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Grimma Ein Leben für die Wissenschaft – Namensforscher Horst Naumann ist tot
Region Grimma Ein Leben für die Wissenschaft – Namensforscher Horst Naumann ist tot
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00:28 13.12.2015
Der Grimmaer Ehrenbürger Horst Naumann ist 90-jährig gestorben. Quelle: Frank Schmidt
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Grimma

Als das Altenhainer Unikum Gerd Misselwitz erfuhr, dass sein verehrter Professor Horst Naumann ins Krankenhaus gebracht wurde, machte er sich mit Eiern, Marmelade und Likör aus eigener Produktion auf den Weg nach Grimma. Zu spät. Margarethe, die Frau des bundesweit anerkannten Namensforschers, überbrachte ihm die Todesnachricht.

Am 20. November feierten die Grimmaer noch den 90. Geburtstag ihres Ehrenbürgers. Doch nur wenig später aß er kaum noch etwas, wollte nicht mehr aufstehen. „Weil er zwei Lungenentzündungen nacheinander hatte und keine dritte mehr bekommen durfte, ließ ich den Arzt rufen, der ihn sofort in die Klinik mitnahm“, sagt Margarethe Naumann. Jeden Tag besuchte sie ihren Mann, brachte ihm auch noch das Knobelbuch mit. Doch er sollte nicht mehr dazu kommen, die Kreuzworträtsel zu lösen.

Die Muldentaler werden den Wissenschaftler so in Erinnerung behalten, wie sie ihn immer erlebten: Bis zuletzt fuhr er mit seinem Auto zu Vorträgen, radelte Richtung Grethen und kaufte sich mit 89 noch ein E-Bike. Wenn es ihn mit einem seiner fünf Enkel und fünf Urenkel nicht gerade an die Parthequelle zog, war er an seinem Schreibtisch ins Quellenstudium vertieft. Am liebsten hatte er dabei Musik im Hintergrund. „Er wollte eigentlich Dirigent werden, war leidenschaftlicher Musikliebhaber, spielte in jungen Jahren Geige und Blockflöte“, erinnert sich Sabine Krahnert, Grimmas zweite stellvertretende Bürgermeisterin, Biologin und eine der beiden Töchter des Verstorbenen. Regelmäßig besuchte er Konzerte – ob in Colditz, Kössern oder Leipzig. „Er hörte genau heraus, welcher Pianist etwa Beethovens Klavierkonzert Nr. 5 Es-Dur spielte: Sviatoslav Richter, Lang Lang oder wer auch immer“, so Krahnert.

„Wir werden Horst Naumann stets ein ehrendes Gedenken bewahren, verspricht Grimmas Oberbürgermeister Matthias Berger. Als Erster erforschte der Germanist bereits seit 1958 die Orts- und Flurnamen des Muldentals, später auch großer Teile Sachsens, wie kein Zweiter beschäftigte er sich zudem mit Grimmas Straßen- und Familiennamen. Sein kleines Vornamenbuch, später auch das große Buch der Familiennamen brachte ihm landesweite Bekanntheit. Er wirkte nicht nur an der Karl-Marx-Universität Leipzig, viele Jahre lehrte er auch an der Pädagogischen Hochschule „Ernst Schneller“ in Zwickau. Dort bildete er ganze Generationen von Deutschlehrern aus. Bis zum heutigen Tag finden sich Beiträge aus seiner Feder in Grammatik-Schulbüchern. 1992 wurde Naumann als erster Vertreter der neuen Bundesländer in den Vorstand der Gesellschaft der deutschen Sprache gewählt. Seit 2002 war er deren Ehrenmitglied. 2010 ernannte ihn die Stadt Grimma zum Ehrenbürger. Heimatfreund Rudolf Priemer bewundert Naumanns Akribie und Vielseitigkeit: „Bis zu seinem Tod arbeitete er an der Trilogie von ,Mein Grimma lob’ ich mir’. Dabei bewies er sein Gespür für Zeitgeschichte, machte den Flutopfern nach den beiden Katastrophen 2002 und 2013 wieder Mut.“

Viele Kondolenzschreiben sind bereits eingetroffen. Ob der einstige Linken-Landtagsabgeordnete Peter Porsch, Drucker Christoph Bode, SPD-Stadtrat Klaus-Dieter Tschiche oder Namensforscher Herbert Wolf – alle brachten ihre Hochachtung zum Ausdruck. Naumann, der am 28. November starb, wird am Montag, 13 Uhr, in Grimma bestattet.

Ihr Mann, der nach dem Krieg auch als Lateinlehrer begann, habe mehrere Sprachen beherrscht, sagt Ehefrau Margarethe. „So konnte er bis ins hohe Alter die aus der ganzen Welt eintreffenden Anfragen zu Ursprüngen von diversen Namen gleich direkt beantworten.“ Naumann, der stets über den eigenen Tellerrand hinaus schaute, die Welt von A wie Australien bis Z wie Zypern bereiste, war immer auch ein politischer Mensch. Er versäumte keine Wahl, ergriff jederzeit Partei, sagen seine Freunde. Er, der mit 17 in den Krieg ziehen und in französischer Gefangenschaft hart arbeiten musste, bezeichnete den Frieden als das Allerwichtigste. „Umso bedrückender waren für ihn zuletzt die beängstigenden Nachrichten aus aller Welt“, betont seine Frau.

Nein, Horst Naumann „quälte“ seine Kinder und Kindeskinder nicht nur mit Grammatik. Der Schöngeist las gern aus Andersens oder Grimms Märchen vor. Am liebsten aus Originalausgaben in altdeutscher Schrift. Er war bekannt als vorzüglicher Gastgeber. Freunde und Bekannte besuchten ihn gern in seinem behaglichen Haus in der Göschenstraße. Dann wurde oft Rommé oder Skat gespielt. Nur verlieren konnte Horst Naumann nicht so recht.

Von Haig Latchinian

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