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Eiserne Hochzeit in Seelingstädt

Eiserne Hochzeit in Seelingstädt


Trebsen/Seelingstädt. „Ich gehe nur noch an zwei Stöcken", stöhnt Isolde Froebrich und es klingt fast so, als sei sie früher mal an fünf Stöcken gelaufen.

. Auf entsprechende Nachfrage lacht sie herzlich. Sie hat auch allen Grund dazu. Heute feiert sie mit ihrem Leopold und der ganzen Familie Eiserne Hochzeit. „Die jungen Leute von heute trennen sich ja bei jedem bisschen – die schaffen es doch nie, 65 Jahre treu zu sein."

 

Ja, ja, die Beine wollen nicht mehr so. Probleme bereiten auch die Knie und die Wirbelsäule: „Ich müsste mich dreimal operieren lassen. Aber in meinem Alter, da bleibt es lieber wie es ist." 30 Jahre hatte Isolde in Seelingstädt die Eiersammelstelle unter sich: „Die Kisten mit je 360 Eiern wogen fast einen halben Zentner. Um Platz zu schaffen, musste ich die immer übereinander stellen. Vor allem bekamen die Bauern im Gegenzug 60 Kilo Weizen, die ich immer in der Sackkarre ranholen musste. Kein Wunder, dass ich‘s jetzt im Kreize habe." Ihr Mann Leopold „solidarisiert" sich in Sachen Wehwehchen, er hat es auf der Plautze. „Ich bekomme schwer Luft. Wegen der Bronchien." Er arbeitete als Malermeister – in der Waagenfabrik, in der Autolackiererei, bei der HO und im RAW. „Naja, da hattest du immer viel mit Chemikalien zu tun, die man auch einatmen musste."

Dafür sind alle beide geistig noch topfit. Sie erinnern sich gut an das gegenseitige Kennenlernen zu Kriegszeiten. Leopold: „Ein Bekannter von Isolde war mit mir zusammen auf der Unteroffiziersschule. Er hatte mir Isoldes Adresse gegeben. Fortan standen wir in Briefwechsel, ohne uns auch nur ein einziges Mal gesehen zu haben." Erst nach dem Krieg besuchte Leopold, der Duisburger, seine Auserwählte in Seelingstädt. „Wir verstanden uns sofort gut und beschlossen zu heiraten. Doch bis es so weit war, schlief ich oben bei Isoldes Großvater – wie das früher eben so üblich war." Nein, Leopold wollte nie wieder zurück in seinen Ruhrpott. „Unsere Familie in Duisburg war ausgebombt. Das ganze Leben spielte sich bis tief in die Nacht in der Küche ab. Dort bekam ich kein Auge zu, was natürlich auf Dauer zum Problem wurde, denn ich musste ja schon immer beizeiten in der Werkstatt stehen." Es seien schwere Anfangsjahre gewesen: „In Höhen und Tiefen hielten wir fest zusammen. Wenn ein großer Kauf anstand, wurde vorher immer alles besprochen. Nein, verschuldet hatten wir uns nie und ein Kredit kam gar nicht in Frage. Ja, so war das damals. Wir mussten keine Not leiden, können uns nicht beklagen."

Inzwischen seien viele ihrer Freunde gestorben oder in alle Himmelsrichtungen verstreut. Umso mehr freut sich das Paar, heute im Kreise der ganzen Familie zu feiern. Alle sind sie heute in Seelingstädt: Sogar Enkel Dirk hat sich angesagt: „Er kommt mit dem Auto direkt aus England zu uns. Er arbeitet an der Universität Canterbury, forscht im Lehrstuhl Astronomie, reist beruflich sogar bis Hawaii und Chile. Sein Auto hat noch das gute alte MTL-Kennzeichen", betont Leopold. Seine Frau ergänzt: „Sie müssen nämlich wissen, mein Mann fährt immer noch Auto, einen Mitschibutschi, mit 89 Jahren!" Enkel Matthias, der als Zimmermann in Norwegen arbeitet, wird dem Eisernen Paar heute genauso leibhaftig gratulieren wie Enkel Andreas, Koch in Stockholm. In Vorfreude auf das heutige Fest posieren Isolde und Leopold vor dem Haus: „Die Fensterläden hatte mein Mann mit Blumen bemalt, hübsch oder?" An der Klingel steht „Trepzner Straße". Wieso nicht Trebsener Straße? – „Ach, wir bekommen das Mittagessen aus Mügeln angeliefert. Auf dem Thermobehälter steht immer unsere Adresse. Die haben wir kurzerhand ausgeschnitten und an der Klingel befestigt."

 

Haig Latchinian

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