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Erdmannshainer Heimatverein soll mehr Spielraum erhalten

Erdmannshainer Heimatverein soll mehr Spielraum erhalten

Ein Kompromiss zwischen Heimatverein und Anwohnern scheint gefunden. Unter Vermittlung von Bürgermeister Volker Zocher (parteilos) trafen sich diese Woche beide Seiten, um darüber zu diskutieren, wie die Kulturscheune betrieben werden könnte, ohne dass sich jemand von Lärm belästigt fühlt.

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Da war die Welt noch in Ordnung: Bauamtsleiter Hertel (r.) überreichte Vereinschef Just am 26. April den Baubescheid für die Scheune - mit strengen Regeln.

Quelle: Archiv Frank Pfeifer

Naunhof/Erdmannshain. Als der Erdmannshainer Verein im April die lang ersehnte Baugenehmigung erhielt, die es ermöglichte, die sanierte Scheune nach der erzwungenen Schließung im Vorjahr wieder zu öffnen, hatte das Landratsamt die Betreibung stark eingeschränkt. Nur an jedem letzten Sonntag im Monat sollte sie öffnen dürfen, außerdem zu zwei Festen im Jahr. Zwar freute es den Vereinsvorsitzenden Wolfram Just zunächst, dass die Arbeit seiner Truppe fortgesetzt werden konnte. Doch schnell stellte sich heraus, dass dieses Korsett angesichts ihres Tatendrangs zu eng geschnürt war.

Nun also galt es, eine einvernehmliche Lösung mit der Nachbarschaft zu finden, die beiden Seiten Rechnung trägt. Nach Augenzeugenberichten soll es in dieser internen Runde zum Teil haarig zugegangen sein. Doch am Ende wurde ein Kompromiss gefunden, dem alle zugestimmt haben sollen.

Auf Anfrage teilte Bürgermeister Zocher mit, dass es um die werktägliche Öffnung der Kulturscheune keinen Streit gegeben habe. Die Einrichtung könne, wie es die sächsische Polizeiverordnung vorsieht, montags bis freitags 8 bis 13 Uhr und 15 bis 20 Uhr Besuchergruppen empfangen. Sogar in einer Öffnung des Museums an jedem Sonntag von 14 bis 18 Uhr hätten die Anwohner keine Probleme gesehen. Zocher: "Verblüfft hat mich, dass es auch keine Einwände zu Veranstaltungen gab, die das Brauchtum fördern. Knackpunkt waren aber private Partys, die bis in die Nacht hinein dauern."

Deshalb, so der Bürgermeister, sei jetzt vereinbart worden, dass der Heimatverein die Kulturscheune nicht mehr fremdvermieten darf. Lediglich seine Mitglieder dürfen sie für bis zu vier private Feiern pro Jahr nutzen, allerdings nur bis jeweils 24 Uhr. Zocher sieht in dieser Regelung einen Präzedenzfall für Vereinshäuser in anderen Naunhofer Ortsteilen, "wo zum Teil auch Unstimmigkeiten zur Art der Nutzung vorliegen."

Außerdem, so sieht es der Erdmannshainer Kompromiss vor, werden dem Heimatverein vier Veranstaltungen pro Jahr in der Scheune und auf dem Hof von jeweils 14 bis 20 Uhr erlaubt. Sie wurden nicht konkret benannt, um sich nicht zu starr festzulegen, schließlich könnte in Zukunft das Interesse bestehen, ein ganz neues Fest zu kreieren. Vorerst aber dürften mit der Vereinbarung Mittelaltermarkt, Kürbisfest und Maibaumsetzen gesichert sein. Osterreiten und Drachenfest sind ganz ausgenommen, denn dafür stehen dem Verein sowieso andere Gelände zur Verfügung.

Die Übereinkunft zwischen Verein und Nachbarn der Kulturscheune hat noch keine rechtliche Verbindlichkeit. Sie stellt nur eine Grundlage dar, um beim Landratsamt eine entsprechende Genehmigung zu erwirken. Vorerst gilt die im Baubescheid der Kreisbehörde ausgewiesene Regelung weiter, also das enge Korsett.

Der Verein muss nun einen Antrag für die erweiterten Öffnungszeiten stellen. Der Amtsschimmel verlangt dafür aber ein weiteres Lärmschutzgutachten, das 1600 Euro kosten soll. Zocher sagte zu, dass die Stadt diese Ausgabe übernehmen wird. Entscheiden muss am Ende das Bauordnungsamt des Landratsamtes.

"Falls alles so durchgeht, kann unser Verein damit leben", sagte gestern Just. "Wir freuen uns, dass die Sache mit der Nachbarschaft angesprochen und geklärt wurde."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 09.08.2013

Pfeifer, Frank

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