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Eine mittlere Katastrophe für Altenhain

Eine mittlere Katastrophe für Altenhain

Trebsen/Altenhain. Dass Kultur brotlose Kunst sein kann, ist eine bittere Erfahrung, die derzeit die Altenhainer Einwohner machen müssen.

Die sich im Schloss Altenhain etablierten vielfältigen Kunst- und Kulturangebote, die auch über die Ortsgrenzen hinaus Wertschätzung erfahren, stehen möglicherweise vor dem Aus. Hintergrund ist die Absicht von Schlossherr Thomas Lauth, das Herrenhaus des ehemaligen Ritterguts zu veräußern.

Zwar geht der Eigentümer mit seiner Entscheidung nicht hausieren, aber die Immobilie wird im Internet für 1,2 Millionen Euro zum Verkauf angeboten. Was im Dorf längst ein offenes Geheimnis ist und "für Altenhain eine mittlere Katastrophe" wäre, ließ ein spürbar betroffener Gerd Misselwitz wissen. Als Mitglied im Heimatverein war er bisher stets darum bemüht, gemeinsam mit der Familie Lauth Veranstaltungen im Schloss zu initiieren.

"Ich finde keine Worte", zeigte sich auch Christa Hecht entrüstet. Sie gehört als Altenhainerin zu den Stammgästen der Veranstaltungen im Schloss. "Wenn ich nur an die wunderschönen Konzerte und Vernissagen denke - alles mit viel Liebe und Niveau gemacht. Es wäre sehr bedauerlich, wenn das alles nicht mehr sein soll." Dabei haben sich besonders die Altenhainer Einwohner von Beginn an schwergetan, diese Angebote wahrzunehmen. "Warum, kann ich nicht verstehen. Auch wenn es schon etwas besser geworden ist, nehmen noch immer zu wenige Altenhainer die Veranstaltungen im Schloss wahr", sagt Hecht.

Die Entscheidung des Schlossherrn verwundert insofern, als er noch im Herbst von einer "Herzenssache" sprach, "das Haus mit Leben zu erfüllen, damit es gesamtgesellschaftlich wahrgenommen und gebraucht wird." Zumindest bestimmte das den Tenor einer Vernissage, zu der Lauth aus Anlass seiner 20-jährigen Tätigkeit als europaweit agierender Restaurator eingeladen hatte. Mit "Einblicke in meine Arbeit" war die Exposition überschrieben und belegte sein ganz persönliches Engagement, aus dem Schloss ein Juwel für die Region zu machen. Zwar mit diversen öffentlich wirksamen staatlichen und gesellschaftlichen Wertschätzungen, jedoch ohne Griff in mögliche Fördertöpfe.

Und das traf bislang auch für kulturelle Angebote zu. "Hier wird ohne Kulturförderung Kulturarbeit geleistet", hatte Lauth im Herbst 2013 gesagt - und damit unterschwellig zu verstehen gegeben, dass er sich mit seinem kulturellen Engagement in einer Misere befindet. Was aber jedoch seine eigene Entscheidung gewesen war, auf öffentliche Zuschüsse zu verzichten. "Die Chancen darauf sind zu gering, die bürokratischen Hürden zu hoch", hat Lauth die Erfahrung gemacht. Er könne und wolle nicht nur für das Schloss arbeiten.

Nach außen scheinbar emotionslos sagte er gestern, dass er in seinem Engagement, das Schloss zu sanieren, "nur eine Investition" sehe, "sonst hätte das Finanzamt die Hände aufgehalten." Doch eine Hoffnung bleibt. "Der Verkauf geht nicht um jeden Preis ab. Gut möglich, dass sich kein geeigneter Interessent findet", sprach er und zog sich für erste Maklergespräche zurück.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 14.06.2014
Schmidt, Frank

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