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Elite-Student Rüdiger Kleine aus Threna auf dem Weg zum Bachelor

Positionierung Elite-Student Rüdiger Kleine aus Threna auf dem Weg zum Bachelor

Deutlich entspannter als vor einem Jahr kehrte Rüdiger Kleine jetzt aus Oxford zurück. Zwei Drittel seines Bachelor-Studiums an der Elite-Universität konnte der Threnaer abhaken, begonnen haben dreieinhalb Monate Ferien. Eine Auszeit, in der ihm manches durch den Kopf geht, was ihn und die Welt bewegt.

Bücher über Bücher: Auch über die Ferien zu Hause in Threna hat Rüdiger Kleine viel Lesestoff.

Quelle: Thomas Kube

Belgershain/Threna. Deutlich entspannter als vor einem Jahr kehrte Rüdiger Kleine jetzt aus Oxford zurück. Zwei Drittel seines Bachelor-Studiums an der Elite-Universität konnte der Threnaer abhaken, begonnen haben dreieinhalb Monate Ferien. Eine Auszeit, in der ihm manches durch den Kopf geht, was ihn und die Welt bewegt.

Seit der Zeit, als er die Herausforderung in England suchte, begleitet ihn die LVZ – von anfänglichen Ängsten und Unsicherheiten über die ersten genommenen Hürden bis jetzt, da sich eine gewisse Routine eingestellt hat. Was bewegt einen Politik-Wirtschaft-Philosophie-Studenten, der vielleicht einmal zu den Entscheidungsträgern in Deutschland gehören wird? Wie ändert er sich? Spannende Fragen.

Die Türkei

Nach den ersten zwölf Monaten im Wohnheim der Uni hat er jetzt ein Jahr in einer WG hinter sich, die er mit zwei Türken und einem Ungar teilte. Die große Politik rückte plötzlich näher an ihn heran. „Bei uns ist es egal, ob ich sage, ich wähle die Linke, die Grünen, die SPD oder die CDU“, sagt er. „Die Türken hingegen mussten Acht geben, mit wem sie gesehen werden oder Kontakte pflegen. Ein vermeintlich falscher Umgang könnte für sie daheim persönliche Auswirkungen haben.“ Demokratie – ein kostbares Gut.

Während sich die Türken und der Ungar ihre Zukunft eher im Ausland vorstellen, will Kleine nach Deutschland zurück. Allerdings nicht sofort. Nächstes Jahr möchte er nach dem Bachelor-Abschluss ein Politik-Masterstudium in Oxford anhängen. Vergangenen Herbst standen noch die USA auf der Wunschliste ganz oben; sie sind nun auf Platz zwei abgerutscht, falls ihn Oxford nicht annimmt. Das hat zwei Gründe.

Der Brexit

„Ich habe mich gut eingelebt, kenne viele Lehrer“, erklärt der 20-Jährige. „Und von Lehrern, die ich noch nicht kenne, kann ich Vorträge besuchen.“ Zum Anderen entspannte sich die Situation seit dem Referendum der Briten über das Verlassen der Europäischen Union. „Ich bin sehr gelassen, selbst wenn der Brexit kommen würde“, sagt er.

Sicher sind sich da – nach seinen Worten – nicht mehr viele auf der Insel. „Die wenigsten Abgeordneten des Parlaments haben wirklich ein Interesse am Brexit. Und wer dafür ist, will in der Regel einen weichen Brexit“, schätzt er ein. „Außerdem sind die Universitäten wichtig im Lande, sie haben viele ausländische Stundenten und möchten, dass wir bleiben. Vielleicht erhöhen sie ein wenig die Gebühren für uns." Zurzeit muss Rüdiger Kleine 9000 Pfund pro Jahr bezahlen, was rund 10 000 Euro entspricht. Damit profitiert er weiter vom Brexit-Entscheid, vorher war der Wechselkurs viel schlechter.

Die Krawalle

Politischer Berater, aber kein Politiker will Rüdiger Kleine einmal werden, am liebsten in Sachsen. „Aber manche sagen auch, sie wöllten kein Unternehmen gründen und machen es dann doch“, schränkt er ein. „Das muss ich auf mich zukommen lassen.“ Auf alle Fälle empfing ihn jetzt ein Deutschland, das durch die Krawalle am Rande des G-20-Gipfels in Hamburg politisch aufgeladen ist und ihn quasi zwingt, sich zu positionieren.

„Manche linke Vereine bilden die Plattform für Autonome und Randalierer. Der Staat muss sich Gedanken machen, wie er sie künftig unterstützt“, sagt er. „Indem der Staat vieles duldete und besetzte Häuser nicht konsequent räumte, schuf er die Grundlage, dass sich Vernetzungen bilden konnten. Von daher war es nicht überraschend, was in Hamburg passierte."

Die Migration

Mit Kritik spart Kleine auch nicht an der Einwanderungspolitik Deutschlands. Er hat soeben Kurse in Demografie und Sicherheitspolitik belegt und urteilt: „Wir können unsere Probleme nicht über einen Zuzug lösen.“ Dadurch ließe sich zwar das absolute Schrumpfen der Bevölkerungszahl verhindern. Interessant sei aber nicht, ob 80 Millionen Menschen in der Bundesrepublik leben, sondern wie sie ausgebildet sind und wie viele Kinder sie bekommen.

Dürften nur Fachkräfte einwandern, wäre nach Kleines Ansicht eine wirtschaftliche Entwicklung möglich. „Aber es kommen nicht viele zu uns, weil Deutschland kaum attraktiv ist – sie kennen nicht unsere Sprache, die Steuerbelastungen sind hoch, und wir haben eine ausgeprägte Bürokratie. Deshalb entscheiden sich die meisten für die USA, Kanada und England.“

Ohnehin, so Kleine, werde nicht ausgesiebt, so dass sich die sozialen Probleme erhöhen würden. Es sei nötig, die EU-Außengrenze besser zu schützen. „Dazu müssen wir das Seerecht konsequent durchsetzen.“ Von Steuer- und Spendengeldern finanzierte Nichtregierungsorganisationen würden Menschen in Nussschalen 20 Seemeilen vor der afrikanischen Küste abholen und damit ein Signal aussenden, dass sie in Europa willkommen sind. „Das Seerecht besagt aber, dass bei einem Notsignal der nächste sichere Hafen anzusteuern ist. Dieser liegt in Libyen und nicht in Italien. Weil sie sich nicht daran halten und damit Schleppern das Leben einfacher machen, müssten den Nichtregierungsorganisationen die Mittel gekürzt werden“, so Kleine.

Die Liberalität

Solche Meinungen darf er in Oxford frei äußern, ohne umgehend Protesttürme zu ernten, denn es handelt sich um eine sehr liberale Universitätsstadt mit ausgeprägter Kneipen-, Schwulen und Ausländerszene. Wichtig ist nur, dass er seine Meinungen begründen kann. Dazu wird er ausgiebig Gelegenheit haben, wenn er sich am Ende der nächsten drei Trimester den Abschlussprüfungen stellt – acht Stück in zwei Wochen. „Die müssen perfekt werden“, nimmt er sich vor. Schluss mit dem eher lockeren Studentenleben, das er in den vergangenen Monaten genießen durfte.

Erst einmal will er daran aber nicht denken. Er genießt die Freiheit der großen Ferien, reist nach Irland und an die Müritz, wo er mit ehemaligen Schulfreunden vom Meißener St.-Afra-Gymnasium eine Woche verbringt. Außerdem möchte er noch bis Estland trampen.

Von Frank Pfeifer

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