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Grimma Erste Blinden-Führung in Grimmas Altstadt
Region Grimma Erste Blinden-Führung in Grimmas Altstadt
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16:32 10.05.2011
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. Wird man nächste Woche zum Beispiel eine Gruppe Körperbehinderter in der City sehen, kamen gestern Blinde und Sehbehinderte und folgten Stadtführerin Karin Döhler auf den Spuren der Grimmaer Geschichte.

„Sie hören sicher, dass heute Markttag ist", wies Karin Döhler auf das Gewimmel am Treffpunkt hin. Dennoch nicht zu überhören war mittendrin das beruhigende Plätschern des Eva-Brunnens. Wie und wann die nackte Schöne da oben drauf kam und was sie (nicht) anhat, das konnte die Gästeführerin den Teilnehmern dann mit Worten anschaulich rüberbringen. Neun Stufen stieg die 43-Jährige neben dem Rathauseingang dann runter, und die Kellertiefe war bei ihren Worten nicht zu überhören. Dass dies früher jedoch wahrlich kein Keller war, sondern das normale Erdgeschoss und dass der Markt und die Altstadt im Laufe der Jahrhunderte rund drei Meter aufgeschüttet wurden, hatten manche noch nicht gehört.

Gut Bescheid in punkto Rathaus wusste allerdings Annemarie Thill. Vor Jahren, als sie noch richtig sehen konnte, hatte sie dort auch mal als Hausmeisterin gearbeitet. „Ab 2007 wurde es mit den Augen immer schlimmer", erinnert sie sich. „Ich dachte erst, es würde alles mit mir zu Ende gehen, wollte nicht mehr." Doch die Mitglieder des Blindenverbandes hätten ihr wieder Mut gemacht. Christa Zeidler, Vorsitzende der Kreisorganisation des Blinden- und Sehbehindertenverbandes Sachsen, war gestern natürlich auch mit von der Partie. Ihr zur Seite ging Eleonore Conrad. Jeder, der mit den eigenen Augen die Grimmaer Sehenswürdigkeiten nicht oder kaum erkennen konnte, hatte eine Begleitung mit auf den Stadtrundgang mitgebracht. Brigitte Pöhland aus Grimma, die seit 2002 an einer schweren Augenkrankheit leidet, konnte sich auf dem holprigen Pflaster vor der Rathausgalerie an ihrer Nachbarin Helga Fret orientieren. Bei vielen Dingen hilft diese ihrer Bekannten. Der Grimmaer Wolfgang Wadewitz ist seit etwa 30 Jahren blind. Seine Frau Ilona hatte ihn sehend kennen gelernt und hält fest zu ihm. Sie machte in dem großen Haus, das ihr Mann nun erfühlte, vor Jahrzehnten ihr Abi. Gästeführerin Karin Döhler erklärt an der Fassade des historischen Gymnasiums St. Augustin die unterschiedlichen Strukturen der drei hier verwendeten Steinarten. Dass der Innenhof der einstigen Fürstenschule eine wunderschöne grüne Oase ist, spürten die Sehbehinderten ebenso wie die ganz besondere Atmosphäre des Betsaales im Gebäude. Und hörten sie auch. Denn als Karin Döhler in hellen Tönen „Geh aus mein Herz und suche Freud" anstimmte, kannten viele das bekannte Lied von Paul Gerhardt, der hier ab 1622 in die Schule gegangen war.

Hören, fühlen, spüren – das waren die wohl hauptsächlichsten Sinne, mit denen gestern Sehbehinderte bei einer besonderen Stadtführung vieles in der Grimmaer Altstadt besser kennen und verstehen lernten.

Silke Hoffmann

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