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Erster Stolperstein für Naunhof soll an Schicksal von Marie Mindel erinnern

Verlegung im Mai Erster Stolperstein für Naunhof soll an Schicksal von Marie Mindel erinnern

In zahlreichen Städten Europas erinnern sie bereits an die von den Nationalsozialisten verfolgten Juden, nun bekommt auch Naunhof einen ersten Stolperstein. Er soll an das Schicksal von Marie Mindel erinnern, die in der Bahnhofstraße 19 wohnte und Im Konzentrationslager Ravensbrück ums Leben kam.

Bescheinigung der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig, die die Zugehörigkeit Marie Mindels bestätigt.

Quelle: Erich-Zeigner-Haus

Naunhof. In zahlreichen Städten Europas erinnern sie bereits an die von den Nationalsozialisten verfolgten Juden, nun bekommt auch Naunhof einen ersten Stolperstein. In einem Projekt arbeitete das Freie Gymnasium mit dem Leipziger Verein Erich-Zeigner-Haus das Schicksal von Marie Mindel auf, die in der Bahnhofstraße 19 wohnte. Vor diesem Gebäude soll nun der Gedenkstein eingelassen werden. Zuvor müssen aber noch Spenden gesammelt werden.

Seit September vergangenen Jahres arbeiten 24 Neuntklässler des Naunhofer Gymnasiums unter inhaltlicher Begleitung von Henry Lewkowitz, zweiter Vorsitzender des Erich-Zeigner Hauses, mit Lehrerin Claudia Behzad die Leidensgeschichte von Marie Mindel auf. Laut ihren Ergebnissen erblickte sie am 19. November 1892 im polnischen Kalisch das Licht der Welt. 1935 zog sie nach Naunhof, um dort mit ihrem Mann das Leben zu verbringen. Als Hausfrau kümmerte sie sich um ihre drei Kinder, bis sich der Gatte von ihr scheiden ließ, wahrscheinlich weil er sich selbst schützen wollte oder Angst vor der Verfolgung hatte. Sie galt als Volljüdin und wurde ab dem 20. November 1940 in Leipzig mehrfach inhaftiert, die Nazis warfen ihr „Beleidigung deutschblütiger Frauen“ vor. Von Leipzig erfolgte am 14. Februar 1941 die Deportation ins Frauenkonzentrationslager Ravensbrück, wo Marie Mindel durch die unmenschlichen und unhygienischen Bedingungen an Nierenversagen mit Harnvergiftung erkrankte und am 12. Mai 1942 verstarb.

Im Rahmen ihres Projekts erstellten die Gymnasiasten einen Informationsflyer, der unter anderem das Leben von Marie Mindel und ganz allgemein die Idee der Stolpersteine vorstellt. Am Freitag in der Zeit zwischen 9.50 bis 11.20 Uhr werden sie damit in Naunhof unterwegs sein, um Spenden zu sammeln. Laut Henry Lewkowitz müssen sie über 120 Euro für den ersten Stolperstein Naunhofs auftreiben. „Ich bin mir sicher, dass sie das schaffen und zeitgleich viele Bewohner ihrer Stadt auf ihr Projekt aufmerksam machen. Das gibt den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, Zivilcourage zu beweisen und zugleich an die NS-Verbrechen in Naunhof exemplarisch zu erinnern und zu gedenken“, teilte er mit. Wer sofort spenden möchte, könne eine Summe an das Erich-Zeigner-Haus überweisen.

Stolperstein für Pfarrer Ernst Lewek auf dem Nikolaikirchhof Leipzig

Stolperstein für Pfarrer Ernst Lewek auf dem Nikolaikirchhof Leipzig. So wird auch der Gedenkstein für Marie Mindel aussehen, natürlich mit einer komplett anderen Inschrift.

Quelle: Erich-Zeigner-Haus

Verlegt wird der Stolperstein am 29. Mai, 9 Uhr. Bereits am Vorabend, ab 18 Uhr, hält der Künstler Gunter Demnig, der das Stolperstein-Projekt 1992 kreierte, im Bürgersaal Naunhof einen Vortrag über dessen Umsetzung. Bislang wurden europaweit in 19 Ländern insgesamt über 60 000 solcher zehn mal zehn Zentimeter großen Steine verlegt. Der Eintritt zum Vortrag ist frei.

Wie die Naunhofer Gymnasiasten im Zuge ihrer Recherchen herausfanden, hatte Marie Mindel zwei Geschwister. Schwester Sarah Aussenberg, die zuletzt in Leipzig wohnte, wurde im Konzentrationslager Auschwitz ermordet. Bruder Hirsch Hermann Malecki geriet ins KZ Sachsenhausen, wo ihm 1939 die Flucht gelang. Möglicherweise hat er die Diktatur überlebt. Dem Schicksal der Beiden will sich eine neue Leipziger Projektgruppe annehmen.

Spendenkonto für die Naunhofer Stolpersteinverlegung:

Empfänger: Erich-Zeigner-Haus e.V.

IBAN: DE 94 860 555 92 11 002 798 96

Verwendungszweck: Stolperstein Marie Mindel Naundorf

Von Frank Pfeifer

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