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Enttäuscht vom Naunhofer Bürgermeister: Stadtrat Pöhland will Parlament verlassen

Eskalation Enttäuscht vom Naunhofer Bürgermeister: Stadtrat Pöhland will Parlament verlassen

Im eskalierenden Streit zwischen Stadtratsmehrheit und Bürgermeister Volker Zocher (parteilos) zieht ein Abgeordneter die Reißleine. Michael Pöhland (Freie Wählervereinigung Fuchshain) will zurücktreten, er erhebt schwere Vorwürfe gegen die Verwaltung. Ein brisanter Satz Zochers, in interner Runde gesprochen, sorgt zudem für Zündstoff.

Da schien die Welt noch in Ordnung: Der Stadtrat nach seiner Wahl im Juli 2014. Michael Pöhland etwas verdeckt der Fünfte von rechts. Bürgermeister Volker Zocher wollte nicht aufs Bild – eine Vorahnung des kommenden Zerwürfnises?

Quelle: Andreas Röse

Naunhof. Im eskalierenden Streit zwischen Stadtratsmehrheit und Bürgermeister Volker Zocher (parteilos) zieht ein Abgeordneter die Reißleine. Michael Pöhland (Freie Wählervereinigung Fuchshain) will zurücktreten, er erhebt schwere Vorwürfe gegen die Verwaltung. Ein brisanter Satz Zochers, in interner Runde gesprochen, sorgt zudem für Zündstoff.

„Ich sehe es als Mobbing an, dass Druck auf uns ausgeübt wird“, erklärt Pöhland gegenüber der LVZ. Mit Bezug auf den lautstarken Protest des kommunalen Personals, das vor der jüngsten Stadtratssitzung erneut die Einführung eines Tarifvertrags forderte, meinte der 56-Jährige: „Es kann nicht sein, dass ich mit einem Pfeifkonzert begrüßt werde. Ich kann nicht nachvollziehen, dass Menschen, nur weil es um ihre eigene Tasche geht, über alles andere hinwegsehen. Für Fuchshains 750-Jahrfeier 2017 soll kein Geld da sein, aber diesen Riesenbrocken fürs Personal kann man ausgeben.“

Auch die Entwicklung beim Thema Freie Trägerschaft für Kindertagesstätten kritisiert Pöhland. „Das war nur eine Nachfrage, noch kein Schaffen von Tatsachen. Jetzt werden Stadträte beim Sammeln von Unterschriften fürs Bürgerbegehren diskreditiert und beschimpft. Im Ort werde ich mit Blicken gestraft.“

Er, Pöhland, habe sich mit Elan fürs Parlament beworben und bedankt sich bei seinen Wählern. „Aber das alles halte ich nicht durch, zumal ich gesundheitlich angeschlagen bin.“ Zwischen Stadtratsmehrheit und Verwaltung gebe es kein Miteinander, sondern ein Gegeneinander.

„Vom Bürgermeister bin ich enttäuscht. Als Fuchshainer waren wir bei seinem Amtsvorgänger Uwe Herrmann hintendran“, so Pöhland, der zugleich Ortsvorsteher und seit 24 Jahren Vorsitzender des ansässigen Sportvereins ist. „Zocher nahm, als es um die Nutzerordnung ging, uns als Vorbild, doch dann behandelte er die Vereine wieder unterschiedlich, während wir alles alleine tragen müssen.“

Mit Zocher herrsche nun Funkstille. „Menschen können doch miteinander reden, um Probleme aus der Welt zu schaffen. Aber hier wird immer nur gedroht“, sagt Pöhland. „Wir sind 13 Abgeordnete aus verschiedenen Fraktionen, die oft gleich abstimmen. Aber ich habe mit niemandem vorher beim Bier zusammengesessen und die Politik abgesprochen. Das war immer meine persönliche Meinung.“

Für Pöhland gibt es keinen Nachrücker im Stadtrat, da er allein für die Wählervereinigung kandidiert hatte. Ortsvorsteher in Fuchshain will er bleiben.

