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Grimma Eltern machen mobil gegen Neuordnung
Region Grimma Eltern machen mobil gegen Neuordnung
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00:32 18.05.2018
Die Grundschule Großbothen. Grimma möchte auch nach der Colditzer Entscheidung die Schule wie bisher auslasten. Quelle: Thomas Kube
Grimma

Es traf einige Eltern rund um Kaditzsch kalt, als sie Anfang März über die geplante Änderung zweier Grundschulbezirke in Grimma informiert wurden. Ab dem Schuljahr 2019/20 sollen die Kinder aus Höfgen, Kaditzsch, Schkortitz, Naundorf und Grechwitz in Großbothen statt wie bisher in Hohnstädt eingeschult werden. Einen entsprechenden Beschluss soll der Stadtrat kommende Woche verabschieden. „Auf dem Rücken von Eltern und Kindern werden politische Entscheidungen getroffen, und die Jüngsten müssen diese ausbaden“, entrüstet sich die Kaditzscherin Kathrin Böge, deren Junge 2019 in die Schule kommt. „Die soziale Struktur der Kinder wird komplett auf den Kopf gestellt“, brechen bei der Mutter die Emotionen durch.

Colditz hat Schulvereinbarung mit Grimma gekappt

In die Überlegungen der Stadtverwaltung sind zwei Sachverhalte eingeflossen: die von Colditz gekappte Schulvereinbarung und der Bauboom in Hohnstädt. Wie berichtet, beschloss der Colditzer Stadtrat Ende Oktober, die Zweckvereinbarung mit Grimma zum Grundschulbezirk zu kündigen. Die Kinder aus Schönbach, Sermuth, Zschetzsch und Leisenau werden deshalb ab 2019/20 nicht mehr in Großbothen, sondern in Colditz unterrichtet. Die Kleinstadt möchte die Kinder ihrer Ortsteile damit besser an die eigene Oberschule heranführen, die in Konkurrenz zur Bildungsstätte in Böhlen steht.

Berger: „Aus Frust werden Schülerströme gekappt“

Grimmas Oberbürgermeister Matthias Berger sieht derzeit keine Alternative zur Neuordnung der Grundschulbezirke, hat aber die Hoffnung auf ein Colditzer Einlenken noch nicht aufgegeben. „Ich bedauere, dass die Kündigung im Raum steht“, so der Rathauschef, um dann deutlicher zu werden. „Ich kann nicht verstehen, dass die Kinder der vier Colditzer Ortsteile als politische Geiseln genommen werden.“ Alte Schülerströme würden gekappt, nur aus Frust zur Entwicklung der Oberschule Böhlen. „Dafür habe ich kein Verständnis.“ Auch für die Familien der vier Colditzer Ortsteile würden sich die Bedingungen verschlechtern.

Grimma wurde Ende November der Colditzer Stadtratsbeschluss zugestellt. Die formale Kündigung der Zweckvereinbarung zum Grundschulbezirk Großbothen ist laut Berger bislang nicht zugegangen. Zeit dafür sei bis November. Sobald sie vorliege, sei der Prozess unumkehrbar, erklärt Berger.

Grimmas OBM möchte mit dem neuen Colditzer Bürgermeister Robert Zillmann, der am 1. Juni sein Amt antritt, ins Gespräch kommen. „Ich hoffe, es zieht Vernunft ein.“ Jedenfalls ist es auch für Berger keine Alternative, die Grundschüler aus Großbardau, die in Otterwisch unterrichtet werden, nach Großbothen umzulenken. „Wir wollen die Grundschule Otterwisch nicht gefährden.“

Nach der Teilung von Großbothen – ein Teil ließ sich 2011 nach Grimma, der andere nach Colditz eingemeinden – war am Einzugsgebiet der Grundschule Großbothen nicht gerüttelt worden. Im Oktober 2017 kündigte Colditz diese Vereinbarung auf.

