staatsanwaltschaft hat das Ermittlungsverfahren mit Verfügung zum 30. Januar eingestellt, weil es keinen hinreichenden Verdacht auf eine Straftat gibt“, sagte auf LVZ-Anfrage Oberstaatsanwalt Ricardo Schulz. Rechtsvorschriften seien nicht missachtet worden, Verstöße gegen das Tierschutzgesetz habe es nicht gegeben. Viehweg ging gegen diese Entscheidung in Beschwerde, die laut Schulz am 9. Mai vom Generalstaatsanwalt abgewiesen wurde. Jetzt lässt Viehweg dessen Entscheidung vom Oberlandesgericht prüfen.

Erfolg hatte der Großbardauer hingegen in einem anderen Rechtsstreit. Das Landratsamt wollte die laut Laux „verleumderischen Behauptungen“ im Internetportal www.vieh-weg.de untersagen lassen und rief dazu das Landgericht an. Das gab der Klage nicht statt. Im Berufungsverfahren vor dem Oberlandesgericht habe er mit seiner Schwiegertochter, die das Portal offenbar betreibt, nur drei von 48 beanstandeten Punkten ändern müssen, so Viehweg. Die Gerichtskosten für den Landkreis betrugen 2400 Euro, 600 Euro für den Beklagten.

Im Beisein mehrerer Familienangehöriger reihte Viehweg zur Pressekonferenz zahlreiche Details aneinander, wo seiner Ansicht nach das Amt ihn bei der Haltung beeinträchtigt und bei der Aktion gegen den Tierschutz verstoßen habe. Zugleich stellte er Vorwürfe in den Raum, unbeteiligte Mitglieder seiner Familie seien Sanktionen der Behörde ausgesetzt. So beklagt Viehweg, dass er durch den aus seiner Sicht unbegründeten Entzug „seiner Schießgenehmigung im Juli 2014“ die Tiere habe nicht mehr zur Kennzeichnung betäuben können (Laux: „Er hätte einen Tierarzt zur Betäubung heranziehen können.“). Viehweg, der von einem Rindermassaker und von Tierquälerei spricht, erhebt Vorwürfe bezüglich der Überprüfung der Tiere, der Betäubung, der Versorgung, des Transports... So hätten mehrere Tiere „drei Tage nichts zu fressen und kein Wasser bekommen“, es seien tragende Tiere und ein neugeborenes Kalb getötet worden, behauptete er.

Laux widersprach auf Nachfrage jedem Punkt. Nachweislich seien die Rinder versorgt gewesen. Unter Narkose sei bei jedem Tier der Zustand geprüft worden, kein Tier habe kurz vor der Geburt gestanden. „Rechtlich hätte der Bestand komplett gekeult werden können“, so die Landratsamt-Sprecherin. Man habe aber versucht, jedes Tier zu retten.

Stellungnahme Landratsamt im Netz: www.landkreisleipzig.de/pressemeldungen.html?pm_id=2618

Von Frank Prenzel

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