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Ende der Party: Colditzer Crystal-Dealer sitzt hinter Gittern

Ende der Party: Colditzer Crystal-Dealer sitzt hinter Gittern

Hinter Gitter bleibt Uwe N. aus Colditz. Das Landgericht Leipzig verurteilte den stadtbekannten und gewaltbereiten Rechtsextremisten am Montag zu vier Jahren und acht Monaten Haft, wie Pressesprecher Jens Hebert auf Anfrage mitteilte.

Colditz. Außerdem habe Richter Jens Kaden die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt angeordnet.

Am Abend des 26. September vergangenen Jahres war zwei Streifenpolizisten des Bornaer Reviers auf einem Frohburger Grundstück ein Mercedes der S-Klasse aufgefallen. Der Colditzer und der Grundstücksbesitzer hielten sich in der Nähe auf. Die Beamten kontrollierten sie und fanden bei Uwe N. einen dreistelligen Bargeldbetrag. Ein Drogen-Schnelltest ergab, dass beide Amphetamine zu sich genommen hatten.

Die Polizisten erwirkten daraufhin in Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft Leipzig einen Durchsuchungsbeschluss für den Mercedes. Als sie sich den Wagen vornehmen wollten, riss sich der Colditzer los und stürmte ins Haus. Die Beamten setzten ihm nach und konnten ihn wenig später stellen. Dabei verpasste der Colditzer einem Polizisten einen Faustschlag ins Gesicht.

Mit Hilfe von Spürhunden wurden schließlich im Auto 1,8 Kilogramm Crystal und 350 Gramm Cannabis gefunden. Außerdem konnten rund 1000 Euro Bargeld beschlagnahmt werden. Die Staatsanwaltschaft stellte einen Haftbefehl aus, seitdem sitzt der Colditzer in Untersuchungshaft.

Vor dem Richter stand er jetzt nicht zum ersten Mal. Zusammen mit Vater Ralf und Bruder Andreas hatte er sich schon im August 2012 vor dem Amtsgericht Grimma verantworten müssen, und zwar nach Angriffen auf politisch Andersdenkende. 14 Monate Haft auf Bewährung erhielt er damals wegen Körperverletzung und Fahrens ohne Führerschein. Dieses Urteil wurde auf das jetzige Strafmaß nicht angerechnet. Da der Colditzer mittlerweile wieder straffällig geworden war, entfiel die Bewährung, weshalb er die 14 Monate voraussichtlich zusätzlich absitzen muss.

Über Jahre hatte Uwe N. die Colditzer Straßen unsicher gemacht. Angeblich soll er nur vier Sekunden gebraucht haben, um seine Nobel-Karossen von null auf 100 zu beschleunigen. Dabei besaß er noch nicht einmal eine Fahrerlaubnis. Das Landgericht Leipzig verurteile ihn deshalb wegen Fahrens ohne Führerschein in fünf Fällen im November vergangenen Jahres zu elf Monaten Gefängnis ohne Bewährung. Diese Strafe wurde ins jetzige Strafmaß integriert.

Gefordert hatte die Staatsanwaltschaft insgesamt vier Jahre und elf Monate Haft. Richter Kaden hielt sich aber an die vier Jahre und acht Monate, die die Verteidigung des Angeklagten beantragt hatte. Verurteilt wurde er schließlich wegen des Besitzes von Betäubungsmitteln und Handelns mit Drogen in größeren Mengen, vorsätzlicher Körperverletzung und Widerstands gegen die Vollstreckungsbeamten.

Während des Prozesses zeigte sich Uwe N. voll geständig und erklärte sich bereit, sich therapieren zu lassen. "Er ist auf dem Boden der Realität angekommen", meinte Gerichtspsychiater Christof Hieronymus, der zugleich ein Bild von den Lebensumständen des Angeklagten zeichnete.

Uwe N. brach demnach in der neunten Klasse die Mittelschule ab. Die Ausbildung zum Hochbau-Facharbeiter besuchte er nur so oft wie nötig, um nicht entlassen zu werden. Die Abschlussprüfung vermasselte er. Bis auf Hilfsjobs im Holzhandel seines Vaters ging er über acht Jahre keiner Beschäftigung nach.

"Er hat eine Wohnung im Elternhaus, ein behütetes Nest, in dem er keinen Veränderungsdruck spürte" schilderte Hieronymus. "Die Mutter zahlte Rechnungen von ihm, putzte auch mal seine Wohnung. Sie nahm ihm die lästigen Pflichten des Alltags ab. Er konnte sich am gefüllten Kühlschrank bedienen. Die Eltern nahmen hin, dass er keinem strukturiertem Tagesablauf nachging und sich eine Arbeitsstelle suchte."

So traf er sich mit Kumpels, um mit ihnen gemeinsam Crystal zu konsumieren. Tage und Nächte haben sie auf diese Weise durchgemacht, bis sie ab und zu die Müdigkeit überwältigte. Eine immerwährende Party, die nun erst einmal ihr Ende gefunden hat.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 05.05.2015
Frank Pfeifer

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