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Einer gegen alle - Schlagabtausch im Ortschaftsrat Ammelshain

Einer gegen alle - Schlagabtausch im Ortschaftsrat Ammelshain

Die Fetzen flogen zur Ortschaftsratssitzung vorgestern Abend im Ammelshainer Feuerwehrgerätehaus. Gegenüber seinen Abgeordnetenkollegen, Vertretern der Stadtverwaltung und aufgebrachten Bürgern, die sämtliche Besucherreihen gefüllt hatten, wollte sich Jürgen Streller von der Wählervereinigung Ammelshain (WVA) behaupten.

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Künftiger Verkehrsknoten: Wer von der Brücke der Autobahnanschlussstelle Klinga kommt und nach Ammelshain fährt, soll künftig ungefähr dort, wo hier gerade zwei Lastwagen am Rand stehen, nach rechts auf die neue Umgehung nach Altenhain abbiegen können. Das weiße Haus links ist das ehemalige Wasserwerk.

Quelle: Andreas Röse

Naunhof/Ammelshain. Er hatte ein schweres Los.

Der Streit entzündete sich um die geplante Teilortsumgehung von der Altenhainer zur Polenzer Straße, die den Ort vom Schwerlastverkehr zum Schotter- und Splittwerk Altenhain entlasten soll. Seit 20 Jahren gibt es Forderungen, diese Achse zu bauen; Bürgerinitiativen verliehen dem Wunsch Nachdruck. Jetzt, da in Kürze das Planfeststellungsverfahren anlaufen soll, machen die Gegner mobil. Streller und andere Landeigentümer, über deren Boden die neue Trasse führen würde, sammeln Unterschriften, um das Vorhaben zu verhindern. "Durch die Teilortsumgehung würden Flächen verschwendet, außerdem widerspräche sie dem Naturschutz", erklärte er. "Vor allem aber kriegen wir in diesem Bereich größere Hochwasserprobleme, wenn wir so viel Land versiegeln."

Ortsvorsteher Lutz Kadyk (WVA), der sich klar für das Bauvorhaben positionierte, ließ Zwischenrufe aus dem Publikum zu. Und so wurde Streller zum Teil kräftig attackiert. Die Landeigentümer würden mit ihrem Vorgehen nur mehr Geld beim Verkauf ihrer Grundstücke herausschinden wollen, hieß es da. Und überhaupt würden sie nur an sich denken, während die Betroffenen unter dem Straßenlärm litten. Streller konterte den Besuchern: "Wir sollen also eine Abwertung unserer Grundstücke hinnehmen, während ihre aufgewertet werden."

Sie habe weder wirtschaftliche noch private Interessen, sagte die Abgeordnete Manuela Schmidt (WVA) und erklärte: "Wir kämpfen weiter für die Teilortsumgehung." Wolfgang Körner (WVA) appellierte an alle Einwohner, dem Bau keinen Stein in den Weg zu legen. Und Bürgermeister Volker Zocher zeigte sich erstaunt, dass aus dem Ortschaftsrat heraus eine Aktion gegen die Straße gestartet werde. Zwar hätten alle Menschen, also auch Abgeordnete, das Recht, Unterschriften zu sammeln. "Aber Teil der Demokratie ist es, dass in einem Gremium wie dem Ortschaftsrat das Für und Wider abgewogen und dann ein Mehrheitsbeschluss gefasst wird. Dieser ist dann umzusetzen, selbst wenn er nicht der eigenen Meinung entspricht." Auch er, Zocher, sei ein Befürworter der Teilortsumgehung. "Für mich geht Menschenschutz vor Tierschutz", erklärte der Bürgermeister.

Nach dem bisherigen Vorentwurf, an dem noch bis zu vier Wochen weitergearbeitet werden soll, wird die Teilortsumgehung von der Straße zwischen Ammelshain und Altenhain abzweigen und im Bereich des ehemaligen Wasserwerks in die Polenzer Straße einbinden. Die Eisenbahnlinie wird per ebenerdigem Übergang gekreuzt; die Forderung nach einer Brücke, die lange Zeit bestand, ist vom Tisch. Ebenso ad acta gelegt wurde eine Weiterführung der Umgehung vom Wasserwerk in Richtung Naunhof. Wie lange das Planfeststellungsverfahren laufen wird, das im Frühjahr beginnen soll, kann niemand abschätzen. Die Dauer hängt vor allem von der Anzahl und Art der Widersprüche ab.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 06.02.2014
Pfeifer, Frank

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