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Eine Grimmaerin lebt Integration vor

Eine Grimmaerin lebt Integration vor

"Ich sehe sie als Mitmenschen ohne Wenn und Aber", sagt Elisabeth Börger. Wendet sich zu den kurdischen, iranischen oder libanesischen Asylbewerbern und spricht mit ihnen über komplizierte Anträge, über schulische Leistungen der Kinder oder darüber, welche Zutaten auf der leckeren Pizza sind.

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Mittendrin und miteinander: Elisabeth Börger (Mitte) mit Asylbewerbern beim wöchentlichen Treff "Haltestelle Unu Mondo" im Mehrgenerationenhaus Alte Feuerwehr am Grimmaer Nicolaiplatz.

Quelle: Silke Hoffmann

Grimma. Ihr jahrelanges Engagement für Flüchtlinge wurde jüngst mit dem Ehrenamtspreis des Landkreises gewürdigt.

Ohne gesellschaftliche Arbeit kann die heute 58-Jährige irgendwie nicht. Als sie 1994 mit ihrer Familie aus Freiburg im Breisgau nach Grimma kam, war sie bald im Kirchenvorstand und Schulvereinsvorsitzende. Obwohl sie mit fünf Kindern selbst genug zu tun hatte. "Ja, ich bin Hausfrau, Mutter, Gärtnerin und Kapitän der Familienflotte", lacht Elisabeth Börger. Das Hochwasser 2002 veränderte dann ihr Leben, obwohl sie selbst nicht betroffen war. "Wir hatten bei der Kirche erfahren, dass eine Familie aus Oldenburg Unterstützung für flutgeschädigte Grimmaer Asylbewerber geben wollte, und ich stieß dabei auf eine betroffene kurdische Familie am Wallgraben", erinnert sie sich. "Und auf einmal merkte ich, dass diese Flüchtlinge unabhängig vom Hochwasser Hilfe ohne Ende brauchten."

Bei der einen Familie blieb es nicht. Unter den Asylbewerbern sprach sich herum, dass es da jemanden gibt, der sie beim Gang zu den Ämtern und sonstigen Wegen, beim nötigen Schriftkram oder einfach bei kleinen alltäglichen Dingen unterstützt. "Das alles passierte damals bei mir zu Hause am Küchentisch", sagt Elisabeth Börger. Oft holte sie sich auch selbst Hilfe. Arbeitete mit Pfarrer Christian Behr, dem Amt für Migration der Diakonie oder dem Flüchtlingsrat Sachsen zusammen. "Ich konnte nicht alles allein stemmen, brauchte auch den Rat von Profis." Bald fand sie eine ständige Mitstreiterin - Helga Schneider. "Sie ist eine ganz tolle Frau, immer ganz dicht an den Menschen", schwärmt sie. Gemeinsam eröffneten sie im Mehrgenerationenhaus Alte Feuerwehr im März 2008 den offenen Treff "Haltestelle Unu Mondo". "Das heißt in der Weltsprache Esperanto 'Eine Welt', und das Haus an der Bushaltestelle Nicolaiplatz ist so zentral und öffentlich - da können wir die Asylbewerber aus ihren Verstecken sichtbar mitten in die Gesellschaft holen."

Einmal wöchentlich treffen sich seitdem hier im Schnitt 25 bis 30 Frauen, Männer und Kinder aus Flüchtlingsfamilien, die im Bahrener Heim oder in Grimmaer Wohnungen leben. Da wird gekocht ("Sehr interessant war zum Beispiel das indisch-pakistanische Essen."), da bringen die Familien Post zum Beantworten oder Anträge zum Ausfüllen mit, da üben die Kleinen mit der Fibel, und man plauscht ganz entspannt bei Tee und Erdnüssen über tägliche Probleme. "Natürlich müssen wir die Asylbewerber auch ganz realistisch in punkto Duldung oder gar Negativbescheid aufklären", sagt Elisabeth Börger. Trotz enger Kontakte zu spezialisierten Rechtsanwälten droht immer wieder die Abschiebung. "Eine tschetschenische Familie mit fünf Kindern saß am Abend mit uns noch am Johannisfeuer - am nächsten Morgen waren sie weg."

In Grimma gebe es etwa 250 bis 300 Flüchtlinge, also rund ein Prozent der Bevölkerung, weiß Elisabeth Börger. "Es ist wunderbar, dass hier eine so vernünftige Integration gelebt wird, es gibt recht wenig Probleme." Am Runden Tisch Migration des Landkreises, in der Arbeitsgruppe für ein Integrationskonzept im Kreis und mit der Haltestelle Unu Mondo im Herzen Grimmas leistet sie ihren Beitrag für das völkerverbindende Miteinander in der Stadt und im Landkreis. Silke Hoffmann

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 13.02.2014
Silke Hoffmann

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