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Eintracht Sermuth muss auf Umzug warten

Bürokratische Hürde Eintracht Sermuth muss auf Umzug warten

Einen langen bürokratischen Weg beschreitet Colditz, um die Anlagen des Sportvereins Eintracht Sermuth an einen hochwassersicheren Ort zu verlegen. Was die Stadt zunächst selbst tun konnte, hat sie bereits erledigt. Bevor nun aber ein Bebauungsplan als Satzung beschlossen werden kann, hat das Landratsamt das Sagen.

Protest am Gartenzaun: Carmen und Wolfgang Brauer kritisierten im Sommer, dass die Felder hinter ihnen zum neuen Sportplatz werden sollen.

Quelle: Thomas Kube (Archiv)

Colditz/Sermuth. Einen langen bürokratischen Weg beschreitet Colditz, um die Anlagen des Sportvereins Eintracht Sermuth an einen hochwassersicheren Ort zu verlegen. Was die Stadt zunächst selbst tun konnte, hat sie bereits erledigt. Bevor nun aber ein Bebauungsplan als Satzung beschlossen werden kann, hat das Landratsamt das Sagen.

Wieder einmal sieht sich die Kommune mit dem Problem konfrontiert, dass Neues in einem Landschaftsschutzgebiet (LSG) entstehen soll. Das war unter anderem schon beim Solarkraftwerk Sermuth und beim Neubau von Anona der Fall. Speziell geht es jetzt um das LSG Thümmlitzwald-Muldetal, das am 20. September 1984 der damalige Rat des Kreises Grimma festgesetzt hat.

Areal soll der Erholung dienen

Als Erholungsgebiet mit den Schwerpunkten Baden und Wandern soll es Naturerlebnisse vermitteln und insbesondere der Wochenenderholung dienen. Weitere zu DDR-Zeiten formulierte Aufgaben sind die „Erhaltung eines für den Bezirk Leipzig in Größe, Schönheit und Vielfalt wertvollen Landesteils“, dieser solle als Forschung- und Lehrobjekt zur Erfüllung von Aufgaben des Naturschutzes fungieren.

3,9 Hektar müssten laut Bauamtsmitarbeiterin Silka Gläser aus dem LSG ausgegliedert werden, um den Sportlern genügend Platz für ihre Trainings und Spiele zu geben. Die Fläche befindet sich zwischen der Ortslage Sermuth, dem Solarkraftwerk und zwei Firmengeländen. Alle Grundstückskäufe, so Hauptamtsleiter Hans-Peter Kiesel, sind mittlerweile getätigt.

Einstimmig hat der Stadtrat beschlossen, einen Ausgliederungsantrag aus dem LSG beim Landratsamt zu stellen. Im Umweltamt, so Sprecherin Brigitte Laux, ist dieser bisher noch nicht eingegangen. Letztlich entscheiden muss der Kreistag, der erst im nächsten Jahr wieder tagt.

Reger Spielbetrieb herrscht auf der wiederhergestellten Sportanlage auf der Mulde

Reger Spielbetrieb herrscht auf der wiederhergestellten Sportanlage auf der Mulde. Hier Eintracht Sermuth (schwarz/rot) gegen Wurzen II (gelb/blau) am 13. Dezember.

Quelle: h04j

Sollte das Urteil positiv für den Sportverein und die Stadt ausfallen, müssten für die Eingriffe in die Natur Ersatzmaßnahmen vorgenommen werden. Nicht so einfach, wie die Abgeordnete Urte Müller bemerkt. „Wo haben wir eigentlich noch Ausgleichsflächen?“, fragt sie sich. „Außerhalb von Colditz befindet sich fast alles im Landschaftsschutzgebiet.“

Ein Umstand, der Bürgermeister Matthias Schmiedel (parteilos) ärgert. „Alle unsere Ortsteile wurden als Landschaftsschutzgebiete eingestuft, so etwas gibt es nirgendwo sonst in Deutschland“, kritisiert er. Jan Gumpert (Freie Wählervereinigung „Für unsere Heimat“) gibt zu bedenken, dass die landwirtschaftlichen Flächen schrumpfen. „Wenn Ausgleichsmaßnahmen nötig werden, dann bitte nicht dort, sondern auf Industriebrachen!“, regt er an.

Anwohner contra Stadt

Zweimal war die Sportanlage des SV Eintracht am Zusammenfluss von Freiberger und Zwickauer Mulde überflutet worden, ein drittes Mal soll das nach dem Willen der Betroffenen und der Kommune nicht geschehen. Deshalb hatte der Stadtrat am 18. Juni den Beschluss gefasst, einen Bebauungsplan für ein höher gelegenes Areal aufzustellen. In der dortigen Nachbarschaft regte sich schon Widerstand. Carmen und Wolfgang Brauer verwiesen im Namen einiger Bewohner der Feldstraße unter anderem auf den Schutzstatus der Fläche.

Die Colditzer Stadtverwaltung sieht hingegen „keine besonderen Erholungszielpunkte“ in diesem Bereich. „Die im Plangebiet verlaufenden Wege enden unvermittelt und haben keinen Anschluss an regionale oder überregionale Wanderwege“, lässt Bürgermeister Schmiedel wissen. „Die derzeit überwiegend landwirtschaftliche Nutzung der Fläche wirkt sich eher abwertend auf die Erholungseignung aus.“

Wolfgang Niersbach, damals DFB-Präsident, 2014 bei der Übergabe eines 100 000-Euro-Schecks im Vereinsheim von Eintracht Sermuth

Wolfgang Niersbach, damals DFB-Präsident, 2014 bei der Übergabe eines 100 000-Euro-Schecks im Vereinsheim von Eintracht Sermuth.

Quelle: Archiv LVZ

Nach der Jahrhundertflut von 2002 war die Sportanlage für 1,9 Millionen Euro wiederaufgebaut worden, 2013 überschwemmte sie die Freiberger Mulde erneut. Zunächst wurde sie wieder hergestellt. Beraten wurde aber gleichzeitig, ob eine komplette Verlagerung der von den Abteilungen Fußball, Kegeln, Boogie Woogie, Straßenlauf, Aerobic, Kindersport und Nordic Walking genutzten Sportanlage an einen hochwassersicheren Ort erfolgen soll, oder ob nur eine Teilverlegung nötig ist, bei der das Gebäude saniert wird und lediglich der Fußball umzieht. Letzteres ist vom Tisch, zumal laut Schmiedel die Landestalsperrenverwaltung signalisiert hat, sie brauche das Sportgelände als Polder zum Schutz von Kleinsermuth und Erlln.

Für den neuen Sportplatz hatte der Verein am 4. Februar 2014 einen Scheck über 100 000 Euro erhalten. Als Hilfe für Flutopfer überreichten ihn Wolfgang Niersbach, damals noch Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), und Reinhard Rauball, Präsident der Deutschen Fußball Liga und inzwischen kommissarischer Präsident des DFB, seinerzeit persönlich im Vereinsheim.

Von Frank Pfeifer

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