Grimma rechnet mit Zuzug und braucht Platz

„Die Grundschule Großbothen ist dadurch nicht gefährdet, wir möchten aber ein so gutes Arbeiten wie bisher ermöglichen“, erläutert Grimmas Amtsleiterin für Schulen, Soziales und Kultur, Jana Kutscher, mit Blick auf das pädagogische Konzept und die schulischen Angebote. Heißt, dass die Schülerzahl nicht sinken soll. Derzeit besuchen 103 Erst- bis Viertklässler die Bildungsstätte, 39 von ihnen wohnen in den vier Colditzer Ortsteilen. Das sind etwa zehn pro Jahrgang, so viele wie die Stadt aus dem Kaditzscher Raum erwartet. Die Kommune will aber gleichzeitig Vorsorge in der Hohnstädter Grundschule treffen. In den nächsten Jahren würden in Hohnstädt rund 140 neue Wohnungen gebaut, sagt Kutscher. „Wir rechnen mit Zuzug und weiteren Kindern. Wir brauchen den Platz.“ Derzeit werden noch Mädchen und Jungen aus zehn Ortsteilen in Hohnstädt eingeschult, künftig würden es dann nur noch fünf sein – Hohnstädt, Beiersdorf, Dorna, Döben und Neunitz.

Unterschriftensammlung von betroffenen Eltern

Kathrin Böge findet die Argumente wenig stichhaltig. So wie andere Elternteile ist sie in Leipzig tätig. Da liegt Hohnstädt auf dem Weg. Großbothen hingegen befindet sich nicht nur in der entgegen gesetzten Richtung, sondern ist auch noch doppelt so weit entfernt. Bei den momentanen Buszeiten droht der Frühhort. Und durch mögliche Ausnahmen würden die Kinder der Ortschaften getrennt. Deshalb machen die Eltern mobil. Die Grechwitzerin Monique Siegert hat eine Unterschriftensammlung in die Hand genommen und mit anderen Betroffenen einen Brief an die Stadträte formuliert. Zur Ortschaftsratssitzung Ende April brachten einige Familien ebenfalls ihren Standpunkt vor. „Wir möchten auch die Großbardauer ins Boot holen“, erläutert Mutter Siegert bezüglich der Unterschriften. Denn in Höfgen und Kaditzsch kann man nicht verstehen, dass die Kinder aus Großbardau weiter ins benachbarte Otterwisch zur Schule gehen sollen statt nach Großbothen umgelenkt zu werden.

Amtsleiterin: Wir müssen längerfristig und global denken

Sie könne die Sorgen und Emotionen der Eltern verstehen, sagt Amtsleiterin Kutscher. „Wir müssen aber längerfristig und global denken.“ Zudem blieben Geschwisterkinder in einer Schule, bei ungünstigen Fahrtwegen könne ein Antrag auf Schulbezirkswechsel gestellt werden. „Damit hat man auch Erfolg.“ Laut Kutscher ist Grimma zudem mit dem Landratsamt im Gespräch, um die Buslinie 619 nach Großbothen zu optimieren. „Wir wollen, dass der Unterricht nach Ankunft des Busses beginnt und keine Wartezeiten entstehen.“

Aufkündigung der Regelung mit Otterwisch ist für Grimma keine Option

Die Aufkündigung der Zweckvereinbarung mit der Gemeinde Otterwisch ist für Grimma jedenfalls keine Option. „Dann würden wir die Existenz der dortigen Grundschule gefährden“, gibt Kutscher die Meinung der bisherigen Diskussion in den Gremien wieder. Großbardau ließ sich 2006 nach Grimma eingemeinden, die Grundschulströme blieben dabei unangetastet.

In Großbothen stehe eine moderne Schule mit Fachlehrern nebst getrenntem Hort. Sie habe viele Vorzüge und in der Nähe sogar ein Freibad, wirbt die Amtsleiterin für das Modell. „Wir haben rechtzeitig alle Eltern, die es als erstes betrifft, eingebunden und mitgenommen“, so Kutscher mit dem Wissen, nicht alle für die Entscheidung begeistern zu können. Ein Vor-Ort-Besuch in Großbothen gehörte dazu.

Von Frank Prenzel

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