Bei seinen Kollegen in den anderen Ortsteilen wird sein Schritt bedauert. „Es tut mir leid, wir kamen gut miteinander aus“, sagt Bernd Pohl (56), Lindhardter Ortsvorsteher, der wegen seines Amts im Stadtrat sitzt, aber nicht stimmberechtigt ist. „Wir sind ein kleiner Ort, haben nicht viele Probleme. Wenn man im Rathaus immer mal nachhakt, passiert auch was.“

„Die Situation ist unerträglich geworden“, meint der Ortsvorsteher von Erdmannshain/Eicha/Albrechtshain, Jan-Walter Heikes, ebenfalls im Stadtrat nicht stimmberechtigt. „Ich sehe bei den beteiligten Personen, hauptsächlich auf Seite der Verwaltung, keine Besserung. Der Bürgermeister ist aus meiner Sicht beratungsresistent.“ Zocher solle Dienstleister für die Bürger und den Stadtrat sein; dieser Pflicht komme er nicht nach. „Er vertritt eher die Haltung der Verwaltung, ist nicht Arbeitgeber, sondern auf der Seite der Arbeitnehmer“, so der 59-Jährige. Deshalb sei es konsequent und folgerichtig, wenn ein Stadtrat zurücktritt. Es wäre möglich, dass andere nachziehen.

Lutz Kadyk, Ortsvorsteher von Ammelshain, überlegt sich das. „Ich bin auch bald soweit wie Michael Pöhland“, erklärt der 50-Jährige. „Wenn ich ehrenamtlich versuche, etwas zu bewegen, werde ich mit Trillerpfeifen empfangen. Das ist ärgerlich.“

Sein Ausscheiden gab Pöhland nach der jüngsten Stadtratssitzung bekannt, als die Abgeordneten auf Bitten Zochers noch im Raum bleiben sollten. Ein offizielles Rücktrittsgesuch Pöhlands liege im Rathaus nicht vor, teilt Sprecherin Anja Lohn auf Anfrage mit. Somit könne sie keine Auskunft erteilen. Auch zu einem Satz Zochers, der wohl im Nachgang der Tagung gefallen ist, gab sie kein Statement. „Sollte es weitere Gespräche gegeben haben, so fanden diese intern statt.“

Bezogen auf die allgemeine Situation in Naunhof soll Zocher in der Runde gesagt haben: „Mir geht alles 100 Meter am Arsch vorbei.“ Mario Schaller (Bürgerinitiative Naunhof) dazu: „Es ist korrekt, dass diese erschreckende Äußerung des Bürgermeisters gefallen ist. Diese Worte sind nicht weiter zu kommentieren, da diese Aussage für sich selbst steht und die Ignoranz des Bürgermeisters gegenüber der Arbeit des Stadtrats und somit die Gleichgültigkeit gegenüber unserer Stadt und den Bürgern widerspiegelt.“

Gabriele Wegel (CDU) bestätigt die Äußerung ebenfalls und meint, diese sei eines Bürgermeisters unwürdig. Mit ihr bestätige Zocher „nicht nur sein abgesenktes Niveau, sondern zeigt auch sein wahres Gesicht.“

Marcus Blankenburg (Unabhängige Wählervereinigung) will aus der internen Runde keine Details nennen. „Unabhängig davon wurde dem aufmerksamen Gast auch in der öffentlichen Sitzung die Haltung des Bürgermeisters und seiner Amtsleiter gegenüber dem Stadtrat deutlich vor Augen geführt. Sicher gibt es Respektlosigkeit auf beiden Seiten des Tisches. Die angespannte Situation lässt sich aber wohl kaum noch lösen, zumindest nicht in der aktuellen Konstellation. Somit bleibt zu befürchten, dass weitere Eklats folgen werden“, meint er. „Vertrauen kann sich unter diesen Voraussetzungen nicht wieder aufbauen.“

Zochers ist Michael Eichhorn (Linke), wie er sagt, nicht bekannt. Er spricht diesbezüglich von einer Verleumdung und erklärt: „Auf so einem Niveau diskutiere ich nicht.“

Von Frank Pfeifer

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