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Grimma Einmal Erster sein - wenigstens im Führungsauto
Region Grimma Einmal Erster sein - wenigstens im Führungsauto
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14:26 19.05.2015
Roter Flitzer: Marty Banko (r.) und LVZ-Reporter Haig Latchinian am Führungsauto. Quelle: Klaus Peschel

Der Startschuss fällt. Die Hatz beginnt. Marty gibt ordentlich Gummi und geht gleich auf die Klötzer. Mist, verfahren! Er wendet rasant wie Olsenbanden-Benny in seinem Chevy, leiert die Scheibe runter und warnt mit rudernder Armbewegung die Verfolger auf zwei Beinen. Glück gehabt.

Zum siebten Mal weist der 54-Jährige den Läufern den diesmal zumindest in Wurzen leicht veränderten Weg bis Grimma. Der einstige Fußballer macht es seinem Kumpel und Cheforganisatoren Uwe Rosenberg zuliebe, den er noch vom Freizeitsport bei Pulverturm 07 kennt. "So fahre ich jedes Jahr das aktuellste Modell des Autohauses - wenn auch nur im ersten Gang", lacht Marty in seiner A-Klasse bei Tempo 20.

Am Dehnitzer Denkmal jubeln die ersten Fans. Eine Mutter korrigiert ihren Filius: "Nein, das ist nicht die Feuerwehr." Genau, sonst hätte unser roter Flitzer ja auch keine orangenen Rundumleuchten. Marty muss einige Male energisch hupen. Bahne frei, Kartoffelbrei. Am Kilometer 8 bei Oelschütz stehen die Schaulustigen dicht an dicht. Die Mädels vom Karnevalsclub Burkartshain strecken uns ihre rot-weißen Puschel entgegen. Als wir sie passieren, ähnelt das beinahe dem Durchfahren einer Waschanlage. Am Kilometer 9: Tiefflieger von rechts! Keine Angst: Es ist nur ein Schwanen-Geschwader.

Marty Banko - der Name klingt beinahe wie der eines lateinamerikanischen Revolutionshelden. Mein Chauffeur lacht. Sein Vater Georg sei Ungar, sagt der Dachdecker. Die Firma sorgte für die beiden Rundumleuchten, die per Stecker irgendwo beim Zigarettenanzünder vernetzt sind und wie Windmühlen rauschen. Ja, es ist paradiesisch. Da drüben: Ein Zuschauer am Feldrand - mit Gitarre! Die Läufer hält sich Marty bewusst etwas vom Hals: "Sie sollen ja nicht gerade unsere Abgase atmen."

Im besonders stimmungsvollen Neichen heizt "DJ Melone" den Sportlern ein. Sogar noch ein bisschen temperamentvoller als Heinz Florian Oertel einst bei Waldemars Zielankünften verhilft er den Aktiven zur zweiten Luft. Sachkundig assistiert ihm am Mikro wie immer der etwas ernsthaftere Bernd Fichtner. Fahrer Marty zeigt mir einen Feuerwehrmann nach dem anderen: "Siehst du die? An jeder Kreuzung sichern die ab. Eigentlich müssten auch die eine Goldmedaille bekommen."

In Nerchau, am Kilometer 14, bläst uns die Feuerwehrkapelle den Marsch. Während ich ihr zuwinke, hat Marty nur Augen für die Strecke. Denn nun passiert unser roter Flitzer eine Engstelle, eine ganz schmale Brücke. Voilà! Geschafft! Nicht angeeckt. Ab Nerchau drehe ich mich auf meinem weichen Beifahrersessel immer wieder zu den hart kämpfenden Läufern um: Mike Poch, Marc Werner und André Fischer haben sich abgesetzt. Marty im roten Flitzer jagt mal den einsamen Wanderer, mal ein Tandem, mal zwei Rollschuhläufer von der Strecke und erzählt nebenbei: "Mit einem Konferenz-Rad waren wir Dachdecker mal zwischen Wurzen und Grimma unterwegs. Sechse dämmelten, einer lenkte."

Bei Kilometer 17 legt André Fischer einen Zwischenspurt ein und schüttelt seine beiden treuen Begleiter ab. Kurz darauf ist Grimma schon in Sicht. Marty wird ungeduldig: "Ich darf mit dem Auto nicht auf die Pöppelmannbrücke, muss dich vorher rausschmeißen." Um mir noch einen kleinen Vorsprung auf den 26-jährigen, in Sieben-Meilen-Stiefeln heran nahenden Dresdener mit auf den Zielspurt zu geben, beschleunigt Marty etwas. An der Steinbrücke springe ich heraus. Trotz angerissenem Meniskus hüpfe ich wie ein junges Reh gen Ziel. Nein, aussichtslos. Der angehende Doktor in der theoretischen Physik ist nicht zu halten. Einmal Erster sein - zumindest für mich wird es wohl ewig ein Traum bleiben. Haig Latchinian

@Weitere Fotos vom Städtelauf zwischen Wurzen und Grimma gibt es unter: www.lvz-online.de/wurzen

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 31.03.2014
Latchinian, Haig

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