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Grimma Entgegen dem Trend: Kriminalität in Trebsen steigt
Region Grimma Entgegen dem Trend: Kriminalität in Trebsen steigt
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00:31 05.12.2015
Einsätze der Polizei in Trebsen: Im vergangenen Jahr haben sie zugenommen. Quelle: dpa
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Trebsen

Wie Falk Donner, Leiter des Grimmaer Reviers, ausführte, stieg die Zahl der Straftaten gegenüber 2013 um 25 auf 156 Fälle. Dabei stehe die absolute Zahl für den einzelnen Betroffenen nicht im Mittelpunkt, denn für ihn ist jene Tat, die ihn negativ berührte, eine zu viel. Der Wert von 2014 liegt übrigens trotz des Anstiegs unter jenem von 2012, als die Polizei 168 Fälle aufnahm.

88 Diebstähle in 2014

Was Donner zu denken gibt, ist die markante Zunahme der Diebstähle. Waren 57 im Jahr 2012 und 54 im Jahr 2013 registriert worden, mussten sich die Beamten im vergangenen Jahr mit 88 Fällen befassen. „Unter diese Rubrik fällt alles vom Ladendiebstahl über den Lastwagen-Klau bis zum Wohnungseinbruch“, erklärte Donner.

In allen anderen Rubriken, nach denen die Polizei die Straftaten unterteilt, sieht die Lage in Trebsen entspannter aus. Die Roheitsdelikte blieben mit 17 Fällen auf dem Stand des Vorjahres, währen 2012 noch 27 Gewalttaten gezählt worden waren. Betrügereien registrierte die Polizei nur noch acht, 2013 waren es 17 und 2012 sogar 24 Fälle. 13 Sachbeschädigungen kamen zur Anzeige, nach 14 in 2013 und zehn in 2012.

Fünf Fälle der Rauschgiftkriminalität wurden im vergangenen Jahr verfolgt. Im Jahr davor waren es drei, zwei Jahre vorher neun. „In diesem Bereich können aber keine Rückschlüsse gezogen werden“, erläuterte Donner. Hier würden die Taten nicht, wie in anderen Bereichen, von Bürgern angezeigt. Deshalb wirke es sich bei den niedrigen Zahlen schon enorm aus, wenn die Beamten Zeit für eine zusätzliche Drogenkontrolle haben.

Falk Donner, Rvierchef in Grimma. Quelle: Frank Schmid

Zu den Ursachen der Entwicklung machte Falk Donner keine Aussagen. „Hier spielen viele Faktoren rein, die genauer untersucht werden müssten“, sagte er. Personalabbau bei der Polizei, Änderungen in Infrastruktur und Bevölkerungszusammensetzung könnten eine Rolle spielen. Auch die Nähe zur Autobahn sei entscheidend.

Allerdings kann sie nicht das hauptsächliche Kriterium bilden, wie die Häufigkeitszahl zeigen. Darunter ist die Zahl der Delikte hochgerechnet auf 100 000 Einwohner zu verstehen. 2014 betrug sie in Trebsen, das 3941 Einwohner zählte, 3959. Zwei ähnlich große Gemeinden, Thallwitz und Belgershain, liegen zum Teil deutlich darunter, was mit ihrer größeren Entfernung zur A 14 zu tun haben könnte. Doch auch im direkt an der Autobahn liegenden Parthenstein ist die Häufigkeitszahl viel kleiner.

Als positiv an der jüngsten Polizeireform bezeichnete Donner die Installierung von Bürgerpolizisten. In Trebsen ist Tatjana Schöbel unterwegs. „Sie kommt jeden Tag in die Stadt, man kennt sie, spricht mit ihr über den Gartenzaun“, sagte er. So ließen sich manche Probleme besser lösen, als wenn fremde Beamte sie in die Hand nehmen.

Weiter personelle Durststrecke

Volker Killisch (Freie Wählergemeinschaft Altenhain) fragte an, inwieweit der Personalabbau in der Polizei noch relevant sei. „Ich glaube, wir haben noch eine Durststrecke von mindestens drei Jahren vor uns“, antwortete Donner. Die Politik beginne zwar jetzt, auf die aktuelle Situation zu reagieren. Doch die Ausbildung dauere zweieinhalb Jahre, bis Neulinge Bereitschaftspolizisten sind. „Währenddessen gehen weitere Kollegen in Rente“, so Donner.

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Falls sich die Politik für den Einsatz von Wachpolizisten entscheidet, was gegenwärtig diskutiert wird, stünden diese erst Mitte nächsten Jahres zur Verfügung. Wohl aber nicht im Revier Grimma, denn es gebe andere Brandherde, in denen die Wachpolizisten schneller gebraucht würden.

Im Landkreis Leipzig habe 2014 der Ausländeranteil bei 1,3 Prozent gelegen. „Die Asylpolitik beschäftigt uns zwar, aber unser Revier ist da kein Schwerpunkt“, sagte Donner. Seine Beamten würden eher von anderen Gebieten angefordert. Auf die Frage von Manfred Müller (Bürgerinitiative für eine sichere Zukunft), ob rund um Wohnstätten von Asylbewerbern die Kriminalität steigt, erklärte der Polizeirat: „Realistisch nicht. Aber es gibt andere Probleme. Wir haben es dort mit Ängsten, Vorurteilen oder einfach nur dem unguten Gefühl zu tun, dass alles so neu ist.“

Susanne Mund von der Freien Wählergemeinschaft Altenhain kritisierte, dass die Polizei ihre Präventionsarbeit für Kinder eingestellt habe. „Diese ist sehr wichtig“, erklärte sie. Eingestellt sei sie nicht, erwiderte Donner. Das Kultusministerium habe sie übernommen, so dass jetzt Schulen und Kindertagesstätten zuständig sind. „Auf Anfrage stehen wir aber beratend zur Seite“, versicherte der Revierchef. Über das Landeskriminalamt könne übrigens weiter der Polizeidinosaurier Poldi angefordert werden. Einrichtungen, die sich dafür interessieren, könnten sich an Bürgerpolizistin Schöbel wenden.

Von Frank Pfeifer

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