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Entscheidungen an der Themse sorgen im Landkreis Leipzig für Verunsicherung

Wirtschaftsforum Entscheidungen an der Themse sorgen im Landkreis Leipzig für Verunsicherung

Vorgänge im Vereinigten Königreich lassen auch hiesige Firmen nicht kalt. Auf Einladung des Wirtschaftsförderungsvereins Machern wurde über die Brexit-Folgen für Mitteldeutschland diskutiert.

Der Westminster-Palast (Houses of Parliament) . Das britische Unterhaus hat am Mittwoch dem Brexit-Gesetz der Regierung zugestimmt. Das Gesetz überträgt Premierministerin Theresa May die Vollmacht, die Scheidung von der EU einzureichen.

Quelle: PA WIRE

Machern. Kann es hiesigen Mittelständlern egal sein, wenn Großbritannien die EU verlässt? Antworten auf diese Frage gab ein gut besuchtes Forum des Wirtschaftsförderungsvereins Machern. Zu jenem Zeitpunkt, als das britische Unterhaus Premierministerin Theresa May damit beauftragte, die Scheidung von der EU einzureichen. Mit Referent James Parsons hatte der Veranstalter einen echten Engländer aufgeboten. Früher in Southampton zuhause, lebt Parsons seit über 20 Jahren in Leipzig. Als Chef des Sprachinstituts ICC betreut er hiesige Unternehmer, die Kontakte ins Vereinigte Königreich unterhalten.

Auch wenn die Entscheidungen an der Themse weit weg scheinen – sächsische Firmen plagt dennoch eine gewisse Unsicherheit. Jörg Wellner, Geschäftsführer der Wellner Kommunikation/Automatisierung GmbH und zugleich Präsident des Wirtschaftsförderungsvereins, ist ganz konkret betroffen. Seine Gerichshainer Firma hat sehr erfolgreich einen mobilen Überwachungscontainer entwickelt. Erfassen die Sensoren verdächtige Gestalten, kann ein Wachschutz, auf den der Alarm aufgeschaltet ist, Diebe direkt ansprechen. Bewegungsmelder, die in der sogenannten Wellner-Box verbaut werden, kommen aus Großbritannien. Was diese Handelsbeziehung künftig erschwert oder erleichtert, ist völlig offen. „Niemand weiß derzeit, welche Restriktionen gelten werden“, deutete Parsons an. Sein Eindruck nach jüngsten Aufenthalten im politisch aufgewühlten Heimatland: „Es herrscht eine große Planlosigkeit.“ Politiker, die nie für den Brexit waren, wie Theresa May und viele Parlamentarier, müssten ihn jetzt umsetzen. „Der Ausgang des Referendums hat mich persönlich nicht überrascht“, meinte der ICC-Chef weiter. „ In England herrscht eine große Unzufriedenheit. Es gibt kaum bezahlbare Wohnungen. Das Gesundheitssystem ist krank. Monatelang müssen Menschen auf Behandlung warten.“ Die Schuld an allem würde der EU gegeben, so Parsons. Vor allem die Jugend habe sich nach dem Brexit verwundert die Augen gerieben. „Den jungen Leuten wird damit die Zukunft geraubt.“ Doch sachlicher Austausch sei vor dem Referendum kaum möglich gewesen. Die Diskussionen über die tatsächlichen Folgen des EU-Austritts würden erst jetzt geführt.

Auf die Frage des Macherners Johannes Ditges, Professor für Steuerrecht an der Leipziger Hochschule für Wirtschaft und Technik (HTWK), ob sich UK zur Steueroase entwickeln wird, konnte Parsons nur spekulieren: „Derzeit weiß niemand, wohin die Reise geht. Möglich, dass England wieder stärker mit den Commonwealth-Staaten kooperiert.“ Erste Anzeichen dafür gebe es.

Sächsische Unternehmer, so sein Appell, sollten sich auf keinen Fall von den Entwicklungen lähmen lassen. „Sie müssen vielmehr die Potenziale sehen, die der Brexit vielleicht mit sich bringt.“ So könne es sich lohnen, auf Geschäftspartner im Vereinigten Königreich zuzugehen, „vielleicht eröffnen sie ja ein Vertriebsbüro in Sachsen oder lagern ihre Logistik aus“. All diese Möglichkeiten müssten ausgelotet werden. Bei einer Unternehmerreise nach Plymouth in Südengland seien ihm schon zahlreiche Iren aufgefallen, die britische Unternehmen abwerben, berichtete Parsons. „Auch Städte wie Bonn oder Hamburg sind bereits auf dem englischen Markt unterwegs und sprechen amerikanische oder australische Firmen an – mit dem Ziel, dass diese ihre Aktivitäten auf den Kontinent verlagern.“

Was Großbritannien zu verlieren und Deutschland möglicherweise zu gewinnen hat, das werde man wohl erst in 20 Jahren wissen, so der Tenor der Veranstaltung.

Von Simone Prenzel

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