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Grimma Elternbeiträge für Kitas sollen steigen
Region Grimma Elternbeiträge für Kitas sollen steigen
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00:21 09.07.2018
Mehr Geld sollen die Eltern für die Betreuung ihrer Kinder in Trebsener Krippen ausgeben. Auch kleinere Beträge werden sich übers Jahr summieren. Quelle: dpa-Zentralbild
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Trebsen

Erhöhen muss Trebsen die Elternbeiträge für die Kinderkrippen in Kernstadt und Ortsteilen. Über das Maß der Anhebung diskutierte diese Woche der Verwaltungsausschuss. Er empfahl dem Stadtrat, die Verteuerung so minimal wie erforderlich ausfallen zu lassen.

Momentan zahlen Eltern für die Betreuung ihres ersten Kindes in einer Krippe knapp 19 Prozent der anfallenden Betriebskosten. Die sächsische Gesetzlichkeit fordert aber einen Satz von 20 bis 23 Prozent. „Trebsen ist verpflichtet, die Beiträge anzuheben“, verdeutlichte Bürgermeister Stefan Müller (CDU).

Verwaltung für größeren Schritt

Laut Petra Strauß vom Hauptamt ergibt sich eine Spannbreite von 189,28 bis 217,67 Euro, die Eltern für eine neunstündige Betreuung monatlich zu zahlen hätten. Vorschlag der Verwaltung war nach ihren Worten, einen Wert dazwischen zu fordern, also 194,01 Euro. Aus Sicht Müllers sinnvoll, denn: „Nach einer mehrjährigen Pause hatten wir vergangenes Jahr die Beiträge für Kinderkrippen und -gärten sowie den Hort angehoben. Wenn wir jetzt gleich einen größeren Schritt wagen, ist die Wahrscheinlichkeit nicht so hoch, dass wir die Sache gleich wieder anfassen müssen.“

Einspruch aus Kitas

Für Silke Starke (Gemeinsame Zukunft), die zugleich Leiterin der Trebsener Kindertagesstätte „Vogelnest“ ist, kein nachvollziehbares Argument. Sie will die Belastungen der Eltern so niedrig wie möglich halten und erklärte: „Sie unterstützen uns tatkräftig.“

Als Einrichtung der Volkssolidarität Leipziger Land/Muldental muss die Tagesstätte Eigenleistungen erbringen, die in die Betriebskosten einfließen. „Und da helfen die Eltern an allen Stellen“, begründete Starke gegenüber der LVZ ihren Standpunkt. Sie sind zur Stelle bei den ein bis zwei Arbeitseinsätzen pro Jahr, bringen den Garten auf Vordermann, streichen Tische und Bänke, tapezieren Räume. Der Elternrat bereitet Feste vor, spielt in der Adventszeit ein Märchenstück. „Deshalb sollten wir bei der Beitragserhöhung ein Zeichen setzen“, so Starke.

Von ähnlichen Erfahrungen berichtete Susanne Mund (Wählergemeinschaft Altenhain und Chefin der dortigen Kita „Dorfspatzen“). „Die Eltern unterstützen uns bei Projekten, nehmen einen Tag frei für Ausflüge und sponsern diese“, gab sie zu bedenken. „Sie sind beim Frühjahrsputz, bei Festen und beim Wichtelmarkt aktiv. Und niemand will etwas dafür haben.“

Kindeswohl am wichtigsten

Im Grunde geht es darum, ob der derzeitige Beitrag fürs jeweils erste Krippenkind, der 179,27 Euro beträgt, um zehn oder 15 Euro pro Monat steigt. Sabine Sauer, Elternratsvorsitzende der Kita „Dorfspatzen“, könnte persönlich mit dem höheren Satz leben. „Mir ist es vor allem wichtig, dass es den Kindern gut geht in den Einrichtungen“, sagte sie auf Anfrage und schob nach: „Im Sinne der Eltern, denen es schwerer fällt, mehr aufzubringen, wäre die moderatere Anhebung aber gut.“

So sah das auch Stefan Kroschky (Bündnis pro Trebsen und Ortsteile) im Ausschuss: „Alles, was für Kinder angeschafft werden muss, wird teurer. Da können die fünf Euro geringere Steigerung den Familien helfen.“ Bodo Herzog (CDU) warf ein: „Wir gehen als Kommune nicht krachen, wenn wir die Beiträge nur auf den gesetzlich notwendigen Mindestbetrag anheben. Und es tut uns nicht weh, wenn wir sie nächstes Jahr wieder anpassen müssen.“

Empfehlung an Stadtrat

So verständigte sich der Ausschuss auf die Empfehlung an den Stadtrat, die neunstündige Betreuung des ersten Kindes ab 1. September auf 189,28 Euro festzusetzen – für weitere Kinder und Alleinerziehende gibt’s Abschläge; und beim Kindergarten und im Hort ändert sich nichts. Laut Karin Gärtner, Fachbereichskoordinatorin für Bildung und Erziehung der Volkssolidarität, liegt Trebsen damit ganz gut im Rennen. „Andere vergleichbare Kommunen im Landkreis und die Stadt Leipzig verlangen schon über 200 Euro“, sagte sie der LVZ.

Dass die Betriebskosten stiegen, begründete sie mit höheren Kinderzahlen und dem sinkenden Personalschlüssel; ab 1. September betreue eine Erzieherin statt bisher 5,5 nur noch fünf Kinder. Das führe zu höheren Personalausgaben, zumal auch noch die Löhne an den Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes angeglichen werden müssten, um genügend Mitarbeiter zur Verfügung stehen zu haben.

Grundsatzkritik

Silke Starke beurteilt die Bedingungen für Erzieher in Sachsen als „insgesamt schlecht“, ihr reichen die angekündigten Verbesserungen des Personalschlüssels nicht aus. „Hier wird viel auch auf dem Rücken der Kinder und Eltern ausgetragen“, meint sie. Es gebe Bundesländer, in denen Mütter und Väter keine Beiträge zahlen müssen.

Von Frank Pfeifer

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