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Empfindungen in Acryl und Öl

Empfindungen in Acryl und Öl

"Nein, ich bin kein Talent von Kindheit an und habe das Malen auch in keinem Zeichenzirkel erlernt,", sagt die Kaditzscherin. Und denkt sechs Jahre zurück: "Es war sicher für meine Familie und die Freunde schlimmer, als ich es selbst empfunden habe: Plötzlich war ich an einem Herzinfarkt erkrankt, und zuerst wusste keiner, ob ich überhaupt wieder auf die Beine komme.

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Stolz auf erste Ausstellung: Ines Bieber mit Lebensgefährten Ralf Böer vor der Hospitalkapelle, in der sie unter dem Titel "Mein zweites Leben" ausstellt.

Quelle: Silke Hoffmann

" Kreislauf und Gehirn standen still, nach Wiederbelebungsversuchen wurde Ines Bieber gerettet. Doch für die heute 47-Jährige war nichts mehr so wie vorher. "Ich kannte keine Zahlen und Buchstaben mehr, konnte die Farben nicht unterscheiden, wusste nicht, was wir am Tag zu Mittag gegessen hatten-" Therapien und Versuche zu Wiedereingliederungen folgten in den Jahren, doch noch ist die vorherige Arbeit als Bürokraft nicht möglich - befristet wurde Ines Bieber auf Rente gesetzt.

"Ich hatte viele Bilder im Kopf, auch von den Tagen, als ich zwischen Leben und Tod im Krankenhaus lag", erzählt sie heute. Irgendwie wollte sie das loswerden und sich mitteilen. Und so griff die Frau zu Pinsel und Farben und stellte ihre Empfindungen in Acryl und Öl dar. Da gibt es den "Lebensweg" in großen Kurven von der Geburt über die schwere Krankheit bis zur "Wiedergeburt", die in Grün gehaltene "Seele" oder die blau-roten "Boote im Sturm". "Ja, ich bezeichne meine Kreationen als Seelenbilder", sagt Ines Bieber und möchte sich von keinem der passend gerahmten Werke trennen. Anfangs war die Malerei für die herzkranke Frau ein Gang in eine Nische, die sie ganz allein für sich erobern wollte. Doch ihr Lebenspartner Ralf Böer machte ihr Mut: "In deinem Kopf ist noch viel mehr und anderes, was du darstellen und zeigen kannst, das hab' ich ihr immer wieder gesagt." So oft es ihm möglich war und ist, kommt er aus Nürnberg, wo er einen Dienstleistungsbetrieb hat, und steht seiner Gefährtin zur Seite. Auch für die jetzige Ausstellung unter dem Titel "Mein zweites Leben" hatte er ihr Mut gemacht. "Ohne Ralf hätte ich mich nicht getraut. Zum Teil habe ich an mir selbst gezweifelt, weil ja meine Bilder irgendwie verrückt sind, doch die Familie und Freunde standen hinter mir." Dass die Autodidaktin Ines Bieber auch "ganz normale" Bilder wie Stillleben, Landschaften oder Aktdarstellungen malen kann, zeigte sie übrigens bei der Sommerakademie, an der sie in der Denkmalschmiede Höfgen teilnahm.

Bis Ende Oktober ist "Mein zweites Leben" noch in der Hospitalkapelle zu sehen. Dann stellt hier Bernd Aurig Arbeiten unter dem Motto "Lasst die Kirche im Dorf" aus. Der Inhaber der Kapelle hatte Ines Bieber übrigens ganz zufällig entdeckt: Als er bei ihrem Vater Klaus Köhler ein Motorrad reparieren ließ, kam sie mit einem Bild daher. Aurig schaute drauf und machte bald drauf die Ausstellung perfekt.

 

 

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 07.10.2013

Silke Hoffmann

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