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Energiebündel und Seelsorger in Threna

Energiebündel und Seelsorger in Threna

Sie gilt als Unikum in Threna. Und dabei kennt noch nicht einmal jeder ihren wahren Namen. Bäcker-Elke wird sie genannt. Damit kann Elke Görke ganz gut leben, denn mit der Bäckerei-Filiale im Belgershainer Ortsteil ist sie eng verbunden.

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Ihre Welt: Energiebündel Elke Görke im Threnaer Bäckerladen.

Quelle: Andreas Röse

Belgershain/Threna. Dort laufen ihr die Kunden die Tür ein, nicht nur um zu kaufen, sondern auch um Informationen loszuwerden und das Neueste aus der Umgebung zu erfahren.

"Ich muss ihnen erst einmal zwei Witze erzählen", sagt die 63-Jährige dem Fremden, der gerade ihren Laden betritt. Dann legt sie los, nicht ganz jugendfrei, weshalb hier auf Details verzichtet werden soll. Erst dann fragt sie: "Was soll's denn sein?" Kein Brot, keinen Kuchen, der Mann von der Zeitung will sie, die Bäcker-Elke, persönlich. Er will erfahren, wer diese Person ist, die manche als seine Konkurrenz, als die LVZ von Threna, andere als Mutter Theresa bezeichnen.

Nein, all diese Begriffe mag sie nicht wirklich. Sicherlich kann sie Auskunft geben über Veranstaltungen der Umgebung, und sie erfährt vieles zuerst. Sicher hilft sie Menschen, die ihr Leid bei ihr abladen. Aber in erster Linie ist die Bäcker-Elke sie selbst, und zwar zu 100 Prozent. Ein Energiebündel, das von morgens bis abends vor Optimismus nur so strotzt und seine Meinung frei heraussagt. Ein ehrlicher Mensch.

Im ersten Berufsleben war sie Kinderkrankenschwester. Als 1975 Tochter Sandra zur Welt kam, wollte sie nicht mehr in Schichten arbeiten und drückte nochmals die Schulbank, wurde Postfacharbeiter. Als Zustellerin fing sie bei ihrer Mutter an, die die Poststelle im Ort leitete. Später übernahm sie deren Posten, stand bis 1996 sogar den Poststellen in Threna und Otterwisch vor. Als sie dann nach Düsseldorf versetzt werden sollte, kündigte sie und nahm fünf Monate Arbeitslosigkeit in Kauf, nach denen sie als Verkäuferin im Threnaer Bäckerladen anfing.

Nicht nur vom Beruf her kennt sie Hinz und Kunz. Über viele Jahre hinweg trug sie, wie sie sagt, "meine geliebte LVZ" aus. Sie genoss die Zeit, in der sie frühmorgens in den Straßen unterwegs war und Frühaufsteher traf. Nachteulen bediente sie hingegen, wenn sie hinter der Bar im Clubhaus stand, dem heutigen Schützenhaus.

Nun also steht sie zu normalen Zeiten hinter dem Tresen der Bäckerei. Dort wirbt sie für Veranstaltungen in Naunhof und Großpösna. Sie hört von freudigen und tragischen Ereignissen. Aber sie tratscht sie nicht weiter, sondern sortiert. "Wer mir etwas unverfängliches sagt, der weiß, dass es an die Öffentlichkeit gerät. Private Sachen bleiben aber bei mir", erklärt sie. Wäre das nicht so, es würden weit weniger Menschen bei ihr von ihren Wehwehchen berichten. Quasi als Seelsorger nimmt sich dann Elke Görke die Muse, auch einmal nach der Öffnungszeit noch zuzuhören, ihr Gegenüber aufzubauen. "Ich selbst hatte auch Probleme zu bewältigen, die ich mit vielen Freunden besprechen konnte", sagt sie und kommt dabei auf ihre Ehe zu sprechen. Vor 42 Jahren hatte sie ihren Mann geheiratet, doch irgendwann funktionierte das Zusammenleben nicht mehr.

Ihr privates Glück fand sie in Bäckermeister Gerd Schramm, mit dem sie inzwischen das Geschäft zusammen führt. Eine wahrlich harmonische Beziehung, und ihre Augen leuchten, wenn die Rede auf ihn kommt. "Früh helfe ich in Naunhof in der Backstube mit, dann fahre ich mit Brot, Kuchen, Torten und Gebäck nach Threna", erzählt sie. Erst am Abend hat sie die Chance, ihn wiederzusehen, denn auch er verbringt den ganzen Tag im Laden. Und weil sie sich auch noch im Dorfclub engagiert, ist die gemeinsame Freizeit um so kostbarer.

Bald werden beide mehr davon haben, denn ihre Bäckerei wollen sie aus Altersgründen nur noch bis zum Jahresende weiterführen. "Wir bemühen uns schon um einen Nachfolger, doch es ist schwer, einen geeigneten zu finden", bedauert Elke Görke. Nicht nur das macht ihr das Herz schwer. Sie weiß im Grunde schon jetzt, dass sie und ihr Partner den Kundenkontakt unheimlich vermissen werden.

Zeit wird Elke Görke allerdings dann mehr für ihre Enkeltochter Hanna haben, die 2010 geboren wurde. "Das war das schönste Geschenk zu meinem 60. Geburtstag, den ich in jenem Jahr gefeiert habe", hebt sie hervor. Und an noch ein Erlebnis erinnert sie sich in diesem Zusammenhang gern. "Ich kam in den Laden, und er war mit einer Schleife und einem Schriftzug mit Glückwünschen zum Geburtstag behängt", sagt sie. "Was ich den Kunden gebe, kommt von ihnen alles zurück. Das macht mich unheimlich glücklich."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 10.05.2014
Pfeifer, Frank

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