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Erdmannshain: Parthe-Brücke droht der Abriss

Erdmannshain: Parthe-Brücke droht der Abriss

"Ich fürchte, dass jeden Moment der Bagger kommt", sagt Roland Buchheim. Der Erdmannshainer läuft über die Wiese bis zum Rand seines Grundstücks, den die Parthe markiert.

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Da sitzt er und trauert: Roland Buchheim hat diese Brücke 1972 ohne schriftliche Genehmigung errichtet; jetzt soll sie weg.

Quelle: Klaus Peschel

Naunhof/Erdmannshain. Über den Fluss hatte er, wie er sagt, 1972 eine Brücke gebaut, die er heute noch nutze. Und diese solle nun gegen seinen Willen abgerissen werden. Das Geld dafür könne seiner Meinung nach anderweitig sinnvoller eingesetzt werden.

"Weil vorn der Gang zwischen meinen Gebäuden zu eng ist, komme ich mit dem Autoanhänger vom Garten aus nicht zur Straße durch", schildert er. "Deshalb nutze ich die Brücke nach hinten hinaus, um Holz und Futter für meine Hühner zu holen." Er weiß, dass das grenzwertig ist, weil ihm das Grundstück auf der gegenüberliegenden Seite der Parthe nicht gehört, das er nach dem Überqueren der Brücke betritt. "Es gibt kein abgesprochenes Wegerecht", räumt er notgedrungen ein.

Allerdings sieht Buchheim die Historie auf seiner Seite. Bis in die 1930er-Jahre habe an der selben Stelle eine Furt bestanden, die sein Onkel und andere Bauern genutzt hätten, die rechtsseitig der Parthe Felder besaßen. "Als die Gemeinde dann eine Brücke etwas flussaufwärts baute, errichtete mein Onkel einen Steg aus Holz, um nicht den Umweg machen zu müssen und um Heu für seine Seilerei und Polstergrasherstellung direkt per Handwagen aufs Grundstück fahren zu können", so Buchheim. "Er starb 1936, in dem Jahr, in dem ich geboren wurde."

Irgendwann habe ein Hochwasser den Steg weggerissen. Er sei zunächst ersetzt worden. 1972, im Zuge der Flussbegradigung, habe er, Buchheim, die jetzige Brücke aus Stahlträgern und Beton hingesetzt. "Der Bau war mit der Wasserwirtschaft und dem damaligen Flussmeister abgesprochen", beteuert er. Das Missliche dabei: Über schriftliche Unterlagen verfügt er nicht.

Laut Landratsamt sind aber nach der heutigen Wasserrahmenrichtlinie alle Beteiligten, also Kommunen, Flussmeister und die untere Wasserbehörde des Landkreises, gehalten, den Wasserverbau zu reduzieren. "Wenn ein Bauwerk wie diese genannte nicht genehmigte Brücke als nicht notwendig eingestuft wird, kann der Abriss festgelegt werden", teilt Sprecherin Brigitte Laux auf Anfrage mit. In diesem konkreten Falle sei die Initiative von der Flussmeisterei und damit von der Landestalsperrenverwaltung (LTV) ausgegangen.

Weil nicht die erforderlichen Genehmigungen vorliegen, wurde nach einer Gewässerschau festgelegt: Die Brücke muss weg! Die LTV beauftragte das Leipziger Ingenieurbüro Wollf, die Genehmigungsunterlagen dafür vorzubereiten. "Darüber sitze ich gerade", sagt Projektingenieur Bernd Hollwitz. "Wie dann weiter damit umgegangen wird, darüber entscheidet die Landestalsperrenverwaltung."

Dort ist die Sache klar. Betriebsleiter Axel Bobbe: "Die Brücke ist illegal errichtet worden. Außerdem steht sie auf unserem Grundstück. Wir haben aber kein Interesse an einer Erhaltung, also reißen wir sie ab." Wann das genau geschehe, stehe noch nicht fest.

Zwischenzeitlich bestand wohl die Möglichkeit, den Abbruch abzuwenden. Dafür, so Brigitte Laux vom Landratsamt, hätten aber alle am Verfahren beteiligten Eigentümer, also Buchheim, die Besitzerin des gegenüberliegenden Grundstücks und die LTV ihre Zustimmung geben müssen. Dies sei nicht der Fall gewesen, "weshalb sich die Sache nicht heilen ließ."

Buchheim hat eingelenkt, zumal er über keine Genehmigungsunterlagen für den Brückenbau verfügte. Einsehen kann er den Abriss trotzdem nicht, denn nach seinem Dafürhalten stand die Brücke nie irgendwie im Wege. "Der Durchfluss war immer gegeben", versichert er. "Selbst beim höchsten Hochwasser hatten wir noch 35 Zentimeter Luft bis zur Brückenunterkante."

Bobbe von der LTV hält dagegen: "Für das Gewässer ist es von Vorteil, wenn wir die Brücke beseitigen. Dafür bekommen wir in Abstimmung mit dem Landratsamt sogar Ökopunkte, die wir für Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen bei anderweitigen Eingriffen in die Natur geltend machen können."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 17.10.2014
Pfeifer, Frank

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