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Ein lohnendes Wagnis - Luftbilder von den ersten Airlebnistagen über Grimma

Ein lohnendes Wagnis - Luftbilder von den ersten Airlebnistagen über Grimma

Es ist der Traum vieler Menschen, einmal völlig frei in den Himmel zu schweben. Doch die meisten verbinden eine Ballonfahrt mit Flug- oder Höhenangst, und der Gedanke daran lässt den Traum schnell wieder zerplatzen.

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Grimma von oben - Blick auf die Bahnhofstraße (Ballonfahrt am 2. Oktober 2014)

Quelle: Thomas Kube

Doch es lohnt sich, das Wagnis in Angriff zu nehmen. Das bestätigten die Gäste der Ballonfahrt am Donnerstagnachmittag während der 1. Grimmaer Airlebnistage auf den Muldenwiesen in Nerchau.

Gegen 17 Uhr begaben sich etwa 30 Gäste in sieben Ballone. In den Korb des Piloten André Scheinpflug, der gemeinsam mit Hanna Oberauer von der Obenauf Veranstaltungsgesellschaft mbH das Vier-Tage-Event organisiert hatte, kletterten insgesamt zehn Mitreisende. Darunter befanden sich der Oberbürgermeister Matthias Berger (parteilos) und einer der Helfer des Festes, Steffen Richter, sowie das Presseteam der Stadtverwaltung, Theresa Lorenz und Sebastian Bachran. Letzterer und meine Person gehörten zu der Gruppe, die mit Höhen- oder Flugangst im Vorfeld mit sich zu kämpfen hatten. Doch sie wurden eines Besseren belehrt.

Ballonfahren ist ein Gemeinschaftserlebnis, und jeder einzelne Mitfahrer trägt seinen Teil dazu bei, dass Start und Landung eine runde und gelungene Sache werden. Deshalb war erst einmal Arbeiten angesagt. Zuerst wurde die 38 Meter lange und 28 Meter breite Hülle mit vereinten Kräften ausgebreitet. André Scheinpflug füllte die Hülle unter Zuhilfenahme zweier Gebläse mit kalter Luft auf und erwärmte sie anschließend mit einem Brenner. Es war ein phänomenaler Anblick, als sich der Ballon Stück für Stück emporhob. Als alle Fahrgäste nacheinander in den Korb geklettert waren, ging es aufwärts. „Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, wenn die Menschen und Gebäude unter einem plötzlich immer kleiner werden“, sagte Veronika Weder. Dabei stand ihr die Freude im Gesicht. „Ich habe meinen Lebenspartner immer wieder genervt, dass ich einmal mit einem Ballon fahren möchte“, sagte sie.

Die erste Anspannung legte sich auch bei Sebastian Bachran und mir und wich Staunen und Schauen. Scheinpflug ließ immer wieder heiße Luft in die Hülle, dadurch gewannen wir an Höhe. Das obere Drittel des Ballons heizte sich dabei auf 90 bis 100 Grad Celsius auf. Drei Meter pro Sekunde ging es den Wolken immer ein Stück näher. Unter uns lag der Veranstaltungsort der Airlebnistage. Telefonate mit den am Boden Verbliebenen wurden geführt. Auch der Oberbürgermeister klärte seine Familie auf, in welchem Ballon er saß. „Ich habe schon drei Gutscheine geschenkt bekommen. Doch es hat bisher noch nicht geklappt“, sagte Berger. Der Pilot ging zum Winken von 120 auf 60 Meter runter. Doch dann war wieder Steigen angesagt, schließlich wollte nicht nur der Oberbürgermeister Grimma sehen.

Zu Beginn sah es nicht so aus, als ob das gelingen könnte. Der Wind wehte kaum. So wurde die Ballon- zu einer Spazierfahrt mit sechs bis neun Stundenkilometern. Es ging über die Autobahn nach Schmorditz, Golzern, Dorna bis zur Altstadt Grimma. Dabei wusste das Stadtoberhaupt viel zu berichten. Beispielsweise dass es 1974 zu Hochwasser in Grimma kam, da der Eisstau am Muldeknie in Dorna zu einem Rückstau führte. Berger zeigte auch auf die erste Biogasanlage in der Region, in Grechwitz gebaut. Unterdessen hielt der Pilot per Funk Kontakt mit den anderen Piloten und seinem Verfolger Torsten Eberle. Denn auf dem ganzen Weg bis zur Landung folgte am Boden das Einsatzfahrzeug der Route.

Der älteste Teilnehmer im Korb war der Trebsener Tilo Naumann. Der 76-Jährige genoss die Windstille am Himmel. „Das Einzige, was mich stört, ist das Geräusch des Brenners“, sagte er. Er hatte, genauso wie der 65-jährige Siegfried Berger aus Narsdorf, einen Gutschein für eine Ballonfahrt erhalten. Acht bis zehn Kilometer weit konnte man jedoch nur blicken, weil es diesig war. Als die Flugzeit um war, sah sich der Pilot nach einem Landeplatz um. Dabei hielt er den Kontakt mit dem Verfolger. Auf einem Feld zwischen Großbardau und Grimma-Süd setzte der Korb weich auf. Dann hieß es wieder: Nur gemeinsam sind wir stark. Die Ballonhülle musste Stück für Stück wieder zusammengefaltet werden.

Doch damit war das Erlebnis noch nicht zu Ende. Die Taufe fehlte noch. Sie erfolgte auf dem Festplatz der 1. Grimmaer Airlebnistage. Dort musste die Ballonhülle erneut aufgerollt werden. Denn das Gefährt nahm am Ballonglühen auf den Muldenwiesen teil. Im Takt der Musik zogen dazu die Piloten am Brenner. Doch zuvor gab es für die Täuflinge ein Glas Sekt, das nicht nur zur Beruhigung der Nerven, sondern auch zum Ablöschen der kurzzeitig angebrannten Haare diente. Eine Taufurkunde mit einem Adelstitel gab es obendrauf. Dieser sagt aus, dass die überfahrenen Gebiete hoheitliches Gebiet sind und dem Täufling gehören. So wurde der Oberbürgermeister zum Großfürsten, Sebastian Bachran zum Herzog oder Veronika Weder zur Gräfin. Die Regeln besagen allerdings auch, dass der Mitfahrer, der seinen Adelstitel vergisst oder nicht vollständig aufsagen kann, die nächste Runde bezahlt oder seine überflogenen Herrschaftsgebiete wieder verliert.

Cornelia Braun

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